6. Folge – Der Lenz ist da!

Wein Soul-Faktor Euronen
2010 Cabernet Gernischt Blend
ChangYu Pioneer Wine Company
ohne Note (Kork), sonst 3 von 6 bis 10
2009 Icewine Vidal Golden Diamond
ChangYu Pioneer Wine Company
20-30

Chinesischer Wein ist in Deutschland noch selten anzutreffen. Dafür hört und liest man immer wieder von den Irrsinnspreisen, die europäische Nobelweine wie Lafite, Romanée-Conti & Co. dort erzielen. Gerne wird auch die Mär erzählt, dass Chinesen den Edelstoff gerne mit Cola mischen, weil sie sowieso nichts vertragen. Das mag vereinzelt stimmen, doch ich finde diese europäische Arroganz völlig peinlich. In meiner Laufbahn habe ich viele Deutsche mit unterirdischen Geschmackspapillen kennen gelernt, für die der Wein, mit oder ohne Cola, zu schade war.

Fakt ist, dass teurer Wein in China gern verschenkt oder im Restaurant mit Geschäftspartnern getrunken wird. Je teurer desto besser. Dies gilt dort als Zeichen besonderer Wertschätzung und Status. Irgendwie muss das schnell verdiente Geld auch ausgegeben werden, aber wichtiger ist die besondere Aufmerksamkeit, die man dem Gegenüber damit erweist. Übrigens Vorsicht: es gibt eine Menge Chinesen, vor allem in Hongkong, die sich extrem gut in Bacchus‘ Reich auskennen. Weitaus besser als viele Snobs weltweit.

Was die Wenigsten wissen ist, dass Chinas Weinwirtschaft in den letzten Jahren extrem expandiert ist. Mittlerweile ist das Reich der Mitte unter den Top 10 der größten Weinländer der Erde angelangt. Es liegt auf Platz 5 mit ca. 500.000 Hektar. Tendenz steigend. Auch der Konsum zieht an und liegt bei etwas über 1 Liter pro Kopf. Bei 1,3 Milliarden Chinesen heißt das, dass man gerade an England im Ranking des Weinverbrauchs vorbeigezogen ist und jetzt global auf Platz 5 in der Konsumation liegt. Allerdings ist Wein nach wie vor ein Getränk der Mittel- und Oberschicht. Dafür hält das Wachstum von jährlich 16 % weiter an.

Natürlich wird immer noch viel gefälscht und gepanscht, aber es gibt auch eine Menge Lichtblicke. Zum Beispiel das Weingut Grace Vineyard mit seinem Chairman’s Reserve aus der Region Shanxi, der bis dato mein bester Wein aus China ist. Ich bin gespannt, wie sich das 2008 gestartete französisch-chinesische Joint Venture von Lafite-Rothschild entwickelt. Die natürlichen Vorraussetzungen sind sehr gut. Kontinentales Klima und Höhenlagen prägen die Regionen rund um Beijing, und viele Weingärten liegen entlang des gelben Flusses in der Region Shanxi.

Die Weine, die mir der österreichische Weinhändler Lenz-Maria Moser aus den Kellern des Weingiganten ChangYu vorstellte, waren verblüffend gut (leider hatte der Cabernet Gernischt Kork, schien aber solide zu sein). Der Eiswein aus der Bergwelt um Huanren war dafür einwandfrei und von sehr guter Qualität. 400 Hektar Weinberge ausschließlich für die Herstellung dieser Stilistik! Fast so groß wie manche Weinregionen in Europa. Damit verdoppelte sich die Eisweinproduktion weltweit über Nacht. Sicherlich hatte der Stoff nicht den Schliff, die Tiefe und die Finesse deutscher Eisweine, aber man steht hier am Anfang. China wird in den nächsten Jahren seine qualitative Stellung auf dem Markt weiterhin ausbauen. Ich bin mir sicher!

Über hendrikthoma

Master Sommelier, Impresario und Gastgeber bei Deutschlands Video Blog + Shop "Wein am Limit"
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20 Antworten zu 6. Folge – Der Lenz ist da!

