17. Folge – Besuch aus Südafrika

Wein Soul-Faktor Euronen
2009 Chardonnay “Miko“
Mont Rochelle, Franchhoek, Südafrika
30-40

Besuch aus Südafrika von Darran Stone, dem Winemaker vom kleinen Weingut Mont Rochelle im Franhhoektal. Dieses kleine Boutiqueweingut an den Hängen des malerischen Franchhoektals produziert nur einen winzigen Tropfen im Weinozean von gerade mal 55.000 Flaschen.

Sein im Fass aus den besten Partien des Jahrgangs 2009 vergorener Chardonnay „Miko“ zeigt sehr deutlich, dass diese Kategorie absolut nicht langweilig sein muss. Das Problem der ABC-Bewegung (Anything But Chardonnay) ist die grundsätzliche Verurteilung fassausgebauter Weine dieser Rebsorte. Vielleicht wurde die Haltung der ABC-Bewegung auch nur nicht richtig von der Allgemeinheit interpretiert. Denn im Mittelpunkt der Kritik standen vor allem langweilige, übermäßig alkoholstarke Tropfen ohne Seele und Frische der Rebsorte Chardonnay (oder Cabernet Sauvignon), welche die Supermarktregale der Welt bevölkern. Im Übrigen stellen Chardonnay lediglich 2,3 % und Cabernet Sauvignon 3,3 % der Weltbepflanzung dar. Also kein Grund zur Panik.

Fassausgebauter Chardonnay kann zum Besten gehören, was die Weinwelt zu bieten hat. Dafür braucht es allerdings eine Menge Empathie und Erfahrung sowie das richtige Augenmaß des Produzenten. Schnell geraten diese Weine in Unausgewogenheit und werden dann zu einer pomadig schmeckenden Karikatur ihrer selbst. Besonders in den 90er Jahren wurden diese Weine immer imposanter und breiter. Kaum ein Weingut, das nicht mit Kraftausdrücken wie diesen warb: 100 % neues Holz, 100 % Malo und 100 % barrel fermented. Diese mastigen Weine beeindruckten Anfangs auch die Deutschen, die sich dann ab Anfang des Jahrtausends wieder mehr für ihre eigenen Weine interessierten. Aber auch in Deutschland schmeckten viele der ersten Barriqueweine völlig aufgedunsen und banal. Heute gibt sich die Branche wesentlich aufgeklärter, und die Barriquewelle ist am abklingen. Man hat auch gelernt, dass viele Kunde etwas Anderes möchten.

Eine Theorie, warum der Holzfassausbau weltweit in Mode kam, ist diese: der wichtige amerikanische Markt, der Hauptabnehmer und damals größter Produzent für holzüberladene Chardonnays, war am boomen. Die Whiskeynation Nr. 1 war auf den Weingeschmack gekommen. Auch durch die Medien propagiert stiegen viele Komsumenten auf gesündere Getränke wie den Wein um. Dabei wollte man den antrainierten Geschmack nicht übergehen, denn Fass-Chardonnay hat durchaus aromatische Analogien zum Whiskey.

Ein anderer Grund für den Holzhype war der Fakt, dass weiße Burgunder wie Meursault oder Montrachet immer schon (auch preislich) den Olymp des Weißweinhimmels darstellten. Wer will sich nicht mit ihm messen? Leider können den besten Burgundern bislang nur wenige Weine außerhalb dieser Region das Wasser reichen. Allerdings hat die Verfolgergruppe teilweise qualitativ gleichgezogen oder sogar überholt. Es gibt mittlerweile großartige Beispiele aus Australien, Deutschland, Österreich, den USA und Neuseeland, die nicht nach einem Fass ranziger Butter schmecken.

Doch zurück zu Südafrika. Darran Stone beschreibt im Video das lange fehlende Selbstbewusstsein der damaligen Weinindustrie, die sich lange auf die Produktion von Weinen nach gängigem Geschmacksschema fokussiert hatte. Mit dem Wegfall der Apartheid und den damit verbundenen Restriktionen war der Weg geebnet für einen eigenständigeren, feineren Weinstil. Dieser finessenreiche Chardonnay zeigt, dass die neue Welt ohne Wenn und Aber wie alte Welt schmecken kann. Der Miko hat alles, was ich an einem großen Chardonnay schätze: er ist zitrusfruchtig, nussig, honigartig, mit Salzbutter und wird getragen von einer delikaten Säure. Trotz der Schwere bleibt bei diesem tollen Wein eine feine Leichtigkeit. Weltklasse! Und deswegen stimmt auch der Preis, den viele für einen Südafrikaner immer noch nicht bereit sind zu zahlen. Schade.

