71. Folge – Samson und Vino

Wein Soul-Faktor Euronen
2006er Anima Negra – Falanis
Vi de la terra de Mallorca
20-30
2007 Domaine de l’Horizon Rouge
Vin de Pays des Côtes Catalanes
20-30
Hier kann man die Steaks kaufen

Besuch von den Herren aus der Schlachterzunft. Hans und Michael Wagner betreiben die renommierte Schlachterei Wagner seit über 100 Jahren in Hamburg-Eimsbüttel und das bereits in der vierten Generation. Nebenbei gibt es eine Leidenschaft in der Familie für eine der ältesten und die größte Rinderrasse der Welt: das etruskische Chianina-Rind aus der Toskana.

Da beide Männer keine Kostverächter und dafür Genussmenschen sind, war eine Einladung zu Wein am Limit überfällig. Natürlich haben sie auch das herrliche Fleisch (heute vom Bullen Samson) mitgebracht, welches ihre Chianina-Rinder liefern. Vor einigen Jahren haben sich die Wagners nach einem Italienurlaub in die stattlichen Rinder verliebt. Aufgezogen werden die Tiere in Schleswig-Holstein unter besten Bedingungen. Keine Mast oder unnatürliches Aufpumpen, denn die Wagners möchten dass ihre Tiere unter ganz normalen Bedingungen aufwachsen.

Der Geschmack des Fleisches ist hervorragend. Es ist kräftig und hat wenig Fettadern, dabei hat es einen guten Biss. Dies ist kein Fleisch für Leute, die dieses superzarte, buttrige Fleisch wollen. Das Chianina-Fleisch ist etwas für Menschen, die Textur und Intensität suchen. Sehr natürlich und urwüchsig eben. Die Wagners planen, ihre Herde in den nächsten Jahren zu vergrößern. Wer es probieren möchte, kann entweder hingehen oder es sich schicken lassen.

Analog dazu habe ich zwei Weine ausgesucht, die dem Bild eines eigenwilligen Produktes entsprechen. Der erste Wein ist der Anima Negra, die schwarze Seele, aus dem Südosten Mallorcas. Ein gehaltvoller Wein aus den alten Rebstöcken (60-80 Jahre) einheimischer mallorquinischer Rebsorten namens Caillet und Mantonegro-Fogoneu. Der erste Jahrgang, der 1994er, wurde noch unter extremen Bedingungen mit behelfsmäßigem Equipment gekeltert. Ab 1998 wurde es dann professioneller. Den großartigen 2000er habe ich noch auf der Zunge. Heute ist der Anima Negra zu Recht ein Kultwein. Das Neue an ihm war damals seine Eigenständigkeit: südliche Frucht, aber auch eine dekadente Würzigkeit. Er war der erste Wein von der Baleareninsel, der sich in Blindproben immer wieder positiv, auch gegen die renommierte Konkurrenz, durchsetzte

Der Anima Negra wird gerne mit dem sehr einfachen AN2 verwechselt, der aus jungen Reben und mit internationalen Rebsorten (vor allem Syrah) gekeltert wird. Zum Erstwein sind es qualitative Welten. Der 2006 AN ist etwas spröde und entfaltet sich nicht so richtig. Ob es jemals ein ganz großer AN wird wage ich zu bezweifeln. Trotzdem, mit etwas Luft und Temperatur entfaltet er sein würziges Bukett mit einem animalischen Unterton. Einer der besten Mallorquiner und ein Klassiker.

Der 2007er Domaine de l’Horizon aus Calce im Roussillon ist schon ein ganz anderes Kaliber. Er hat ein leicht süßlich, fruchtiges Bukett, welches mich an eingelegte Früchte mit Weihnachtsgewürzen erinnert. Der Geschmack ist angenehm weich (mit 13 Volt) und saftig. Ein Bilderbuch-Grenache mit Carignan als Partner in der Blend. Das ist ein Wein genau nach meinem Geschmack. Viel Frische, keine störenden übermäßigen Holzaromen mit polarisierender Mineralität. Absolut echt und authentisch. Das Gespann von Weinhändler Joachim Christ und Thomas Teibert keltert diesen phantastischen Wein seit 2007 mit viel Passion und Auge für das Detail. Große Fässer, das offene Vergären mit den Rappen und im Weinberg die Berücksichtung der biodynamischen Landwirtschaft sind die Puzzleteile für einen großen Wein. Dieser Wein hat noch eine Menge Reserven, kommt aber zurzeit unverschämt köstlich daher. Es lohnt nach ihm zu suchen. Ich fand ihn als den bessere Wein zum Fleisch und so sahen es auch die Wagners sowie der Praktikant Vincent. Die Flasche war nach dem Dreh ruckzuck weg!

