82. Folge – Cool Baby, cool!

Wein Soul-Faktor Euronen
2010 Syrah
Elephant Hill Estate, Hawke’s Bay
10-20
2010 Syrah „Gimblett Gravels“
Trinity Hill, Hawke’s Bay
10-20

Heute kommt mein Beitrag aus Hawke’s Bay auf der Nordinsel Neuseelands, der zweitgrößten Weinregion nach Marlborough. Die Weinberge sind flächenmäßig sehr verteilt und unterliegen weitgehend maritimen Einflüssen. Je weiter man landeinwärts kommt, desto mehr nehmen diese ab, was sich wiederum in der Reife der Trauben und im Ausdruck der Weine niederschlägt.

Bei den Weißen gefällt mir vor allem der Chardonnay, der mineralisch burgundische Qualitäten aufweisen kann. Die Sauvignon Blancs sind reifer und kräftiger als die beliebten Vertreter von der Südinsel und weniger im Focus, auch der Pinot Noir besitzt nicht immer die nötige Finesse.

Den größten qualitativen Sprung haben in der letzten Dekade die dunklen Rotweine gemacht. Früher empfand ich die Kiwi-Rotweine mit ihren krautigen, dünnen und vegetalen Aromen grausam und eher eine Zumutung als echten Genuss.

Doch die Kiwis haben ihre Hausaufgaben gemacht. Heute gibt es fantastische Rotweine, vor allem von den Böden der 800 Hektar großen Subzone, den Gimblett Gravels. Hier stehen die Reben auf den kiesigen Anschwemmungen eines alten Flussbettes. Es entstehen Weine mit einem distinkten mineralischen Charakter, der sich zu recht einzigartig nennen darf.

Während der Focus früher, vor etwa 20 Jahren, auf den Bordeauxblends und den bordelaiser Rebsorten Cabernet Sauvignon, Merlot, Cabernet Franc und Malbec lag, ist der südfranzösische Syrah der neue Star der Gimblett Gravels. Allerdings ist auch dieser noch in seinen Anfängen.

Ich bin wirklich begeistert von den pfeffrig würzigen Syrahs mit ihrem moderaten Alkohol und der saftigen Frische. Die Kiwis verstehen ihr Handwerk und die natürlichen Bedingungen ihrer Region viel besser als noch vor einigen Jahren. Ich empfehle, sich mit diesen „noch“ bezahlbaren Weinen zu beschäftigen. Die Nachfrage steigt, vor allem aus so hungrigen Märkten wie China. Leider gibt es Deutschland immer noch, völlig unbegründete, Bedenken gegen diese eleganten Vertreter aus der neuen Welt. Sie bleiben vorerst Exoten. Der größte Exportartikel bleibt der knackig herbfrische Sauvignon Blanc. Dass die Rotweine mittlerweile in derselben Liga spielen, muss sich noch rumsprechen.

Gemeinsam mit Matthew Jukes, dem einflussreichen Kolumnisten der englischen Daily Mail, stelle ich Euch zwei Syrahs vor. Beide sind bei uns erhältlich und in Bezug auf Qualität und Preis eine kleine Sensation.

Die Weingärten für den 2010er Syrah Elephant Hill liegen direkt am Meer und das scheint Ihnen gut zu tun. Der Jahrgang gilt als kühl und das kommt meinem Geschmack für elegante, frische Weine entgegen.

Der Elephant Hill ist ein fleischiger und rotfruchtiger Stoff mit Sauerkirsch-, Himbeer- und Johannisbeeraroma. Dazu kommt der Duft von schwarzen Oliven, Veilchen und gerösteteten Kräutern. Besser kann man die Rebsorte Syrah nicht interpretieren und als Pirat macht es sich in Blindproben bestimmt eindrucksvoll. Ein kühler Vertreter mit einer super saftigen Säure und viel Druck am Gaumen. Mich erinnert er an die genialen Weine von der nördlichen Rhône, wie den St. Joseph oder Crozes-Hermitage.

