67. Folge – Am Kap der Stürme!

Wein Soul-Faktor Euronen
2011 Sauvignon Blanc
Cape Point Vineyard, Cape Point Vineyards
10-20
2011 Sauvignon Blanc „Isliedh“
(82% Sauvignon Blanc und 18% Semillon)
Cape Point Vineyard, Cape Point Vineyards
20-30

Die letzte Folge meiner Südafrika-Trilogie führt mich auf die Halbinsel vor Kapstadt, zum Weingut Cape Point Vineyards, das an der „Falschen Bucht“, der False Bay liegt. Hier vermuteten damals die Ostindienfahrer voreilig, bereits in der Tafelbucht angekommen zu sein. Das Wasser ist hier im Schnitt 6°C wärmer und das Klima mediterran. Die manchmal haushohen Monsterwellen, die hier hin und wieder ohne Vorwarnung auf die Küste treffen, sind gefürchtet. Ein krasser Platz für den Weinbau und doch seht, wie grün es ist im Vergleich zum warmen Swartland.

Das 23 Hektar umfassende und völlig isoliert liegende Weingut Cape Point Vineyards ist den extremen Wetterbedingungen, die hier herrschen, gnadenlos ausgesetzt. Allen voran der sonst so besungene und beliebte Südostwind, der „Cape Doctor“, der alle Krankheiten aus den Weinbergen pustet. Er kann hier mit einer Geschwindigkeit von bis zu 160 km/h ganze Weinberge entblättern und manchmal sogar entwurzeln. Weinbau extrem!

Diese Herausforderung lässt den Kellermeister Duncan Savage kalt. Er hat im letzten Jahrzehnt einen eindrucksvollen Weg mit seinen Weißweinen, allen voran dem Sauvignon Blanc, beschritten. Seine Weine sind nicht die üblichen, aber sehr beliebten Swimmingpool-Brausen mit Zitronen-Apfel-grüner Paprika Geschmack.

Seine knackigen Weißweine bieten ein köstliches, kühles Aroma. Sie sind nicht laut und haben eine zupackende Mineralität. Es sind keine Sauvignon Blancs für Menschen, die normalerweise gerne die grasig-grünen Sauvignons vom Kap mögen. Duncans Weine erinnern mich mehr an richtig gute Pouilly-Fumé von der Loire. Kein Wunder, hat er doch zusammen mit Altmeister Didier Daguenau gearbeitet. Die explosive, laute Frucht die der Sauvignon Blanc – vor allem der südlichen Hemisphäre – haben kann, ist diesen Gewächsen fremd. Cooler Saft!

Die Weinberge sind auf verwittertem Granit und lehmigen Böden auf bis zu 300 Meter über dem Meeresspiegel steil angelegt. Sie sind keine 3 Kilometer vom Ozean entfernt und müssen widrigen Bedingungen trotzen. In manchen gibt es sogar Boytritis und der Arbeitsaufwand in den Weinbergen ist der zehnfache. Hier gibt es kein „lazy farming“ der Golfplatzwinzer, die auf dem „Green“ spielen, bis ihre Ernte fertig ist.

Der 2011er Sauvignon ist ein herrlich zivilisierter Wein mit Stachelbeerfrucht und herber Mineralität. Ein Erlebnis und ein besonderer Wein, der so manchen Klassiker an die Wand spielt. Der 2011 „Isliedh“ (Gälisch für Islay, eine äußere Hebriden Insel, deren Whiskys einen jodigen Charakter von der Seeluft haben) ist eine Hommage an die fassvergorenen Varianten, die selten richtig gut gelingen. Bei diesem Stoff ist das Holz – trotz 14-monatiger Lagerung darin – kaum spürbar. Der Isliedh hat einen verführerischen Holunderduft mit exotischen Gewürzen, ist komplex, aber nicht zu fett oder langweilig mit knackiger Säure. Er schmeckt auch nicht überladen und hinterlässt eine weiche, saftige Note auf der Zunge. Großes Weinkino, das noch sehr gut reifen kann! Der 2005er gehört zu den Klassikern am Kap der jungen Hoffnung.