Bei beiden Weinen empfehle ich nach jüngeren Jahrgängen Ausschau zu halten. Es lohnt sich. Kommt weiterhin gut durch den Advent. Cheers! Euer Hendrik

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23 Antworten zu 71. Folge – Samson und Vino

  1. Finkus Bripp schreibt:

    Kann ich nur bestätigen, Fleisch vom guten „alten“ Metzger oder direkt vom Bauer des Vertrauens schmeckt einfach besser!

    Aber… sehr gemein ein solches Video genau um die Mittagszeit zu veröffentlichen ;0)

    Keep on keepin‘ ON, Hendrik!
    Happy Weekend.

  2. Daniel Wolter schreibt:

    Tolle Sendung Hendrik!!!

  3. m_arcon schreibt:

    Schönes Schlusswort von Michael Wagner. Regionale Läden brauchen mehr Unterstützung! Kauft wieder mehr bei den kleinen und einheimischen Läden auch wenn es ein paar Cent teurer ist!

    Greetings und eine schöne Adventszeit.

    Grüße
    Marc

  4. Michi der Korkenrocker schreibt:

    Hey Hendrik,

    super Sendung. Mein Weinhändler des Vertrauens hat von dem Anima Negra nur den 2008er oder den 2010er. Welchen Jahrgang würdest Du nehmen ?

    Vielen Dank für die Info.

    Grüße aus Ostwestfalen,
    Michi der Korkenrocker

  5. Markus schreibt:

    Sehr interessante Folge. Gutes Essen und gute Weine mit den passenden Informationen find ich prima.

    Sollte ich nochmal ein Praktikum machen, melde ich mich😉

  6. Pierre schreibt:

    Wieder eine spannende Folge. Auch hier kann ich nur zustimmen, gute Produkte kosten etwas mehr aber beim Essen sollte die Qualität an erster Stelle stehen. Wenn es dann noch aus der Region kommt, umso besser. Die beiden Weine kenne ich noch nicht, werde aber Deinem Rat folgen und mal nach den jüngeren Jahrgängen Ausschau halten.
    Grüße aus dem Saarland
    Pierre

  7. TM schreibt:

    Hi Hendrik,

    Wirklich wieder eine gute Sendung und da dachte ich, dass ich das doch auch mal wieder kommentieren kann! Auch dein Intro finde ich gut und nur von meiner Seite: Ich mag die langen Sendungen sehr sehr gerne!

    Weiter so?

    Kennt jemand in Berlin eine vergleichbare Metzgerei?

    Gruß an alle,
    TM

  8. Werner schreibt:

    Wunderbar! Echt gute Gäste. Ein Metzger des Vertrauens ist genauso wichtig wie der Weinhändler des Vertrauens! Mahlzeit!

  9. Sebastian schreibt:

    Sehr sympathische Gäste! Ich wünsche der Familie Wagner viel Erfolg…Menschen die sich so der Produktqualität verschreiben beeindrucken mich ungemein.
    Ich möchte (nochmals) für eine Blaufränkisch Verkostung werben…Hendrik knöpf dir doch mal ein paar Burgenländer vor (Gut Oggau Kisten hab ich schon mal gesehen bei dir :))
    Auch eine Südtiroler Lagrein Folge würde ich mir wünschen…
    LG, Sebastian

  10. Stefan schreibt:

    Tolle Sendung. Die liebevolle Art wie über das (tote) Tier gesprochen wurde hat etwas Unverkrampftes aber auch Respektvolles. Nur wenn man solche Ware auch verkaufen kann lohnt sich der richtige Umgang mit Tieren auch – manch anderes halte ich für grüne Romantik.

    • wineanarchy schreibt:

      Muss ich auch voll und ganz zustimmen, das hat mich an dieser Folge sehr gefreut der respektvolle Umgang mit einem Lebewesen und nicht diese „Jeden Tag Billigfleischessen Mentalität“.

  11. Rainer schreibt:

    Empfehlenswert zum Thema Handwerk ist auch Helge Schneiders „Wurstfachverkäuferin“. Vor allem das Saxophon kommt gekonnt cool rüber.😉

  12. Messias schreibt:

    Guter Wein und gutes Fleisch-was kann es schöneres geben. Die beiden Fleischfachmänner haben schon reht, dass man ein richtig gutes Stück vom Tier eben nicht in der SB-Truhe findet. Es istvaber dann auch etwas besonderes und ein echtes Erlebnis. Beides stimmt mich schon auf den Weihnachtsbraten ein. Aus diesem Grund muss ich meine persönliche WaL-Weihnachts-verkostung auch auf die Feiertage verschieben. Wird aber todsicher stattfinden. Vielleicht binde ich das Paket auch mit ein.