Der 2010er Gimblett Gravels von Trinity Hills ist wesentlich reifer und tintenfarbiger. Er wäre das Equivalent zu den imposanten Côte-Rôtie in der Nähe von Lyon. Trotzdem hat er die bezaubernde Frucht der südlichen Hemisphäre. Er riecht eindrucksvoll nach Blau-, Holunder-, Brombeeren, Oliventapenade und Veilchen. Am Gaumen ist er kraftvoll, dicht, würzig und mit dieser phantastischen Säure ausgestattet. Letztere verleiht ihm diese großartige Länge und Saftigkeit. Von Anfang bis Ende ist das ein klasse Weinerlebnis.

Beide Weine sind in Bezug auf Qualität und Preis absolute Entdeckungen. Für mich sind sie –auch intellektuell- deswegen so wertvoll, weil uns lehren, immer offen und neugierig zu bleiben. Leider leben die meisten weiterhin in der vermeintlich sicheren Schublade ihrer festgefahrenen Meinung. Keine Gnade für Ignoranten!

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24 Antworten zu 82. Folge – Cool Baby, cool!

  1. Felix schreibt:

    Die Weine von Elephant Hill sind seid Jahren großartig, auch die Pinots bescheren viel Vergnügen für einen wirkich guten Preis! Kiwis keep on rockin!

    • Felix schreibt:

      Aiaiai, seit Jahren natürlich…

      • Chris schreibt:

        Da kann ich Felix eigentlich nur zustimmen! Letztes Jahr hatte ich einen sehr angenehmen und für NZ etwas ungewöhnlichen Pinot von Elephant Hill aus Central Otago:
        http://wine-zeit.blogspot.de/2012/03/gimme-more-gimme-more-elephant-hill.html

        Ein schöner und fix zu trinkender, bzw. „trinkiger“, Wein der glücklicherweise keine hervorstechenden Alk-Probleme hatte! Letzteres ist für mich leider des Öfteren ein kleines Problemchen mit nicht so wenigen Kiwi Pinots.

        Wenn der Syrah ein „Turning Point“ für das Weingut war, muss ich den mir mal in näherer Zukunft zu gemüte führen 😉

        Gruss

        Chris

        PS: Referring to Matthew’s question – yes I do appreciate German Pinots – sometimes 😉

  2. hemlock schreibt:

    Ich meide schon seit lägerem Syrahs aus der Neuen Welt – speziell australische. Jetzt werde ich einen neuen Versuch mit NZ-Syrahs wagen. Bin gespannt ob ich einen Klimaeffekt bemerken kann.
    Matthew spricht wirklich sehr schön über Wein.

  3. Markus K. schreibt:

    toller Gast…. mit einem Traumjob!

  4. Praterralle schreibt:

    Hello Hendrik,
    pretty nice report. Irgendwie komme ich nicht mehr nach. Hatte ja versprochen mehr Überseewein zu probieren und bin derzeit wieder einmal bei australischem Shiraz. Jetzt komst Du mit Kiwi-Syrah. Verdammt, wird auch probiert, sobald sich die Gelegenheit bietet. Aber zunächst ist südafrikanischer Syrah von Lamershoeck vorgesehen. Habe schon vor 15 Jahren Pinot Noirs aus Neuseeland probiert und fand diese damals ganz gut. Bei Sauvignon Blanc hat mir Cloudy Bay einmal super geschmeckt und beim nächsten Mal war es eine Katastrophe. Ich finde jedoch interessant, dass Dein Gast deutschen Pinot Noir anspricht. Vielleicht wäre es ja ganz schön schlau diesen zu probieren, bevor er eine Preisexplosion macht. In der Preisklasse zwischen 25 und 30 Euro habe ich bisher international nichts vergleichbares gefunden. Ob GGs von Huber, Fürst, Schmitts Kinder, Störrlein Krenig, Dr. Heger, Salwey, Franz Keller, Knipser, Luckert etc. Aber wie Du sagst, kein Schubladendenken. Nur irgendwie kommt man immer wieder zurück.