  1. Patrick schreibt:

    Super Video, hoch informativ. Sehr sympathischer Gast!
    Sag mal Hendrik, wie kalt ist es eigentlich in deinem Verkostungsraum. Wenn man Dich so betrachtet hattet ihr bei der Verkostung Minusgrade. Deswegen auch Eiswein… 😉

  2. Anton Koschnik schreibt:

    Brauchen wir Japanische Autos?
    Die einen sagen so und die anderen so.
    Ich finde man sollte sie mal probieren, nicht zu viel erwarten und gut.

  3. Nachdem menschlichen Knyphausen Video absolut spannendes Fachvideo. Bei 20 Minuten dachte ich erst, ob das Ganze nicht so seine Längen aufweisen wird, aber es war durchweg unterhaltsam und informativ. Lenz-Maria Moser als alter Fuchs im Business natürlich fabelhaft!
    Ja, Fazit, man sollte es vielleicht mal wieder mit China probieren. Meine letzte Erfahrung war ein 2006er Chateau Changyu-Castel Chardonnay Belyujla Vinyard – Shandong , der schmeckte eher wie 3 Tage alte Glasnudelsuppe, im Mund vergorene Litschi, im Abgang stark bitter. Aber wie gesagt, gerne mal wieder versuchen.
    Chapeau Hendrik, weiter so!

    Gruß der Direttore
    http://www.direttore.de

  4. Praterralle schreibt:

    Hallo Hendrik,
    fand bisher Deine Sendungen auf weinamlimit super. Doch chinesischer Wein braucht man jetzt so was? Es ist logisch, dass China GB im Weinkonsum mengenmäßig überholt hat. Es gibt einfach viel mehr Chinesen als Briten. Wenn Du zwanzig Jahre zurückgehst, hat es auch schon öfters diese Entwicklung exorbitanter Preise für Nobelweine in Asien gegeben. Spekulation oder Prestigedenken einer in Relation zur Gesamtbevölkerung kleinen dubiosen Oberschicht, von der man lieber nicht wissen will, wie sie zu ihrem Geld gekommen ist. Eine Blase, von der im Falle Chinas bereits abzusehen ist, das sie platzen wird. Gegen Arroganz habe ich auch etwas. Nur sollte man sie nicht mit einem gesunden Selbstbewußtsein verwechseln. Wir können hier viel von Franzosen, Italienern , Spaniern etc. lernen. Um mein Studium finanzieren zu können, habe ich deutsche Weine an japanische Touristen verkauft. Hier ist eigentlich jedes Vorurteil bestätigt worden. Der Anteil der Kenner lag hier unter einem Prozent. Man muß sich, glaube ich eigentlich klar sein, dass der Anbau in China ein Massenanbau ist, der keinerlei Restriktionen unterliegt. Man weiss beim ersten Schluck also nicht, was vorher auf dem Boden entsorgt wurde. In Zeiten in denen sehr renomierte Weingüter wie Wittmann und Vollmer auf Öko umgestellt haben, sollte man auch speziell als Weinliebhaber die Erhaltung des Terroir in den Vordergrund stellen. Als in Wien lebender Deutscher habe ich die Österreicher bisher als qualitätsorientierte Konsumenten erlebt. Der Biogedanke ist hier viel weiter entwickelt als in Deutschland und auch der Weinbau wurde viel früher revolutioniert. Darum wundert es mich, dass ein Österreicher für den Import chinesischer Weine zeichnet. So lang es noch ( Klimaerwärmung) richtigen Riesling und Spätburgunder gibt, werde ich diese genießen. Hoffentlich wird es zukünftig nicht wie beim Knoblauch, dass man nur noch das dubiose Zeug aus China gibt.
    Nix füar unguat

  5. weinleerer schreibt:

    HA – und welchen Wein hatte der weinleerer vor zwei Wochen als Muster??
    und welcher Wein war verkorkt ;-)))

    Grüße

    weinleerer

  6. Diollysos schreibt:

    Gutes Video, sehr interessant. Genau das meinte ich. Gerne mehr solcher Gäste!

