63. Folge – Weine mit Stil, der Trilogie 2. Akt

Wein Soul-Faktor Euronen
2008 Domaine des Tours
Vin de Pays de Vaucluse
bis 10
2009 Faugères
Domaine Léon Barral
10-20

Heute mal ein kurzer, schneller Beitrag mit zwei klasse Weinen aus Frankreich. Die nächsten Folgen kommen dann aus fernen Ländern. Freut Euch drauf.

Der erste Wein ist einer meiner Lieblingsweine in der Preisklasse unter 10 €. Emanuel Reynaud ist der Neffe von Jacques Reynaud und führt heute die Geschäfte auf Château Rayas und Fonsalette. Das sind einige der berühmtesten Weine der Welt, die eine ganz eigene Handschrift tragen. Auch der „kleinste“ Wein des Hauses, der Domaine des Tours, hat dieses untrügliche Weihnachtsgewürzaroma mit getrockneten Feigen. Die rubinrote Farbe und der seidenweiche Geschmack erinnern mich etwas an einen Burgunder. Dieser Wein wird an der Luft deutlich intensiver und am besten trinkt er sich aus einem Burgunderglas zu Schmorgerichten. Die wichtigste Rebsorte für diese Cuvée ist die hitzefeste Grenache. Dazu kommen Syrah, Counoise, Cinsault. Merlot und Dious. Allesamt Rebsorten des Südens und in dieser Melange selten anzutreffen. Der Wein hat keinen spürbaren Holzeinsatz, sondern ist in großen Fudern und gebrauchten Fässern der großen Weine gereift. Kritiker sind der Meinung, dass diese Weine aufgrund ihrer eigenständigen Aromatik nicht typisch für die Region sind. Mir ist das ziemlich egal, denn ich finde sie unverschämt lecker und auch etwas traditionell „old school“.

Der Faugères von Didier Barral ist immer schnell ausverkauft. Deswegen empfehle ich nach ihm zu suchen. Der Wein ist eine Blend Syrah, Grenache, Carignan und Cinsault aus dem Hinterland des östlichen Languedoc und die Reben wachsen auf kargen Schieferböden. Wer dem Wein etwas Luft und Zeit gibt, wird belohnt mit einem wilden, würzigen Duft, der wenig Frucht zu bieten hat. Im Gegenteil, der Faugères ist kernig und fest mit einer sehr eigenständigen Nase. Nichts für Liebhaber von Zentis Frühstückskonfitüre. Dieses Weingut ist schon seit langem einer der Vorreiter der Biodynamie und wie ich finde, ist in den letzten Jahren auch eine qualitative Konstanz in die Weine gekommen. Früher war mir manches einfach zu lebhaft bzw. biologisch auf der Zunge. Didier Barrals Philosophie ist der Versuch den Weinbau in den Kreislauf der Natur und des Bodens möglichst schonend zu integrieren. Er verwendet weder Herbizide, Fungizide und Pestizide. Darüber arbeitet er äußerst schonend im Keller. Ich finde, dass dies auch schmeckbar ist.

Diese Weine sind für mich Weine, die zeigen, dass es in Frankreich nicht nur teure Luxusweine, sondern auch bodenständige Weine mit einzigartigem Charakter gibt. Santé.

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20 Antworten zu 63. Folge – Weine mit Stil, der Trilogie 2. Akt

  1. Praterralle schreibt:

    Salut Hendrik,
    bezüglich der Vorsendungen bin ich eigentlich ganz Deiner Meinung. Für mich waren das Weine, die für mich als Otto-Normal-Verbraucher lohnenswerte Ziele darstellen. Die heutige Sendung spiegelt eigentlich auch meine Erfahrung mit französischen Weinen wider. Es gibt sehr gute Weine für kleines Geld, die man nur finden muß. Es hilft auch gegen den Mainstream zu schwimmen. Im Moment ist ja auch beispielsweise die Rioja ( naja schon klar. Ist nicht Frankreich) nicht en vogue und man kann hier die Spitzenprodukte sehr günstig probieren. Ich habe auch sehr gute Erfahrungen mit Weinen aus dem Cahors, Madiran und Corbiéres gemacht.Fantastische Weine zu schwerer Winterküche. Wann kommt denn mal wieder eine Sendung über deutsche Weine? Spätburgunder unter 15 Euro oder so? Santé.