    • Daniel S. schreibt:

      Bei Cloudy Bay würde ich jetzt einfach mal annehmen, dass aufgrund der hohen Menge an produzierten Flaschen hier durchaus zu gravierenden Flaschenunterschieden kommen kann. Alleine deswegen schon ein Wein den ich meide. Für 20€ muss ich nicht auch noch pokern, ob ich eine gute Flasce erwischt habe…

    • GoBenn71 schreibt:

      Boah, wo man ein Pinot-GG von Huber oder Fürst für 25 bekommt, musst Du aber noch mal ausführen 😉 …

  5. m_arcon schreibt:

    Muss mich Markus anschließen, einen wirklich tollen, sympathischer Gast hast da wieder mit im Boot. Meiner Meinung nach bereichert es die Folgen ungemein die verschiedenen Meinungen zu den entsprechenden Themen zu sehen und zu hören.
    Super interessantes Thema das wie du schon sagtest leider ein wenig ein Nischendasein hat. Mich spricht vor allem der erste Wein an, den ich mir auch als Student gerade noch leisten kann. 🙂

    Cheers
    Marc

  6. Praterralle schreibt:

    Übrigens hat Dein Gast mit der kulinarischen Szene in London schon irgendwie Recht. Nur immer Jamie Oliver und Co finde ich aber auch langweilig. Zumal sich dieser ja nur noch 15 Minuten Zeit nimmt zum Kochen. Wie das mit Slowfood zusammengehen soll frage ich mich schon. Vielleicht kann man vieles von den Latin People lernen. Nämlich sich Zeit lassen, beim Kochen, Essen und Wein trinken.

  7. Patrick schreibt:

    Super Gast, super Thema – der Herr ist nicht nur rhetorisch begabt sondern auch extrem präzise in seinen Aussagen, kein Wort zuviel. Fände cool wenn er irgendwann ein 2tes mal eingeladen würde. Am besten bei dir in Hamburg zu einer Riesling Verkostung… glaube es wäre sehr spannend zu hören wie er Weine interpretiert, die er nicht so in- und auswendig kennt… bin ich begeistert, soviel Infogehalt in 11min…

  8. Werner schreibt:

    Interessanter Gast! Und zur Frage nach gutem deutschen Pinot Noir nenne ich mal ganz bewusst das Weingut Klingenberg. Deren Spätburgunder haben mich wirklich begeistert und nebenbei habe ich auch selten erlebt dass man sich ohne Termin und Vorankündigung für jemanden soviel Zeit zum fachsimpeln und verkosten nimmt wie ich es dort bei einem Spontanbesuch im vergangenen Jahr erlebt habe als ich gerade in der Nähe war und zwei Stunden Zeit hatte. Tolle Weine und sympathische Truppe.

    • Praterralle schreibt:

      Die Weine vom Weingut der Stadt Klingenberg konnte ich letztes Jahr bei der VDP-Verkostung in Würzburg probieren. Absolute Spitze.Vor allem das GG. Bourgogne läßt grüßen.

      • Voltaire schreibt:

        Das hört sich in der Tat hochinteressant an!
        Ein euro-asiatisches Jointventure samt Völkerverständigungsromantik, als gefundenes Fressen für Blogger und „Panorama“-Ressorts der Tageszeitungen, eine Hochglanzwebsite ohne Bezugsquellen oder Preise und ein „limitiertes“ GG, aus dessen Lage laut einem Bericht erstmal die alten Weißweinreben rausgerissen werden müssen (das aber nichtsdestoweniger in seinem Premierenjahrgang an „Bourgogne“ zu gemahnen scheint).
        Wenn das hier als Kommentar auf eine Frage nach den herausragenden deutschen Spätburgundern auftaucht nenne ich ganz bewusst mal das alte Sprichwort Honi soit qui mal y pense.

      • Praterralle schreibt:

        Vom Schelm (Schuft) der nichts Böses dabei denkt.
        Habe mit Herrn Baltes bei der VDP-Verkostung auch einige Worte wechseln können. Er ist für Pinot Noir schon ein Vollprofi. Ich habe diese merkwürdige Angewohnheit das zu beurteilen, was ich im Glas vor mir habe. Und die überwiegende Anzahl der Rotweine waren nicht von jungen Rebstöcken. Klingenberg und Umgebung sind typisches Anbaugebiet für Rotweine, insbesondere Spätburgunder. Der Charakter der Weine hat sehr an französiche Pinots erinnert. Kein übermäßiger Holzeinsatz, sehr typische Burgundernase nach dunklen Beeren, Feuer und keine Langeweile.
        Als junger Wilder so einen Jahrgang hinzulegen finde ich schon sehr beachtlich. Findet aber auch die Fachpresse. Immerhin hat er gleich den deutschen Spätburgunderpreis erhalten. Und endlich einmal ist chinesisches Kapital sinnvoll investiert worden. Hier besteht aber sicherlich die Gefahr, dass noch mehr Kapital fliessen und der Einfluß Chinas auf den deutschen Weinbau steigen wird. Chinesen stehen momentan unheimlich auf die Bourgogne, daher ist auch die Machart der Weine und auch der jetzt schon hohe Preis ( erinnert auch an Bourgogne ) verständlich. Es gibt hier sicherlich etliche, preisgünstigere Alternativen von anderen Winzern. Trotzdem sind die Weine glasse und der Winzer sympbaddisch.

