68. Folge – Charles Schumanns heimliche Liebe für Port

Wein Soul-Faktor Euronen
Ruby Port „Six Grapes“
Graham’s, Porto, 0,375l
10-20
1996 Late Bottled Vintage
Niepoort, 0,375l
10-20

Charles Schumann ist ein gefragter Mann und Ikone der deutschen Barkultur. Manche kennen ihn auch aus der Werbung. Seine Schumann’s Bar am Hofgarten in München ist ein gepflegter Ort für gute Getränke und Gespräche. Nur wenige aber wissen, dass Charles auch ein großes Herz für den Portwein hat.

Die Geschichte seiner Portweinsammlung ist etwas kurios. Vor einigen Jahren brauchte Schuhmann Geld, um seine neue Bar zu finanzieren. Deswegen musste er sich von seinen Portweinen trennen. Mir wurden diese, in meiner Funktion als Sommelier des Hotels Louis C. Jacob, interessanterweise angeboten. Wir haben uns damals allerdings dazu entschlossen, die Finger davon zu lassen. Der Markt für seltene Jahrgangsportweine in Deutschland ist eher dünn. Der Zuschlag ging an einen Geschäftsmann. Vor einiger Zeit hat Charles diese Sammlung zum selben Preis zurückgekauft, nur um ein paar Flaschen weniger. Ich finde, man merkt ihm die Leidenschaft für dieses Thema an. Irgendwie finde ich es auch bezeichnend, dass ein Sammler sich von seinen Schätzen nur schwer trennen kann. So auch Charles. Aber ich habe ja rausgefunden, dass es eine Möglichkeit geben soll, wenn man höflich fragt.

Sonst kann man sich auch an den „offiziellen“ Ports der Bar erfreuen. Zum Beispiel der „Six Grapes“ von Graham’s. Ein fruchtiger Ruby, der aus verschiedenen Domainen der Symington Familie geblendet wird. In der Essenz stammt er aus der berühmten Quinta dos Malvedos und der Quinta das Lages. Der Name ergibt sich daraus, dass er aus den sechs bedeutendsten Rebsorten des Ports besteht. Es sind bis zu 45 Rebsorten am Douro erlaubt, aber bei Graham’s nimmt man nur diese sechs: Touriga Nacional, Touriga Franca, Tinta Roriz, Tinta Barroca, Tinta Cao und Tinta Amarela. Gelagert wird dieser Ruby im Gegensatz zu den ziegelroten Tawnies recht kurz, für nur ca. 4-6 Jahre im großen Fass. Der Six Grapes ist eine Blend aus unterschiedlichen Jahrgängen und erhält damit eine geschmackliche Beständigkeit wie zum Beispiel ein NV Champagner.

Für mich ist der Six Grapes bei den besten bekannten Marken-Portweinen mit hoher Qualität zu finden. Eine sichere Bank, wenn ich unterwegs bin und Lust auf ein bezahlbares Glas Port habe. Fruchtig, würzig und mit einem kühlen frischen Geschmack. Kein Blockbuster, wie es ein junger Vintage Port sein kann, sondern eher einer der Kategorie „easy going“. Schmeckt übrigens klasse zu dunkler Schokolade.

Der 1996er Late Bottled Vintage aus dem Hause Niepoort (wird noch eine Dauerwerbesendung für Niepoort hier auf WaL) ist ganz anders. Obwohl er ähnlich ausgebaut wird wie der Six Grapes, stammt er nur aus einem Jahrgang. Unfiltriert abgefüllt und mit deutlicher Reife, nicht zuletzt auch wegen der halben Flasche, kommt er superfein daher. Trockenobstnoten, exotische Gewürze und Amarenakische im Aroma. Ein herrlicher Drink zum Entspannen, der auf der Höhe seiner Reife angekommen ist. Dieser Stoff ist der Hausport im Schuhmann’s. Zum Mixen wäre er mir zu schade. Besser schmeckt er zu einem Gorgonzola oder einem Steak.

Überhaupt finde ich, dass dieses Getränk mehr Aufmerksamkeit in der Welt der Weine verdient hätte. Aber gut, wir arbeiten dran.

Liebe Freunde dieses Blogs: Was sind Eure Erfahrungen mit Portwein? Ich freue mich auf Eure Kommentare und wünsche Euch weiterhin eine schöne Adventszeit mit gutem Port im Glas.

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