14. Folge – Karaffieren und der Trick mit der Folie

Wein Soul-Faktor Euronen
2010 Bouzeron
Domaine A.et P. de Villaine, Burgund
10-20
2009 Puligny-Montrachet
Domaine Bachelet-Monnot
30-40

Mein heutiger Gast ist der Hamburger Vijay Sapre. Er ist ein leidenschaftlicher Burgunder-Liebhaber und Herausgeber des Magazins für Essen und Leben namens Effilee.

Normalerweise bin ich kein Freund von den vielen auf dem Markt kursierenden Accessoires. Ich halte z. B. diese Wein-Turbo-Belüfter für absolut überflüssig. Für mich ist und bleibt Weingenuss ein ungeschminktes Erlebnis, das außer bereits bekannten Maßnahmen wie dekantieren, frappieren etc., keine weiteren Effekte braucht. Alles andere ist für mich Manipulation und befremdend.

Allerdings hatte ich vor einiger Zeit eine Karaffe bei Vijay entdeckt, die ich absolut klasse fand. Diese Karaffe ist perfekt geeignet, um Weiß- wie Rotweine ohne große Umstände aus der Flasche und wieder in dieselbige hinein zu karaffieren – ein alter Trick, um den Wein kurzfristig etwas Luft zu geben. Durch diese Oxidation entfaltet sich der Wein ein wenig, verliert dabei aber nicht seine Frische in der Karaffe. Das so genannte „Doppeldekantieren“ (in diesem Fall Doppelkaraffieren) wird gerne bei großen Events von Sommeliers durchgeführt. Meistens auch deswegen, weil einfach nicht genügend Karaffen vorhanden sind. In erster Linie wird es angewendet, um den Wein in kurzer Zeit genussfähiger zu machen. Denn durch das Doppelkaraffieren bekommt der Wein kurzfristig eine Menge Sauerstoff zugeführt. Er steht sozusagen er unter Sauerstoffschock.

Der erste Wein war ein Aligoté aus der Gemeinde Bouzeron von der Domaine A. et P. de Villaine. Normalerweise ist der Aligoté wenig geschätzt, aber dennoch weit verbreitet an den Hängen des Burgunds. Zu neutral, grasig, kaum lagerfähig und extrem säurereich wird sie gerne für den Kir – also mit Crème de Cassis gesüßt – genommen. Bouzeron liegt im Süden der Region und genießt unter Kennern einen besonderen Ruf. Deswegen hat sie auch eine eigene Appellation. Die Familie de Villaine sind im übrigen Teilhaber und federführend für einen der berühmtesten und teuersten Weine der Welt: dem Romanée-Conti in Vosne-Romanée.

Dennoch haben sich die de Villaines immer stark gemacht für den Bouzeron. Dieser ist in 2010 extrem steinig, frisch und klar. Ein Wein der nicht von Holzaromen überdeckt ist und eine karge Schönheit besitzt. Ein fantastischer Wert, der wieder einmal belegt, dass selbst aus einem Frosch ein stattlicher Prinz werden kann.

Leider hatte der Puligny-Montrachet von Bachelet-Monnot einen satten Korkschmecker. Unter normalen Umständen wäre das ein ganz großer Wein. Mineralisch, dicht und spannungsgeladen. Getragen von einer köstlichen Frische, die diesen schweren Weinen eine herrliche Leichtigkeit verleiht. Dieses junge Weingut ist erst 2005 von den Brüdern Marc und Alexandre Monnot von ihrem Vater übernommen worden. Gleichzeitig wurden auch einige alte Weinberge übernommen. Sie sind das Fundament für diesen rasanten Aufstieg. Ich empfehle dringend, die Augen für dieses Weingut offen zu halten. Weißer Burgunder vom allerfeinsten, der es auch wert ist. Häufig erlebt man besonders in dieser Kategorie die größten Reinfälle.

In der Verlängerung versuchen Vijay und ich uns an dem Folientrick, um den Wein nochmals zu reanimieren bzw. vom Kork zu befreien. Aber seht selbst… Viel Spaß!