  9. Rainer schreibt:

    facebook.com/HendrikThoma:
    „Großartiges kommt von Kontrollverlust! Redner Matt Kramer bringt es auf den Punkt @Pinot Noir Conference 2013, NZ.“

    OK, Champagner und Prosecco sollen durch Zufall entstanden sein – und was noch?
    Was soll der Winzer denn dem Zufall überlassen? Hat er das auch genannt?

  10. m_arcon schreibt:

    @ Matthew Jukes: I´m not that much into the German Pino Noir, although this one is very expensive, I´ve heard that it should rock your panties 🙂 –> Assmannshäuser Höllenberg Spätburgunder 2009, Weingut August Kesseler

    • Rainer schreibt:

      Ja, mit „panties“ scheint sich August Kesseler auszukennen:
      Im Idealfall – so Kesseler – sei der Pinot Noir wie eine Frau in seidener Unterwäsche die am offenen Fenster steht! ;o)

      [http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=jUs88D7MTmY]
      Video: 02:17 min.

      Na hoffentlich gibt das keinen grippalen Infekt. 😉

  11. Messias schreibt:

    Hallo Hendrik, was hast du denn da wieder aufgetan. Respekt. Ich habe zwar keine Ahnung ob und wo es die Weine in Germany gibt, aber wenn sie hier mit Hermitage oder Crozes Hermitage zu vergleichen sind, ist das natürlich ein Schnäppchen. Oder zumndest ein mutiger Vergleich weil so ein Top Hermitage Gewächs schon was besonders ist, nichts für mal schnell nach der Arbeit.
    Was die Frage deines Gastes im Bezug auf Deutsche Spätburgunder angeht, so denke ich, dass die besten deutschen auch weltweit ziemlich weit oben mitspielen. Man kann Sie natürlich nicht direkt miteinander vergleichen, an die kühle Raffinesse der besten Burgunder kommen sie nicht heran aber punkten dafür mit mehr Frucht und großartiger Länge. Die GG von Huber und Meyer Näkel müssen sich bestimmt vor niemandem verstecken. Es kommt aber auch auf die Region an. Ich bin großer Fan der Weine aus meiner Heimat, sprich Saale-Unstrut und Sachsen, aber Spätburgunder schmecken mir bei denen nicht. Da fehlen sicher ein paar Sonnenstunden.

  12. Sven schreibt:

    Witzich: Das Etikett des Elephant Hill sieht aus, wie der „Wein am Limit – Wein zur Show“.

  13. GoBenn71 schreibt:

    Hat schon jemand eine Bezugsquelle für diese Weine aufgetan? Ich habe den ersten nur in einem älteren Katalog von Feinkost-Kiefer gefunden, aber auch nicht zu dem genannten Preis.

    • Rainer schreibt:

      [http://www.trinityhill.com/Our-Partners/]
      Dort findest Du die Adressdaten des deutschen Vertriebs. Das wäre auch mein Tipp bei anderen Weinen,
      auf der Homepage des Weinguts nachgucken und wenn dort nichts zu finden ist denen eine Mailanfrage senden.

      Traditionell dürften NZ-Weine bei Händlern in GB zu bekommen sein, …
      Über wine-searcher.com + vinopedia.com zu finden.

  14. m_arcon schreibt:

    Den Hawkes-Bay Syrah gibt es momentag bei Wine in Black zu 23 Euronen: http://www.wine-in-black.de/product/1821/elephant-hill-syrah-hawkes-bay-2010

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