16. Folge – Besuch von Caro Maurer, Master of Wine, Teil 2

Wein Soul-Faktor Euronen
2010 Corail Rosé
Château de Roquefort, Provence
bis 10
2000 Rosé Gran Reserva
Viña Tondonia, Rioja
10-20

Caro Maurer hat im September 2011 ihre Prüfung zum „Master of Wine“ bestanden. Damit ist sie eine von vier Personen in Deutschland – und die erste weibliche MW (so das begehrte Kürzel im Jargon). Insgesamt gibt es auf der Welt ca. 300 Personen, die diesen Titel tragen. Vor allem Menschen aus dem Handel, Journalisten und auch einige Weingutbesitzer sind Träger dieses Titels.

Ich kenne Caro schon einige Jahre und schätze ihre Beiträge, u. a. in „Der Feinschmecker“, „Fine“ und anderen Publikationen. Sie ist keine Person, die sich hoch zu Ross durch die Weinwelt bewegt, sondern ein offener, bescheidener Mensch.

Das ist ein guter Grund, sich einmal mit Caro bei Wein am Limit vor die Kamera zu setzen. Denn eines ist mir immer von Grund auf peinlich: Viele Menschen halten mich für einen „Master of Wine“, obwohl ich ein Master Sommelier (MS) bin. Diese ebenfalls aus Britannien stammende Prüfung gilt der Gastronomie. Sie wird seit 1969 durchgeführt, und ca. 200 Personen weltweit haben sie geschafft. Allerdings hat der MW einen weitaus akademischeren Hintergrund. Der MS soll im Gegensatz dazu ein Meister seines Genres, dem Restaurantgeschäft, sein.

Wir verkosten zwei Roséweine, eine Kategorie, die bis vor einigen Jahren eher für Verlegenheitstrinker oder Unentschlossene galt. Das hat sich in den letzten Jahren gewaltig geändert. Ich behaupte, der Markt ist emanzipierter geworden. Leider hat jeder Hype auch einen unangenehmen Nebeneffekt: Heute gibt es mehr Schrott-Rosé als jemals zuvor. Nur die Produzenten, die ihn mit derselben Aufmerksamkeit und Leidenschaft wie ihre anderen Weine produzieren, sind über diesen Verdacht erhaben.

Der „Corail“ (das bezieht sich auf die rosa Farbe des Dottersacks der Jakobsmuschel) ist ein Wein aus fünf unterschiedlichen Rebsorten: Grenache, Syrah, Cinsault, Vermentino und Clairette (die letzten beiden sind weiß). Ein Klassiker der Provence. Würzig, duftig und mit einer angenehmen trockenen Frische. So kann Rosé eine köstliche Offenbarung sein.

Der 2000 Gran Reserva von Viña Tondonia-Lopez de Heredia ist ein ganz außergewöhnlicher Wein. Gekeltert aus den Rebsorten Garnacha, Tempranillo und Viura hat er viereinhalb Jahre im großen Holzfass zugebracht und ist der aktuelle im Handel erhältliche Rosé dieses Weinguts. Dieser extrem traditionalistische Erzeuger gilt als einer der letzten seiner Art. Hier gibt es keine Stahltanks und andere Neuerungen der Weinindustrie. Es sieht aus wie in einem Museum, ohne eines zu sein. Die Weine reifen extrem langsam in den alten Gemäuern von 1877, und nur wenig hat sich an der Weinbereitung von damals geändert. Wenn man möchte, ist Viña Tondonia der letzte Dinosaurier des Rioja. Das Bukett dieses kupferfarbenen Rosés erinnert an salzige Meeresluft, Bittermandel, Himbeere und Rhabarber. Am Gaumen hat er eine saftige frische Säure und ist richtig trocken. Das ist kein Rosé für den normalen Rosétrinker, aber eine tolle Erfahrung außerhalb des bekannten Geschmackskosmos.

Über hendrikthoma

Master Sommelier, Impresario und Gastgeber bei Deutschlands Video Blog + Shop "Wein am Limit"
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13 Antworten zu 16. Folge – Besuch von Caro Maurer, Master of Wine, Teil 2

  1. Stephan Ziehen schreibt:

    Tolle Sendung!Man hatte das Gefühl,daß ihr beide total im Thema ward und es sehr aufrichtig war.Es ist sehr gut,daß jetzt kein Weinhändler Dir mehr einen Maulkorb verpasst.
    Leider kenn ich nur den Corail,aber den finde ich sehr gut,der Spanier klingt interessant aber auch ein bißchen verkopft…

  2. Karl Gilles schreibt:

    Wow !!! tolle Blondine und interessantes Thema ( da macht es Spass bis zum Ende (zuzuschauen) MW+ MS = M2WS.. génial !!!! In Anbetracht das ich in Frankreich lebe, finde ich es immer wieder erstaunlich das die besten Sommeliers in Dtschl. sehr wenig auf die Allianz von Speise und Wein eingehen. In Fr. trinkt und geniesst man eher ( wobei ein starker Trend zum Wein als Apéritif statt klassischer Apéro „vin doux naturel“ erkennbar ist ) den Wein zum Essen.Die Leidenschaft mit der Mme Maurer und Monsieur Thoma ihren Beruf (ung) ausüben ist formidable,impressionnant, énorme, fabuleux et remarquable !!!! Merci

  3. AlenJ schreibt:

    Hier meine Interpretation der Unterschiede zwischen einem MS und MW:

    MW – Progressive Rock
    MS – Instrumental Jazz

    Fazit: Geile Sendung. Hendrik, das ist Rock ’n‘ Roll!!! Weiter so.