  2. Icke Berlin schreibt:

    BonMoin Monsieur Hendrik, Amour Commune,

    wieder ein très bon Beitrag. Viele denken, französische Weine müssen teuer sein, nono. Frère Hendrik hat recht, es geht auch anders.

    Ich war grade vor 14 Tagen bei meinem Weinfritzen (Weinhändler, für Nicht-Berliner) und wollte eine paar Weine für um die 10 Euronen haben, und kieke da, Mon Dieu!, zwei Franzosen, ein Clos Fantine 2010 ebenfalls aus dem Faugères (11,50 EUR) und ein 2009 Château Cap Saint-Martin, Cuvée Prestige, aus dem Bordeaux, (11,50 EUR). Ich dachte, naja, aber ich vertraute der Empfehlung meines Weinfritzen. Fazit, ich wurde nicht enttäuscht, zum Vorschein kamen kamen zwei trinkige tolle Gesellen mit schöner Frucht ohne marmeladig zu sein. Die Franzosen können auch anders, und preiswerte Weine gibt’s nicht im Supermarkt (nee, nur billig). Deshalb ist der Weinhändler, immer der bessere Weg, hier bekomme ich Beratung und vernünftiges Zeugs für den „Spaß im Glas“. Also, weg vom Supermarkt und hin zum Weinfritzen, die beißen nicht. Einfach mal rein und los… und ein „Guter“ verkauft nicht Kistenweise und immer das obere Preislevel.
    Weiterhin viel Spaß, Adieu aus Berlin

    • SteffenU schreibt:

      Gemüse gibt es im Gemüseladen, Käse im Käseladen, Fleisch beim Metzger und Wein im Weinladen, nur Bäcker gibt es leider keine mehr nur noch Aufbackstuben. Ja das ist kompliziert, aber ich verschwende mein schwer verdientes Geld doch nicht für den Schrott aus dem Supermarkt. 🙂

  3. Kerstin Uhlenbusch schreibt:

    Lieber Hendrik,
    ich freue mich über jede neue Folge Wein am Limit. Schön, daß Du diesmal einen Wein aus Sud de France vorgestellt hast. Ich liebe Grenache und seine würzigen Noten. Die GSM’s mit Garrique und ein wenig Lakrtiz.Erst vor ein paar Wochen war ich im Fougères. Eine wundervolle Landschaft. Nur ein paar Kilometer von der Küste entfernt liegt es doch ca. 300 m hoch, mit schroffen Schieferböden.und viel natürlicher Vegetation. Meine Erfahrungen mit Franzosen waren durchweg positiv. Alle waren super gastfreundlich und viele sprachen Englisch, wenn meine französisch Kenntnisse nicht ausreichten. Du hast mich übrigens ein bisschen an Alfons erinnert. Der mit dem Puschelmirco 🙂 http://alfons-fragt.de/auftritte
    liebe Grüße

  4. Peter schreibt:

    Sehr originell, und mal ganz anders, dieser Auftritt … Und was die Weine angeht: Mit südfranzösischen Gewächsen habe ich auch sehr oft gute Erfahrungen gemacht. Besonders mit jenen aus dem südwestlichen Madiran. Einem höchst bemerkenswerten Gebiet, in dem wirklich
    einzigartige Weine gemacht werden, die es wert sind, daß Du ihnen eine eigene Sendung widmest. Näheres unter http://madiran.de/

  5. Peter schreibt:

    vielen dank für die spannenden empfehlungen.
    gibt es denn zu dem faugères noch eine spezifikation? ich hab verschiedene varianten gefunden: barral, faugères „valinière” & barral, faugères, „jadis”.
    merci

    • SvenB schreibt:

      Jadis und Valinière sind 2 höherpreisige Cuvées vom Domaine Léon Barral. Kommen alle aus der Apellation Faugères, der Faugères ist der Basiswein.

      • SvenB schreibt:

        Habe letztlich den Faugères 08 über 5 Tage verkostet, entwickelt sich ungemein in der geöffneten Flasche! Unbedingt dekantieren falls an einem Abend beim Essen getrunken werden soll, allerdings tut diesen Weinen eine längere Lagerung eher gut. Mineralik pur im Rotwein!

  6. Eder schreibt:

    great job!

