101. Folge – Besser grün als blau!

Wein Soul-Faktor Euronen
2012 Loureiro Colheita Seleccionada
Quinta de Gomariz, Vinho Verde
bis 10
2012 Alvarinho „Muralhas de Moncao“
Adega de Moncao, Vinho Verde
bis 10
2012 Alvarinho-Trajadura
Quinta da Raza, Vinho Regional Minho
bis 10

Liebe WaLinauten,

das Vinho Verde Gebiet im Norden Portugals gehört zu den regenreichsten Weinregionen der Welt. Im Norden durch den Rio Minho begrenzt, nach Westen durch den kalten Atlantik und nach Osten durch Gebirgszüge, zieht es sich mit 21.000 Hektar Weinbergen von der Hafenstadt Porto bis an die spanische Grenze zu Galizien. Es gibt 9 Subregionen mit sehr unterschiedlichem Klimata und einer Fülle an lokalen Rebsorten. Je weiter man landeinwärts kommt, umso trockener und kräftiger fallen die Weine aus. Das liegt an dem trockeneren Klima. Der Boden besteht in der gesamten Region aus Granit oder verwittertem Schiefer und in den Flusstälern aus Ton.

Lange Zeit war der leicht moussierende Vinho Verde ein einfacher, lokaler Wein, der im Export mit geringem Alkoholgehalt und etwas Restzucker für wenig Euronen verkauft wurde. Häufig wurde er ohne Jahrgang in einer ominösen bocksbeutelartigen Flasche verkauft. Mancher Weinnovize –darunter auch ich- machte seine ersten geschmacklichen „Gehversuche“ mit ihm. Wenn der VV gut gemacht ist, dann ist er ein geniales leichtfüßiges Trinkerlebnis, das heute eine kleine Renaissance erlebt: Kühle Frische, leicht moussierend und lebhafte Trinkigkeit sind sein Naturell. Ein großartiger Aperitif und köstlicher Begleiter zu Fisch, Muscheln und Gemüsegerichten. Mein Favorit sind die hier Piementos aus Padron und natürlich gegrillte Sardinen.

Von der Mode des „Holzaffen“ ist der Vinho Verde weitgehend verschont worden. Ein Glück bei diesen feinen Mozartweinen. Der „Affe“ passt –bis auf wenige Ausnahmen- kaum zu den filigranen Stöffchen. Vinho Verde ist kein kopflastiger Stoff, sondern einfach ein feines Trinkerlebnis mit „Lifestylefaktor“.

Der Name „Grüner Wein“ bezieht sich auf die Landschaft und die Vegetation und nicht, wie viele meinen, auf einen jung zu trinkenden Wein (obwohl das in 90% der Fälle auch stimmt). In den letzten Jahren hat es spürbare Fortschritte gegeben. Es finden sich, neben Jahrgang und Rebsorte auch die Subregionen auf dem Etikett wieder. Die Weinbereitung wurde auch weiterentwickelt: die Erziehungsmethoden wurden auf Drahtrahmen umgestellt, der Erhalt der natürlichen Kohlensäure durch geringere Schwefelung verbessert und geringere Erträge geerntet. Nur um ein paar Maßnahmen zu nennen. Auf alle Fälle deutliche Signale für mehr Qualitäts- und Selbstbewusstsein in der gesamten Region.

Die drei Weine im Video sind so unterschiedlich, wie es der Vinho Verde nur sein kann. Der Loureiro von der Quinta de Gomariz aus der Subregion Ave ist ein atlantischer Wein. Der Name dieser alte Rebsorte heißt so viel wie Lorbeerblüte und sie ist prädestiniert in Atlantiknähe, zu reifen. Einige sagen, man muss das Meeresrauschen noch hören. Ein klasse Stoff mit dem typischen Blüten-, Zitrus- und Apfelduft, der sich durch die aromatische DNA des Vinho Verde zieht. Er erinnert ein klein wenig an einen Riesling Kabinett von Mosel, obwohl meiner Meinung nach der nächste Verwandte des VV der Muscadet Sevrè et Maine von der Loiremündung an der französischen Atlantikküste ist. Vielleicht auch der seltene Txakoli aus dem Baskenland.