Über hendrikthoma

Master Sommelier, Impresario und Gastgeber bei Deutschlands Video Blog + Shop "Wein am Limit"
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10 Antworten zu 17. Folge – Besuch aus Südafrika

  1. zep schreibt:

    Schöne Sendung. Viel ehrlicher als TVino, einfach auch mal sagen wenn etwas nicht schmeckt oder zu teuer ist.
    Ich habe ein paar Dinge die man verbessern könnte. 1. Der Player den ihr hier auf der Webseite verwendet lässt kein Vollbild zu (ggf. über Youtube lösen oder vimeo, kostet nix und funktioniert gut, auch mit WordPress) 2. Die Soundqualität könnte man verbessern, ich weiß nicht ob ihr mit einem Richtmikro arbeitet aber es klingt danach, ggf. ein zweites oder Kopfbügelmic.
    3. Und das ist inhaltlich, fände ich eine Kategorie „Studentenweine“ gut, es gibt viele Studenten die gerne gut essen und trinken. Das sind zukünftige Kunden für Spitzenweine und jetzt Kunden für ehrliche und leckere Weine die zu einem zusammengesparten Menü passen.

    Rückfragen sind willkommen.

  2. Mathias schreibt:

    Ich finde auch, dass solche Vorurteile gegenüber irgendeiner Rebsorte („ABC“) oder auch einer Region völlig unangebracht sind. Es gibt selbstverständlich überall auf der Welt hervorragende, auch im Holz ausgebaute Chardonnays, es kommt halt auf die Macher an.
    Kleine Kritik am Rande: Es mag zwar für Euch interessanter sein und vielleicht auch inhaltlich mehr hergeben, einen solch hochwertigen Wein wie den Miko zu besprechen. Allerdings fände ich es schöner, wenn auch solche Weine zur Sprache kämen, die man auch als normal sterblicher bekommen und vor allem bezahlen kann. Man könnte z.B. neben einem solchen Spitzengewächs ja noch einen zweiten, einfacheren Wein des gleichen Winzers vorstellen. Ich bin in Sachen Wein durchaus nicht geizig und gebe für einen außergewöhnlichen Tropfen auch gerne mal mehr aus, aber eine Flasche zwischen 30 und 40 Euro gönne ich mir eher selten. Möglicherweise verschiebt sich die Perspektive etwas, wenn man beruflich mit Wein zu tun hat und vermutlich auch des öfteren für solche Weine nicht selbst bezahlen muss. Insofern stimme ich meinem „Vorredner“ mit den „Studentenweinen“ zu, obwohl ich sie nicht so nennen würde, denn auch in „post-studentischen“ Kreisen kenne ich kaum jemanden, der für eine Flasche Wein soviel ausgeben würde (nicht jeder wird automatisch nach dem Studium Großverdiener).
    Viele Grüße und bis demnächst!

    • hendrikthoma schreibt:

      Hallo Mathias, besten Dank für Dein Feedback. Es hat sich wirklich etwas eingeschlichen, was Ihr richtig bemerkt habt. Die vorgestellten Weine haben ihren Preis und ich werde versuchen, demnächst einen Beitrag für die kleineren Geldbeutel zu machen. Die findet man übrigens auch bei Mont Rochelle.

  3. Peter schreibt:

    Meine Erfahrung ist, daß Weine zwischen 30 und 40 Euro ihren Preis nur selten wert sind. Sie mögen deutlich besser als Durchschnittsweine sein, aber auch nicht so viel besser, daß ein Vielfaches des Preises letzterer gerechtfertigt wäre. Daher pflege ich fast ausschließlich zu Weinen für maximal 15.- Euro zu greifen. In dieser Preisklasse findet man oft genug Gewächse, die einen wirklich begeistern.