  7. Florian H. schreibt:

    Sehr schön 🙂

    Grüße aus Stuttgart
    Flo

  8. Daniel S. schreibt:

    Na dann mal viele Grüße von einem der absoluten Grenache/Garnacha/Cannonau-Freaks. Für mich eine der interessantesten und vielschichtigsten Roten Sorten überhaupt. Würde mich sehr über ein kleines Special mit Fokus auf die Rebsorte freuen, vielleicht mit der einen oder anderen Rhône-Blend, einem tollen Cannonau di Sardegna sowie ein zwei Spaniern (das Priorat mit seinen vielen leidenschaftlichen Weinmachern hätte ohnehin auch mal einen Platz bei WaL verdient!).

    Ansonsten zwei wirklich interessante Weine, die scheinbar an ganz anderen Enden des Spektrums stehen. Werde mal sehen, dass ich beide irgendwo zu fassen bekommen.

    In diesem Sinne: danke für die Tips, weiter so und à votre santé,
    Daniel

  9. Rainer schreibt:

    @Praterralle: Rioja Spitzenprodukte sehr günstig, was hältst Du vom derzeit günstigen 2007 Lealtanza Crianza? 6 Flaschen 32,70 €

    @Icke Berlin: tolle Gesellen mit schöner Frucht ohne marmeladig zu sein, klingt gut. Hat der „Weinfritze“ den schönen Vornamen „Jacques“? 😉

    @Kerstin Uhlenbusch: Alfons mit dem Puschelmirco – cool, kannte ich noch nicht. Die Antworten müssen abgesprochen sein, die sind einfach zu gut.
    „PUSCHEL TV – Alfons machte eine Umfrage zur Schönheit“

  10. SteffenU schreibt:

    Hallo,
    die Sendung hat mich besonders gefreut, da ich mich gerade mit dem Süden Frankreichs beschäftige, bzw durchtrinke (zumindest versuche ich es, hicks!). Leider gefallen mir die typischen Syrah/Grenache/Mourvedre etc Cuvées erst ab einer gewissen Preisliga. Jetzt habe ich den Südwesten entdeckt mit Malbec, Tannat und co und das ist echt Klasse und wär auf jeden Fall eine Folge wert.
    Cheers

  11. GoBenn71 schreibt:

    Steffen, versuche mal was von Clavel (Languedoc), das sind meist auch die typischen südfrz. Cuvees mit Syrah, Grenache usw., die sind günstig aber wirklich klasse. Ein anderer sehr guter und preisgünstiger südfrz. Erzeuger ist Fondreche (Mt. Ventoux). Beide wurden hier von Hendrik auch schon mal angesprochen, auch ich kann die Weine sehr empfehlen…

    Ansonsten aber auch Zustimmung zu Deinem Tipp, eine Folge über das Madiran und Cahors sowie generell Sued-Ouest wäre aus meiner Sicht auch wünschenswert. Da gibt es für die Freunde der kräftigen Weine wirklich etwas zu entdecken…

    • SteffenU schreibt:

      Hi GoBenn71, das nenne ich mal Eingebung, für das WE habe ich mir einen Clavel (den einfachen le Mas) und den Nadal von Fondreche bereit gestellt, woher wusstest du das nur :-). Bin mal gespannt.

  12. Gobenn71 schreibt:

    Hi SteffenU, gute Wahl 😉 !
    den aktuellen Le Mas kenne ich nicht, fand aber frühere Jahrgänge (ich meine, der letzte den ich getrunken habe, war der 09’er) immer gut, insb. natürlich unter PLV-Verhältnissen.
    Mein Favorit von Clavel ist aber der Bonne Pioche, hatte ich hier auch schon mal geschrieben.

    Der Nadal ist natürlich eine andere Liga als der Le Mas. Hatte den Wein Ende September an unserem letzten Grillabend draussen und der hat zum Grillen auch 1A gepasst. Bringt ein tolles Dunkle Beeren-/Kräuterbouquet mit. Ist sehr konzentriert, wobei er sich aber trotzdem noch sehr gut und angenehm trinkt, die Flasche war schnell weg. Aber für mich braucht so ein Wein auch ein kräftiges Essen (sowie etwas Luft vor dem Trinken..), während der Le Mas auch solo gut geht.

  13. Rainer schreibt:

    „Die nächsten Folgen kommen dann aus fernen Ländern. Freut Euch drauf.“

    Ach Du Schreck! Fette Rotwein-Brummer und Hochpreisklopper aus Swartland! 😉

  14. Gilli Vanilli schreibt:

    Komische kameraperspektive irgendwie
    Der domaine de Tours is Super vor Allem Preis Leistung rockt
    Hab ich irgendwo n 2005er im Keller liegen

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