75. Folge – Mehr GV im neuen Jahr!

Wein Soul-Faktor Euronen
2011 Grüner Veltliner Reserve
Lengenfelder Pfeiffenberg; Loos abgefüllt von Buchegger & Mayr, Kamptal
10-20
2011 Grüner Veltliner Reserve „Gigant“
Weingut Zöhrer, Kremstal
10-20
2011 Grüner Veltliner Reserve
Kremser Wachtberg; Weingut Andreas & Michael Harm, Kremstal
10-20

Ich wünsche allen Zuschauern dieses Blogs ein frohes neues Jahr. Die erste Folge des neuen Jahres beschäftigt sich mit dem GV, Gruve oder ganz klassisch: dem Grünen Veltliner.

Österreichs Nationalrebe wächst zwar auch bei uns und hat vor allem in östlicher Richtung eine starke Verbreitung. Aber wenn es um die Spitze geht, da bleibt Austria weit vorn mit dieser Sorte. Man kann aus ihr einfach zu trinkende, aber auch große Weine mit eindrucksvoller Mineralik keltern.

Allerdings ist sie mir in der Spitze in den letzten Jahren häufig zu schwer und, vor allem in der Renommierregion Wachau, zu fett gewesen. Das lag vor allem an extrem späten Lesezeitpunkten und der dann aufkommenden Boytritis (Edelfäule), die den Weinen ihre Leichtigkeit und Frische nahm. Es waren zwar eindrucksvolle Verkostungsweine dabei, aber der Trinkspaß hat unter dem Muskelspiel einiger Winzer doch sehr gelitten.

Die Krems und der Kamp sind zwei Flüsse, die in die Donau münden (bzw. abfließen) und stilistisch durchaus mit der Wachau vergleichbar sind. Auch hier findet sich Urgestein, aber auch die mächtigen Lössterrassen aus urzeitlichem Sand, der sich verfestigt hat. Insgesamt haben wir einen kühleren Einfluss aus den Wäldern von Oberösterreich als in der wärmeren Wachau. Häufig fallen aufgrund der kühleren Nachttemperaturen die Weine in diesen beiden Regionen eleganter und feiner aus. Der Klimawandel spielt dem Krems- und dem Kamptal in die Hände. Deswegen ist mein dringender Rat, sie künftig intensiver auf den persönlichen Radarschirm nehmen. Von hier kommen zurzeit einige der besten Ösi-Weine.

Alle drei heute vorgestellten Weine haben die Qualitätsstufe Reserve gemeinsam. Diese Kategorie ist den kräftigeren, ausdrucksstarken Weinen vorbehalten. Das heißt, sie sind trocken und stammen aus spätgelesenen Traubenmaterial. Ihr natürlicher Mindestalkohol beträgt 13 Volt. In dieser Kategorie ist Boytritis erlaubt und auch der Ausbau in großen und kleinen Eichenholzfässern. Der Jahrgang 2011 gilt als Referenz für diese Rebsorte mit reifen, gesunden Trauben. Da ich bei einem Wein einen der Protagonisten kenne, habe ich mich entschlossen diese Probe „blind“ durchzuführen.

Leider hat mich der Wein, auf den ich am meisten gespannt war, am wenigsten überzeugt. Das Weingut Loos aus dem Kamptal ist ein „New Kid on the Block“, jedoch mit bekannten Protagonisten wie Manfred Klimek alias Captain Cork (Blogger und Journalist) und den Investoren aus der Medienbranche Sabine Declava und Peter Mosser dahinter. Verantwortlich für die Vinifikation ist der Kamptaler Winzer Walter Buchegger. Die Idee des Loos Veltliners ist auf 400 Meter Höhe einen schnörkellosen, puristischen, geradlinigen, boytritisfreien Veltliner zu keltern. Die Reben wachsen auf den Glimmerschieferböden von Lengenfeld und der Stoff wird knochentrocken ausgebaut. Leider entwickelte der Wein kein Bukett im Glas, hatte grasige Noten und schmeckte leer auf der Zunge. Ich konnte weder die propagierte Mineralik finden, noch eine fordernde Rassigkeit. Wie ich es im Video sage: Ich verstehe ich den Wein nicht und bin bei solchen Urteilen vorsichtig. Denn diese Ausbauart und Stilistik ist neu und anders, obwohl mir nicht unvertraut und sonst auch geschätzt. Vielleicht werde ich eines Tages eines Besseren belehrt. Doch vorerst lasse ich die Finger davon. 3 Soulpunkte sind meine Wertung für einen soliden, grundehrlichen Wein, der es mir noch beweisen muss.

Der „Gigant“ von Toni Zöhrer aus dem Kremstal gefiel mir eine Spur besser. Dieses Weingut, bzw. dieser junge Winzer, hat 2012 den Hattrick beim österreichischen Weinwettbewerb „Salon“ erzielt. Im Großen und Ganzen hat der Wein mehr Schliff und auch Aroma als der Loos zu bieten. Der typische Aprikosenduft mit weißem Pfeffer war da. Ein wunderbarer Veltliner mit viel Rasse, Schliff und einer Menge gebundener Kohlensäure. Er stammt von den Urgesteinterassen um Krems und wurde im Edelstahl ausgebaut. Für mich hat der Wein 4 Soulpunkte an der unteren Kante. Ihm würde eine Zeit im großen Holzfass zu wesentlich mehr Stabilität und Tiefe verhelfen.

Egal wie meine Wertungen zu den ersten beiden Weinen sind. Der Kremser Wachtberg für 14 Euronen! von den Brüdern Michael und Andreas Harm ist der Hammer. Gewachsen auf Granit und Löss aus 60 Jahre alten Stöcken, die biologisch bewirtschaftet werden. Spontan langsam und kühl vergoren, gelagert auf der Feinhefe, Ausbau im großen Eichenholzfass und nur leicht filtriert. Kräuter wie Salbei, reife gelbe Früchte in der Nase und eine Spur Honig. Nicht laut, sondern dezent und fein. Was mich so an dem Wein begeistert, ist, dass seine Opulenz sehr gut in das Gesamtkunstwerk eingebettet ist. Auch die 8 Gramm Restzucker merkt man ihm nicht an und die 6 Gramm Säure sorgen für die nötige Balance. Stilistisch weicht er allerdings stark von seinen Vorgängern ab und steht auch nicht in direkter Konkurrenz zu diesen. Ein Wein für die Karaffe und mit sehr gutem Alterungspotential ausgestattet. Der Preis ist angesichts der hohen Qualität ein Witz.

Ich freue mich auf ein wunderbares 2013 mit Euch. Es lebe der GV und mehr davon!

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