Über hendrikthoma

Master Sommelier, Impresario und Gastgeber bei Deutschlands Video Blog + Shop "Wein am Limit"
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36 Antworten zu 14. Folge – Karaffieren und der Trick mit der Folie

  1. mr. b schreibt:

    ein vorschlag zur güte: treuepunkte in einen zweiten spucknapf für die gäste investieren

  2. Barbara Roeddiger schreibt:

    Tolle Präsentation.

  3. Peter schreibt:

    Karaffieren, Dekantieren, Lüften … Ich brauche das alles nicht. Schon gar nicht bei Weißwein. Ein großes, bauchiges Glas, in dem ich den Wein ausgiebig schwenken kann, genügt mir.

  4. Flo schreibt:

    Kann mich den Lobeshymnen nur anschließen! Die Karaffe ist wirklich genial.
    Außerdem bin ich auch der Meinung, dass es gerade auch den großen Weißweinen gut tut, etwas zu atmen, weil diese oft viel zu schnell nach dem öffnen konsumiert werden.

  5. Marco Rosso schreibt:

    Geniale Sendung und Hendrik in Hochform ! Bin auch der Meinung,das man viel häufiger Weißwein als Rotwein karaffieren sollte.

  6. Thomas schreibt:

    Ich hatte mal drei Karaffen. Die erste unterzog mein Sohn (damals 3) einem Hammertest (fail), die zweite hat es beim Umzug gehimmelt und in die dritte kommt bei Weinproben Wasser.

    Dessen unbenommen: (wieder eine) feine Sendung!

  7. Eric Hofmann schreibt:

    Habe mir die Karaffe bei Amazon bestellt. Hendrik, beim nächsten mal poste doch bitte gleich den Link mit deinem Affiliateprogramm, dann hätteste noch ein paar Euro verdient 😉
    Ansonsten tolle Sendung! … und das Shell Programm ist echt zu abgezockt.

  8. Axelf schreibt:

    I like! Ein unendliches Repertoire an neuen Folgen: Verschiedene Folien-Hersteller testen 😉

    Karaffieren ist sehr wichtig und sinnvoll für mich als Jungwein-Fan. Auch wirklich das Doppelkaraffieren, damit man die eigentliche Flasche wieder auf dem Tisch hat.

    Ansonsten hab ich die ARAL Card und muß mich mit Sporttaschen als Prämien begnügen…
    Aber im nächsten Skandinavienbesuch werde ich mir die tolle Karaffe am anschauen 😉

  9. Gerhard Hunold schreibt:

    Selten so gelacht bei Wein am Limit! Spätestens beim Nachspann mit der Frischhaltefolie hält es keinen mehr auf den Sitzen 😀 . Sehr sympathischer Gast.

  10. K. Ruckmich schreibt:

    grundsätzlich finde ich dass das dekantieren bei großen Rot wie auch Weissweinen von Vorteil, ja sogar Bedingung ist damit sich die Weine öffnen. Junge und auch kleinere Weine kann man sehr gut direkt aus der Flasche ins entsprechende Glas geben. Sehr alte Weine eher langsam in die Karaffe geben und bei jüngeren großen Weinen eher schneller in die Karaffe geben. Beim Kork bin ich mir nicht genau sicher ob es beim Puligny-Montrachet der Fall war. Ich hatte vor kurzem einen 82er Montrose, sehr verschlossen und Anfangs vermutete ich einen Korkschmecker. Der Wein wurde erst nach 6-8 Stunden im Dekanter zugänglich und auch der angebliche Korkgeruch war verschwunden und am Gaumen nicht mehr vernehmbar, der Wein war sehr gut zu geniesen. Vielleicht hätte man dem Puligny-Montrachet mehr Zeit im Dekanter geben sollen, war doch recht kurz wie Ihr den verkostet habt. Den Folientrick fand ich eher sehr lustig, werd es aber bestimmt mal ausprobieren, wer weiß vielleicht funktionierts man lernt ja nie aus.

    • hendrikthoma schreibt:

      Lieber Mr. K., dieser Wein hatte definitiv Kork. Er roch wie ein feuchter schimmeliger Pappkarton im Kartoffelkeller. Generell stimmt es, dass der Korkschmecker für viel herhalten muss, was er gar nicht zu verantworten. Diese Debatte hat in D an Objektivität komplett verloren.