  4. Olivia schreibt:

    Super Folge! Alle meine offenen Fragen wurden auf einen Schlag beantwortet – Danke dafür! 🙂 Hatte schon viel von Caro gelesen und find’s daher Klasse Sie jetzt auch mal in Bild und Ton erleben zu können. Deine Blogs erfüllen auf jeden Fall Ihre Mission! Macht riesig Spaß zuzuschauen!

  5. daniela schreibt:

    Kann mich meinen Vorkommentatoren nur anschließen: es hat richtig Spaß gemacht die beiden Sendungen anzuschauen. Und toll endlich mal aus erster Hand ein paar Erfahrungen zu hören, wie so eine Prüfungsverkostung abläuft und eine Weinbestimmung angegangen wird.

  6. Mathias schreibt:

    Hallo Hendrik,
    so – nun habe ich es endlich geschafft, mir alle 16 Folgen Deines Blogs reinzuziehen und ich muss sagen: großartig! Ich bin meinem Bruder sehr dankbar, dass er mir diesen Link auf facebook geschickt hat. Witzig, unterhaltsam, informativ…. Man bekommt jedesmal Lust, mitzuverkosten oder eine von den „guten Flaschen“ aus dem Keller zu holen. Nur hat man leider nicht immer gerade solche netten und kompetenten Degustations-Partner zur Hand wie Du. Ich beneide Dich um Deinen Job! Freue mich schon auf die nächste Folge!

  7. Werner schreibt:

    MW + MS, die Harmonie stimmt. Beide Teile mit Caro Maurer waren sehr angenehm und interessant. Es ist mal wieder Zeit dich zu loben Hendrik, mit solchen Gästen macht es echt Spaß.

  8. Peter schreibt:

    Meine Empfehlung für eine der kommenden Sendungen: Die „Sommeliére des Jahres“, Frau Brandstätter aus dem Restaurant Sonnora in Dreis einladen! Eine äußerst liebenswürdige, und hochkompetente Weinkennerin, die WEINAMLIMIT zweifellos bereichern wird.

  9. Marco Rosso schreibt:

    Zwei super Teile Wein am Limit,Leidenschaft pur. Chapeau !

  10. Jean Marcel schreibt:

    Sehr geehrter Herr Thoma,

    gut, dass das mit TVino ein Ende gefunden hat und Sie wieder mehr zu sich selbst!
    Nach wenigen Folgen hatte ich kein Interesse mehr, weil es mir aufgesetzt und gestellt erschien.
    Das neue, eigene (!) Format lebt von seiner Einfachheit und Direktheit.
    Auf die Frage: Warum gibt es keine Sendung (im Fernsehen/ Internet), in der „normale“ Leute „entspannt“ gute Weine verkosten?
    Antworten Sie: Hier bin ich! Ich hab Bock auf Wein! Du bist herzlich eingeladen!
    Die bisherigen Folgen vermitteln das Interesse und Gespür für Wein und den Wert von leidenschaftlich hergestellten Produkten im Allgemeinen.
    Mit Worten und Gesten verstehen Sie es, den Betrachter zu sich an den Tisch zu holen.
    Sie propagieren den offenen Austausch über das Thema Wein und:
    Sie meinen es ehrlich!
    Der Herr Retter ist auch super gut! So macht es wirklich Spaß!
    Ich find’s geil! Spannende Weine, ein guter Mix, vielschichtig wie das Thema selbst!
    Die Sendung mit Frau Maurer war klasse. Der Bos auch ein witziger Typ… toll.
    Ich hab Lust auf noch viel mehr davon und wünsche Ihnen an dieser Stelle alles Gute.
    Vielen Dank für Wein am Limit!

  11. HansC schreibt:

    Weißherbst – brauchen wir den noch?
    Das hatte ich bis kürzlich gedacht, „brauchen wir Weißherbst noch“. Zumal es auch Deutsche Rosès gibt und mehr noch weil die von der Rhone so gut sind. Vor einigen Wochen trank ich dann gelegenheitsbedingt doch einen Ahr-Weißherbst trocken. Der hatte nichts mehr zu tun mit den süßlich klebrigen Weissherbst Weinen die ich in den 1970-ern trank – und danach nicht mehr. Auch wenn der jetzt in 2012 getrunkene Ahrwein nach meinem Geschmack noch „ein wenig weniger“ Restzucker hätte haben dürfen, war ich begeistert.
    Wie denken andere darüber?
    Und: kann man über Internet Blogs Winzer beeinflussen, noch trockener auszubauen.

  12. hendrikthoma schreibt:

    Lieber Hans, viele Winzer bauen schon trockener aus als früher. Alelrdings gibt es auch noch genügend Menschen die Samstagabends Musikantenstadl schauen und die süße Plörre dazu brauchen. Einige Winzer produzieren eben nur das, was das ‚gros‘ des Marketes auch haben will. Man kann es ihnen nicht verdenken. So ist eben das Geschäft.

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