Menschen wie Duncan Salvage, Eben Sadie und die Mullineuxs bereichern mein Leben auf das wunderbarste. Ich werde häufig gefragt, warum ich in der Weinbranche gelandet bin. Die Wahrheit ist: nicht unbedingt wegen des Weines, sondern wegen der Passion und Leidenschaft dieser Menschen. Ich lade euch, ein diese zu spüren und zu leben. Santé!

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7 Antworten zu 67. Folge – Am Kap der Stürme!

  1. Rainer schreibt:

    Apropos Trilogie, hab ich mich verzählt oder fehlt nicht doch noch der dritte Teil der Frankreich- Trilogie? 😉

  2. Hardy schreibt:

    Echt die beste Folge aus Südafrika.
    Ich würde mich aber trotzdem mal wieder über eine über deutschen Wein freuen.
    Habe letzte Woche eine interessante Sendung im ZDF über Billigwein gesehen.Ich muss schon sagen, ich war sehr überrascht. Was ist denn deine Meinung, Hendrik?

    http://www.zdf.de/ZDFmediathek/#/beitrag/video/1777726/ZDFzoom:-Die-Weinprobe

    • Werner schreibt:

      Die Sendung habe ich auch gesehen und war vor allem verwundert wie Stuart Piggott die Weine bewertet hat. Und auch für mich war die heutige Folge die beste der Südafrika-Folgen.

  3. m_arcon schreibt:

    Schöne Folge mit einem Gast der es am Ende auf den Punkt bringt: „Think outside the box“.
    And wow what a beautiful view. 🙂

    Cheers
    Marc

  4. Rainer schreibt:

    Hab die ZDF-Reportage auch gesehen und war beeindruckt von dem Aufwand der da getrieben wurde. Ausführliche Diskussion anderer Zuseher ist hier zu finden:
    http://wuertz-wein.de/wordpress/2012/11/22/zdf-die-weinprobe/

    Stuart Pigott kommt im Video ab 16:20 auch kurz zu Wort und er trägt es mit Gelassenheit, dass er einen ALDI Gran Reserva für 2,99 EUR für einen 3 – 4 mal so teuren Wein gehalten hat – die Weinfabrik Gallo Rewe Cardonnay für 4,99 fand er „ausdrucksstark“ – Gallo (Video 19:40) hat sich sicherlich keinen Gefallen damit getan die Reporterin nicht reinzulassen – das macht den Eindruck als hätten sie es entweder nicht nötig oder hätten Angst vor der Öffentlichkeit – sehr schlecht Gallo, sehr schlecht! ;o)

  5. Peer schreibt:

    Zum Nebenschauplatz ZDF Stuart Pigott: das zeigte mal wieder wie Blindbewertungen abhängig von Tagesform und Umgebung sind, Stuart wurde in einer sehr hektischen Umgebung interviewt, wer weiß wieviel Fremdgerüche und klare Luft zugegen waren, wahrscheinlich trug die Reporterin noch Parfüm…riecht mal in ein Glas im Wohnzimmer und geht dann auf die Terrasse, man dreimal soviel und dteimal so präzise…und wenn man das Ganze von 20h auf 11h am Vormittag legt, hänge ich noch ne Potenz dran…der arme Stuart,auf jeden Fall lag er voll daneben!
    Zum aktuellen ZA-Blog: sympathischer Typ, ganz entspannt…da kommt halt der Surfer durch ;o)
    Zum neuen Claim mit „besserer Wein“, eine absolute Verschlimmbesserung, Hendrik! Weg mit dem Quatsch! Für mich bringt es nur der hier auf den Punkt: „In Taste we Trust!“
    Cheers

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