      • klausruckmich schreibt:

        Lieber Henrik Thoma , gut wenn natürlich noch Mufftöne dabei sind ist das auch wieder ne andere Sache. War sicher ein Versuch wert mit der Folie, in diesem Fall eben nur leicht was verbessert.

      • Winenerd schreibt:

        Hallo Herr Thoma,

        ich begrüße diese Aussage. Es ist teilweise befremdlich was „Experten“ zu diesem Thema von sich geben!

  11. Philip schreibt:

    Hallo Hendrik,
    Für mich als Einsteiger stellt sich nach deinem Video ja ganz klar die frage, welche weißen Weine denn karaffiert werden sollten? Gibt es hier mehr oder weniger klare Vorgaben oder hängt das individuell vom Wein ab? Was ist z.B. mit einem 2010 Saar Riseling von Van Volxem, oder einem 2011er Damaszener Stahl Silvaner vom Winzerhof Stahl? Bei welchen Weinen verbietet sich ein Karaffieren? Fragen über Fragen. Aber danke für Wein am Limit. Immer wieder spannend.
    Viele Grüße aus Franken
    Philip

    • hendrikthoma schreibt:

      Lieber Philip, ich würde sagen. Je mehr und auch länger Holz (egal welcher Art) beim Ausbau im Spiel war, umso besser passt es. Fruchtbetonte Weine profitieren selten von übermäßig viel und langer Sauerstoffzufuhr.

    • hendrikthoma schreibt:

      Lieber Philip, als Faustregel gilt. Je länger der Wein im Holzfass -egal welcher Art- war, umso besser reagiert er auch mit Sauserstoffzufuhr. Hingegen ist die stahltankvergorene Variante des Weines wie Granny Smith aus NZ. Schnell essen bzw. trinken, sonst wird sie braun bzw. oxydiert.

      • Philip schreibt:

        Klasse, Hendrik. Danke für die schnelle Antwort. Ich werde mir die Karaffe mal zulegen und ein bisschen damit experimentieren. Ich hab da noch ein paar von Winning Falschen, da müsste das ja dann gut passen.

  12. Nico schreibt:

    Hallo Hendrik,
    wir hatten die Karaffe vor einem Jahr schon einmal bei Drunkenmonday ( http://drunkenmonday.wordpress.com/2011/04/08/wein-gimmik-menu-wine-breather/ ) vorgestellt und seit dem einige Male im Einsatz. Der große Vorteil liegt mit Sicherheit darin, mehrere Weine mit nur einer Karaffe zu belüften. Die Sache mit der Folie war mir aber auch neu. Schöne Sendung btw. – entspannter wie bei TVino!

    Grüße,
    Nico

  13. Konrad Wagner schreibt:

    Toller Beitrag, tolles Spielzeug. Die Karaffe gibt es auch in schlanker Form mit einsetzbarem Kühlstab (Geschenk von meiner Frau .-)). Kühlt innerhalb weniger Sekunden. Ob dies unbedingt gut ist für alle Weine sei dahin gestellt. Aber bei unerwartetem Besuch auf der Terasse ein paar frische, leichte Sommerweine zu genießen eine geniale Idee.
    Grüße,
    Konrad

  14. Phil schreibt:

    Moin,

    jung, leicht, fruchtig usw. kommen bei mir unabhängig von der Farbe grundsätzlich ohne Karaffe aus, da kontraproduktiv.

    Selbst bei sehr kräftigen Modellen im hohen Alter ist Vorsicht geboten, hier können die plötzlichen Unmengen an Sauerstoff das Todesurteil bedeuten.

    Probiere gerne über mehrere Tage aus der Flasche.

    Wenn karaffiert wird, geht’s vor dem Genuss immer wieder ab in die Flasche. Die muss bei mir auf dem Tisch stehen.

    Große dt. Rieslinge oder sp. Viura klassisch gemacht mit viel Eiche werden regelmäßig an die Luft gesetzt.

    Gruss
    Phil

  15. Stefan schreibt:

    die Karaffe ist auch genial, weil klein und handlich. Ich mag die Flasche auf dem Tisch, daher eigentlich perfekt.

    Tolle Sendung! Weiter so.