  4. hendrikthoma schreibt:

    Mmmhh, bin völlig d’accord das vieles sein Geld nicht wert ist. Am Ende komme ich aber zu der banalen Erkenntnis: “You get, what you pay for.“ Selten bekommt man mehr (wobei das auch den Reiz ausmacht), meistens weniger für die Eurone. Geld ist ein schlechter Massstab für Wein, da er nur den Wert durch die Wertschätzung des Trinkers erfährt, oder so: .“Some people know the price of everything and the value of nothing.“, oder auch treffend: “Echte Freude kann man nur empfinden, wenn man sie teilt.“

    • Mathias schreibt:

      Na ja, gut hat es natürlich derjenige, für den Geld keine Rolle spielt! Aber es ist doch auch so: einen guten Wein kaufen für 40 Euro, das kann jeder. Die spannendere Aufgabe ist doch eigentlich einen guten Wein für einen annehmbaren Preis zu finden und dafür ein bisschen bei Newcomern oder in weniger angesagten Regionen zu suchen. Ich denke es gibt genügend Winzer, die in der Lage sind, für 10 Euro hervorragende Arbeit abzuliefern und deswegen trotzdem nicht am Hungertuch nagen müssen. Also: ich freue mich schon auf die zukünftigen Entdeckungen in diesem Blog.

  5. Praterralle schreibt:

    Hallo Hendrik,
    ich denke es ist schon ein Widerspruch, den Einsatz von Holz bei Chardonnay abzulehnen. Wenn ein Weißwein Holz verträgt, dann eben Chardonnay. Nur müssen die Qualität von Holz und Wein auch passen. Schlechte Weine, die kellertechnisch aufgemotzt wurden und mit Eichenholzchips zu einer Art von Kamillentee mit Fruchtaroma verarbeitet wurden, gibt es leider viele. Aber es ist glaube ich schon ein Märchen einen vernünftigen Barriquewein für wenig Geld zu erwarten, da der Winzer für so ein Faß ne Menge Geld bezahlen muß. Für die Leute mit kleinerem Geldbeutel, zu denen ich mich leider auch zählen muß, kleiner Tip. Deutscher Wein, so lange er noch so günstig ist. Ab ca. 6 Euro bekommt man auch von Spitzenweingütern sagenhaft gute Basisweine.

    • Gobenn71 schreibt:

      Gegebenenfalls hier auch mal bei den ‚aufstrebeneden‘ Weingütern suchen, die zumindest noch nicht als ‚Spitzenweingut‘ gesehen werden.
      In Deutschland verstehe ich unter ‚Spitzenweingütern‘ Namen wie Knipser, Huber, Emrich-Schönleber, Dönnhoff, Prüm, Wittmann, Keller usw. Aber da wird es auch schon wieder schwer, etwas für 6 € zu bekommen, die Gutsweine kosten da auch schon 8-9€ aufwärts, wobei sie den Preis meist auch wert sind.

      Aber um mal 2 Beispiele für wirklich gute Rieslinge zu bringen, die es sogar unter 6€ gibt:

      Gutsriesling vom Weingut Seehof (Rheinhessen) , ich meine den gibt es ab Weingut für 5,90€.
      Gutsriesling vom Weingut Karl-Heinz SChneider & Sohn – sogar nur 5,50€ ab Weingut.
      Beides grandiose Gutsrieslinge, die gut und gern das Doppelte wert sind.

      • Praterralle schreibt:

        Also Spitzenweingüter verkaufen sehr wohl zu diesen Preisen. Horst Sauer zum Beispiel. Immerhin Winzer des Jahres 2011. Kees-Kiesenosel 5,90 für das Riesling Hochgewächs. Wenn ich nach Spitzenerzeugern für Müller-Thurgau schau, Stahl aus Franken ist auch unter 6,–. Ein Weintrinker sollte sich auch ruhig mal mit den Literweinen eines Weingutes beschäftigen, da sich hier das Können eines Winzers zeigt.

  6. Gast schreibt:

    Schön, dass auch mal teurere Weine vorgestellt werden. ich lese auch mal gerne einen Testberichte und Fahrberichte von Porsche, Ferrari und co. 🙂 wie so oft kommt es auf die richtige Mischung an. Ich finde jedenfalls Weinvorstellungen von Weinen die ich mir nicht leisten möchte genauso spannend. Gruß

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