    Was die chinesischen Weine anbelangt: Teils, teils. Gerade der obige Rote war z.B. bei mir auch mit Korkfehler behaftet, da fragt man sich dann schon…

    Dagegen auch ein paar solide Eisweine und vergleichbare süße Weine. Nett, nicht herausragend. Komplexität und Tiefe fehlen derzeit.

    Vinophile Grüße

    Diollysos

  7. Jasper schreibt:

    Erstmal ein super Video und ein toller Gast ! Sehr unterhaltsam.

    Chinesischer Wein ? Find ich super, sollen die Chinesen ihren eigenen trinken und uns unseren lassen 😉

  8. Werner schreibt:

    Super interessantes Video, echt leiwand der Lenz….

  9. Reblaus1975 schreibt:

    Hallo Hendrik,
    ich genieße jede Minute Deiner Sendungen. Ein Gläschen Wein dazu und ein Stück Speck. Was gibt es besseres?

    Wein aus China……….lieber Eisbein.

  10. Marco Rosso schreibt:

    Sehr interessantes Video,macht neugierig auf China.

  11. Peter schreibt:

    Ich bin offen für Neues, warum nicht auch für Wein aus China. Doch was den Wein „für jeden Tag“ angeht, verfahre ich nach dem Motto: Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute ist so nah … Und als Rheinhesse bin ich von Dutzenden erstklassigen Weingutern umgeben, die herrliche Tropfen produzieren. Warum also sollte ich ständig Weine aus über 10000 Kilometern Entfernung herankarren lassen?

  12. ROTENBERGER schreibt:

    Hallo Hendrik! 🙂 Als ich gestern Deinen neuen („alten“) Blog 😉 wiederentdeckt habe war ich sehr erfreut – und bin es immer noch! Wie schon so viele meiner Vorredner möchte ich Dir sagen, dass DU das richtig gut machst. Deine lockere Art, die nie aufgesetzt oder „flach“ rüberkommt macht es aus, gepaart mit großem Sachverstand und tollem Hintergrundwissen/Geschichten ragst DU ganz weit aus dem heraus was sonst noch so hier im Web geboten wird. Mit TVino hat es angefangen – zum Glück gehts nun hier mit DEINEM eigenen BLOG weiter! 🙂
    ICH FREUE MICH RIESIG!!! – alles Gute, viel Glück und bleib so wie DU bist – einfach ein Mensch mit dem WIR diese tolle Leidenschaft WEIN gemeinsam zelebrieren und immer wieder Neues entdecken können! 🙂 Schöne Grüße aus dem Schwabenländle vom ROTENBERGER 🙂

    P.S. Was hälst Du davon mal wieder den guten Johannes Leitz einzuladen 😉

  13. Pingback: Über den Tellerrand gelinst : Pfalzlinse

  14. Oh Dae-Su schreibt:

    Hallo Hendrik,
    jetzt bist du mir zuvor gekommen. Ich hatte den D’Est seit zwei Monaten im Schrank stehen und hab mich aufgrund so manch negativer China-Wein Erfahrungen nicht rantrauen wollen. Jetzt aber doch. Wenigstens hat meiner nicht gekrokt 😉
    http://wine-zeit.blogspot.com/2012/03/resurrection-of-forgotten-cabernet.html
    Gruss

  15. Daniel Wolter schreibt:

    Hallo Hendrik,

    die letzten beiden Videos waren wirklich richtig toll!!!

    Ich finde Du machst ganz ausgezeichnete Arbeit…ich hab viel Freude beim gucken!!! Ich finde die Länge der Videos auch total Klasse!!!

    Von mir aus kann so weiter gehen.