    Mach doch mal zum Thema trockenen Riesling. Hatte letztens wieder eine tolle Diskussion, dass ein guter Weißer immer trocken sein muss! Leider hat demjenigen der Batterieberg am besten geschmeckt.

  16. Sascha schreibt:

    Hi Hendrik,

    wirklich ein klasse Blog!

    Schön, dich wieder so unangestrengt in deinem Element zu sehen! So hattest du mich „damals“ auch erst mit dem Weinvirus infiziert.

    Danke dafür,

    Sascha

  17. Torben Bornhöft schreibt:

    Bachelet-Monnot hat mich generell bisher überzeugen können – vom Bougogne Blanc zu 14 € bis zum Batard Montrachet. Tolle, energiegeladenen und sehr präsente Weine.

  18. Reblaus1975 schreibt:

    Hallo Hendrik,
    ich halte es wie Peter. Ich benutze lieber bauchigere Gläser. Das dekantieren spare ich mir. Vor Jahren, als ich mich ernsthaft mit Wein zu beschäftigen anfing, habe ich oft dekantiert. Allerdings finde ich den erzeugten Effekt inzwischen nicht mehr so wichtig. Ist das erste Glas ersteinmal getrunken hat der Wein in der Flasche auch Luft gezogen und ist bekömmlicher.

    Liebe Grüße aus Oberhausen
    Reblaus1975

  19. Henning schreibt:

    Die bei Shell haben kein Verständnis für uns Dekantierfans. Anstelle mit den Punkten runterzugehen haben sie jetzt die Karaffe ganz aus dem Programm genommen. Wie gut, dass es amazon gibt 🙂

  20. Mathias schreibt:

    Hallo Hendrik,
    ich habe solche „atmenden Gläser“ von Eisch, die angeblich das Belüften übernehmen sollen. Ich bilde mir zumindest ein, dass es funktioniert. Was hälst Du davon?

    • hendrikthoma schreibt:

      Hallo Mathias, kenne sie nicht, frage mich aber, ob sie sinnvoll bzw. nötig sind. Viele Grüße, Hendrik

      • Werner Elflein schreibt:

        Wir haben sie mal in Düsseldorf mit einigen Weinfreunden getestet. Sämtliche Weine, ob weiß oder rot, Pinot noir oder Languedoc, haben sich in diesen „atmenden Gläsern“ innerhalb von wenigen Sekunden verabschiedet. Ich kann nur sagen: Finger weg!

  21. Roy janke schreibt:

    Hallo Hendrik ist es erforderlich nötig,da wir gerade dabei einen passito di pantelleria und ein vin santo lenotti verkosten, diese weine zu karaffieren fragen meine clienten?Oder reicht das auch so aus der flasche zu servieren oder kommt das auf den jahrgang darauf an?

    • hendrikthoma schreibt:

      Lieber Roy, bei halben Flaschen erübrigt sich das sehr schnell. Allerdings können diese Weine, aufgrund ihres langen Holzfassausbau gut Luft vertragen. Mir reicht es meistens im Glas.

  22. Gilli Vanilli schreibt:

    schade das ich erst heute mal wieder dazu komme ein paar schöne folgen anzuschauen

    denn ich hatte neulich n korker – sehr ärgerlich das ich den terlaner wegschütten musste
    da hätte ich das gerne mal getestet mit der folie

  23. Gilli Vanilli schreibt:

    PS: die Gläser habe ich auch mal bekommen – die Breathable Glasses von Eisch
    ich hatte beim selbstversuch auch das gefühl es bringt n bisl was aber als laie kann ich mich da auch getäuscht haben

  24. Thorsten Jordan schreibt:

    Also ich persönlich besitze keine Karaffe und habe auch noch nie dekantiert oder karaffiert, möchte mir aber eine Karaffe anschaffen! Meine Frage: Was muss ich wann dekantieren?

    • hendrikthoma schreibt:

      Lieber Thorsten, da gibt es leider keine Antwort die hier hinpasst. Faustregel: je einfacher und fruchtiger eine Wein ist, umso weniger ist das nötig. Das heißt Weine mit langer Holzlagerung, viel Tannin und Mineralität (auch Komplexität) profitieren vom dekantieren. Am Ende ist es eine Kombination aus Gefühl, Erfahrung und persönlicher Vorliebe. Viele Grüße, Hendrik

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