Der nächste Wein ist ein „Best Buy“ und legendärer Klassiker aus der Rebsorte Alvarinho (in Spanien Albarino). Der Name dieser hochwertigen Traube heißt übersetzt so viel wie „Kleine Weiße vom Rhein“ und soll im Mittelalter mit den Pilgern in das nahegelegene Santiago de Compostela mitgebracht worden sein. Das ist nie belegt worden, obwohl sie durchaus Rieslingaromen haben kann, auch mit Reife. Sie wird wahrscheinlich mehr mit dem Sauvignon Blanc, Pinot Blanc oder Manseng verwandt sein. Der Muralhas ist ein herbfrischer Weißwein mit knackigem Limettenduft, erfrischender Mineralität und frischem Geschmack. Zu einem Preis von 7,– € ist er eine kleine Sensation. Die Vinho Verde aus der Subregion Monacao e Melgaco -direkt an der spanischen Grenze ca. 40 km im Landesinneren gelegen- müssen zu 100% aus dieser Rebsorte gekeltert werden. Die Besten unter ihnen können, im Gegensatz zu den meisten anderen VV, 3-5 Jahre problemlos reifen.

Der dritte Wein von der Quinta de Raza ist genau genommen kein echter Vinho Verde, obwohl auch er aus den Rebsorten stammt und wunderbare Kohlensäure hat. Klassifiziert ist er als Vinho Regional, sozusagen als hochwertiger Landwein, weil er in seiner Komposition nicht der traditionellen Blend entspricht.

Der Quinta da Raza stammt aus dem wärmeren und trockeneren Süden der Region -aus Braga- und ist eine Blend aus Alvarinho und Trajadura. Letztere sorgt für etwas Körper, Duft und Geschmeidigkeit. Unter den drei Weinen ist er der kräftigste und auch er hat die delikate Frische und Saftigkeit des Vinho Verde. Eine persönliche Entdeckung und ein moderner Wein.

Alle drei Weine sind Grenzgänger zwischen drei und vier Soulpunkten. Wenn die Sonne scheint und beste Meeresfrüchte auf dem Tisch sind, dann liegen sich eindeutig bei vier. Mehr geht dann nicht!!

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15 Antworten zu 101. Folge – Besser grün als blau!

  1. Dominik Herzog schreibt:

    Hallo Hendrik,
    wie schaut es mit dem Pilzdruck aus (das Vinho Verde Gebiet im Norden Portugals gehört zu den regenreichsten Weinregionen der Welt) oder ist das Dank des regelmässigen Windes kein Problem? Anders rum, kommen viel Fungizide zum Einsatz oder hält es sich Dank des Windes im Rahmen? Ich nehme einfach an, dass es vom Atlantik her bedingt auch eine windreiche Gegend ist.

  2. enjoy schreibt:

    Hey,
    Alvarinho trinke ich total gerne. Den Muralhas de Moncao würde ich gerne mal probieren.
    Scheint ja ein Schnäppchen zu sein. Danke für den Tip!

  3. Praterralle schreibt:

    Habe in den vergangenen Jahren einige Erfahrung mit diesen Weinen gemacht. Bin absolut kein Fan von dieser Leichtigkeit. Erinnert mich immer an die dürren Lagerfeldmädels, die über den Laufsteg taumeln vor Entkräftung. Wenn der Alkoholanteil zu hoch ist in einem Wein, würde ich Schorle empfehlen. Bevorzuge eigentlich die Weine, die schmecken, wie zack bum voilà, ich bin da. Lieber mal öfter eine trockene Spätlese oder einen Smaragd. Also lieber Ina Müller im Glas. Aber jeder hat eben seinen eigenen Geschmack. Lasst mir Ina und nehmt Ihr ruhig Lieschen Ichhabseitjahrenkeinfleischangerührt.