  13. Praterralle schreibt:

    Bisher absolut Deine beste Sendung. Jeder sollte sich mal in seiner Umgebung nach einem Metzger seines Vertrauens umschauen. Nicht aber nur beim Fleisch. Brot, Käse etc. Man muss diese Idealisten unterstützen, wenn man irgendwann nicht nur das rohe Chapi aus dem Kühlregal essen will, für das so ein Tier unter schlimmsten Bedingungen gelitten hat. Lieber weniger Fleisch und dafür nur solches. Vermisse bei Dir aber etwas die deutschen und österreichischen Rotweine. Den Vorschlag Blaufränkisch unterstütze ich natürlich sofort. Könnte auch mal ein ungarischer sein. Habe dort extrem gute Rotweine ( Bock etc.) probiert, die man aber in Deutschland und Österreich sehr schwer findet.

  14. Rainer schreibt:

    Praterralle google doch mal ein bisschen. Idealismus ist die eine Sache und der kaufmännische Geschäftssinn sowie der Kampf ums wirtschaftliche Überleben ein anderer. Otto von Bismarck (Würste und Gesetze) hat das schon ganz richtig formuliert. Wem es in der Wursteküche zu heiß ist oder in der Kühlhalle zu kalt – der (skandal schlachter) muss sich davon fern halten. So sieht das aus. Deinen Idealismus kannst Du Dir ins Poesiealbum pinseln.😉

    • Praterralle schreibt:

      Lies doch mal wieder ein Buch. Oder, wenn googlen einfacher ist, such die Erfolgsgeschichte der Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hällsches Landschwein. Idealismus, der für eine ganze Region wirtschaftlichen Aufschwung gebracht hat. Das wirtschaftliche Überleben von Schweinemästern bzw. Bullenmast in großem Stil ist selbstverständlich fraglich, da dieses in wenigen Riesenbetrieben enden wird. Und dies, weil man als Verbraucher sein Fleisch für 99 Cent pro Kilo täglich dreimal haben will. Da Du so gern Zitate magst:
      „Was Ihr nicht tut mit Lust, gedeiht Euch nicht.“ ( William Shakespeare, Der Widerspenstigen Zähmung) Ohne Idealismus müßten wir auch auf den Großteil
      interessanter Weine verzichten, da sich kein Winzer mehr finden würde, der in einer Steillage einen Riesling in Handarbeit anbaut. Es gäbe keine Weine, wie Sassicaia, der ursprünglich auch nicht aus wirtschaftlichen Gründen produziert wurde. „Das wäre kein Leben, sondern ein erbärmliches Vegetieren.“ ( Hermann Nitsch, österr. Maler und Aktionskünstler)

  15. Marco Rosso schreibt:

    Tolle Gäste,so was muss man unterstützen und machen wir auch bei uns in der Region.Nach dem Motto,regional ist erste Wahl.Den Domaine de I ‚ Horizon hab ich auch schon mal verkostet,super Stoff.

  16. Rainer schreibt:

    Praterralle, ja, sicher, genau das ist der Sinn meines zweiten Satzes. Ich spreche niemandem Idealismus ab, aber damit allein ist es nicht getan. Ich hab Dir in Klammern auch genannt wonach Du googeln sollst. Du hast es nicht verstanden oder willst es nicht?😉

  17. kudammcowboy schreibt:

    Domaine de l`Horizon rouge gibst bei viniculture.de. Jahrgänge 2009 und 2010. Superstoff und Super-Weinhandlung.

  18. Myrtha schreibt:

    Lieber Hendrik,

    ich finde es unglaublich toll, dass Du in deiner Sendung nicht nur meinen Weinhorizont erweiterst, sondern mit Leidenschaft und Freude das gute Handwerk preist, ob dies nun in den Reben oder eben beim Metzger stattfindet. Die meisten Menschen realisieren ja gar nicht, was für ein Wissen und Geschick man sich aneignen muss, wie viel Arbeit und Mühe hinter solchen Produkten steckt – Wahnsinn! Und wiederum spiegelt sich die Leidenschaft für ihr Metier, die solche Menschen antreibt, in der Qualität des Produktes wieder….. ich bin einfach nur dankbar dafür!!

    Lang lebe WaL und das Handwerk🙂

  19. Fabian schreibt:

    (M)Ein Abend in der WaL-Mediathek. Ich fasse es nicht: diese Folge hatte ich auch schon gesehen, die beiden Weine hatte ich verdrängt! AN kommt von Mallorca, das ich sehr liebe, auch was den Wein betrifft. Und der rote L’Horizon ist auch was besonderes. Ich hatte dank eines Geschenks von Freunden bereits den Jahrgang 2006 (Angeberhinweis: den gab es nicht offiziell…;) ).
    Sohnemann Wagner erinnert mich beim Zuschauen auch etwas an Thomas Teibert. Sodele, jetzt hole ich mir was zum Essen und einen Wein, sonst hält man das ja nicht aus hier. Weiter geht’s…

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