    Grüße aus Berlin

    Daniel Wolter

  16. ibz.schmidt schreibt:

    Hallo Hendrik,
    China-Wein – mal was Neues, für mich jedenfalls. Weiter so, es ist immer spannend Neues zu entdecken. Der Rote bei der Probe ist aber leider ein Reinfall, keinen Körper, keinerlei Kraft, dünn und patschig. Mit einem Wort, und das warscheinlich weil OHNE Kork eine einzige Enttäuschung.
    Discounter unterste Schublade. Trotz alledem WEITER SO.
    Beste Grüße aus Berlin
    Andreas Schmidt

  17. Gilli Vanilli schreibt:

    da es hier in europa so gute und auch vom preis leistungsverhältnis bessere weine gibt als in china, wird das wohl noch dauern bis ich mal einen probiere

  18. Faikon schreibt:

    Lieber Hendrik,

    Glückwunsch zur neuen Plattform. Wünsche dir weiter ein gutes Händchen bei der Wahl der Gäste und Weine.

    Zum Thema „Chinesischer Wein“: für mich als interessierten Laien ist es grandios zu sehen, dass es immer mehr Weinanbaugebiete weltweit gibt. Das macht zwar die Auswahl schwieriger, aber wenn die Trauben in begabten Händen landen, ist das Ergebnis ein lokales Produkt erster Klasse und da ist mir die Herkunft ergal.
    Ich hatte den 2005er Chairman’s Reserve von Grace Vineyard in einer globalen Blindprobe mit 11 weiteren Cabernet Blends (u.a. Knipser Cuvée X, Vega Sicilia Unico…) und bei mir hat dieser Wein am zweitbesten abgeschnitten. Hätte ich damals nicht gedacht, aber das Erlebnis zeigte mir, dass es sich ohne Vorurteile deutlich spannender lebt.

    Gruß aus der Kurpfalz.
    Faikon

  19. Phil schreibt:

    China – bislang nicht verkostet – kann ich nicht mitreden!

    Allgemein zum Thema Wein und China würde ich mir für die Zukunft wünschen, dass die Chinesen in China China machen.

    Fliegende Weinmacher sind legitim. Es gibt sie überall auf der Welt. Und Jahrtausende der Entwicklung abzuwarten, bis man die erste Flasche genießbaren Weines bekommt, steht außer Frage. Zumindest ich habe vielleicht die Geduld, aber nicht die Zeit dazu.

    Fliegende Weinmacher sind nicht nur legitim, sie sind auch gerade bei einem Neuanfang wichtig, insbesondere was die Übermittlung von beispielsweise Qualitätsphilosophien betrifft. Hier erachte ich es als vortrefflich, dass ein Österreicher zur Stelle ist. Keiner kann besser erklären, was man mit Glykol nicht macht.

    Aber, Freunde der Nacht, tut mir einen Gefallen und macht China. Schaut, was ihr für einen Boden habt, was ihr für ein Klima habt, welche Traube dort paßt,………., und macht China.
    Wenn ihr ein Weingut erbaut, stellt euch von mir aus einen schönen Kung-Fu Tempel hin; oder sonst was gebietstypisches. Ein Schloss, ein Chateau, eine Finca usw. will da keiner sehen.

    Das wahllose Wildkopieren von Kulturen zerstört selbige nur.

    Meine Gebete drehen sich selbstverständlich auch rund um das Thema Weinstil. Bitte, liebe Chinesen, schaut im Telefonbuch nicht unter Michel Rolland nach. Den armen Rebensaft im Labor in die Knie zu schminken, bis er einem Schwippschwager und Busenfreund, dem Punkte-Robert, mundet, ist abartig; es bringt 90+ und Schotter, aber es ist abartig.

    Und jetzt – macht mich neugierig!

  20. BW schreibt:

    „Das wahllose Wildkopieren von Kulturen zerstört selbige nur.“

    Imho ist das eine ziemlich steile These 🙂 „Wildkopieren“ wie du das nennst, ist das Schaffen von Synergien. Und das ist genau das was der Kulturbetrieb seit Jahrtausenden tut. Es macht den Kulturbetrieb erst möglich. Keine Renaissance ohne Antike, kein „Kill Bill“ ohne den Wu-Tang Clan, kein Christentum ohne den Untergang der ägyptischen Mystik usw.usf.etc.pp.

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