    • Rainer schreibt:

      Ist Ina Müller, die kleine Schwester von Lisa Fitz und Enkeltochter von Hildegard Knef? Das Nachdenken über Charakterköpfe passt zum anstehenden Oggau Tim. 😉

      • Praterralle schreibt:

        Hallo Rainer, Lisa Fitz muß ich absolut ausschließen. An Ina ist absolut nix bayuvarisches. Ist eher diese Südschwedin mit dem Silvanertimbre. Also nicht rheinhessischer Silvaner, sondern fränkisches Erstes Gewächs. Ein Hauch von Mango und Mineralität, manchmal auch Frauenschweiß genannt. Horst Sauer, Silvaner trocken, Escherndorfer Lump, 2010. Erodig bur.

      • Rainer schreibt:

        Barbara Schöneberger kommt mir vom Typ her auch noch als mögliche Verwandte in den Sinn. Aber wie wenig sich Familienmitglieder ähneln müssen zeigt ja die Oggau-Etiketten-Familie.
        In jedem der Fälle ein Glück, dass es nur Eti-Ketten und keine wirklichen Familien-Bande sind. 😀

  4. Werner schreibt:

    Ina Müller im Glas – da bin ich dabei! Sehr schöne Beschreibung :-).

  5. Michael Straßer schreibt:

    Ina Müller ist super aber irgendwie muss ich nun wieder an Frauenschweiß im Glas denken! 🙂

    • Praterralle schreibt:

      Hallo Michael, das ist normal. Probier mal Tyrells Riesling Spätlese 2011 vom Karthaeuserhof. Das kommt ziemlich hin.

      • Peer G. schreibt:

        Tyrells Rieslinge aus den 90er Jahren waren richtig geil! Seit dem er nur noch im Edelstahl ausbaut, kaufe ich dort nichts mehr…
        Back to the Roots!!
        Salute

      • wernervino schreibt:

        Hallo Peer,
        also das Weingut war eigentlich sehr vorbelastet durch den Weinskandal an der Mosel und Herr Tyrell hat eine schwere Hypothek übernommen. Bei dieser kompletten Neuorientierung hat er von Anfang an mit Stahltanks gearbeitet und ich finde die Ergebnisse absolut super. Am letzten Freitag haben mein Bruder und ich im gemeinsamen Weinkeller in Würzburg eine Party gefeiert und als Höhepunkt wurden zwei GGs aufgemacht. Einmal Silvaner GG von Horst Sauer 2010 und eben 2009 Karthäuserhof Riesling GG . Die Kommentare der Gäste waren extrem positiv. Wenn Wein so schmecken, ist es mir wurscht, ob diese aus Holzfaß oder Stahltank kommen.

  6. Mathias schreibt:

    Und – liebe weibliche WaLinauten – habt Ihr vielleicht auch so schöne Assoziationen zwischen Weinen und Männern? (Um hier im Sinne einer gender correctness mal ein bisschen Ausgewogenheit reinzubringen). 😉

  7. Peer G. schreibt:

    Habe gute Erfahrung mit VV als Party-Wein gemacht…, am besten direkt vom Eis trinken!
    Schmeckt, versteht jeder und macht gut drauf…
    Habe auch schon VV getrunken, die im Altholz ausgebaut wurden, natürlich dann ohne jegliches CO2, Frische war trotzdem vorhanden, einfach weil zum richtigen Zeitpunkt gelesen wurde und kein BSA forciert wurde…
    Hiermit erkläre ich Carbo-Fresh und dem BSA öffentlich den Krieg!!
    Salute

  8. Reblaus1975 schreibt:

    Hallo zusammen,
    irgendwie fehlen mir die Quellen. Habt Ihr Tip´s für mich?

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