107. Folge – Der König von Keitum

Wein Soul-Faktor Euronen
2009 Rully
Domaine Janthial-Dureuil
20-30
2008 Blaufränkisch Neckenmarkt „Alte Reben“
Moric, Burgenland
50-60

Liebe WaLinauten,

heute kommt die neue WaL-Folge von der Nordseeinsel Sylt. Ich bin zu Besuch bei Johannes King, dem Patron vom Sölring Hof mit angeschlossenem **Sterne Restaurant. Der eine oder andere kennt ihn auch als sympathischen und kompetenten Koch aus dem Fernsehen. Nun hat Johannes, gemeinsam mit seiner Partnerin Selina Müller, ein neues Kleinod in Keitum geschaffen. Seine Genusswelt ist ein Shop mit Lieblingsprodukten, die er im Laufe seiner Karriere schätzen gelernt hat, Lieferservice „Außer Haus“ und kleinen Gerichten, die vor Ort gekocht werden.

Zwei sehr schöne Weine stehen heute auf dem Verkostungstisch. Ein köstlicher Rully von der Côte Chalonnaise (nicht Maconnais, wie falsch im Video gesagt) von der Familien-Domaine Janthial-Dureuil, die ohne Herbizide und Pestizide arbeitet. Diese, in erster Linie, Weißweinregion bringt einige sehr gute Weine, die den berühmten Lagen der nördlicheren Gemeinden Burgunds durchaus die Stirn bieten können, hervor. Und das zu einem deutlich günstigeren Preis. Dieser Stoff aus dem warmen Jahr 2009 ist ein üppiger vollmundiger Wein mit perfekt eingebundener Holznote. Ein Rully aus 40 Jahre alten Reben, der jetzt auf dem Höhepunkt der Reife – dem Plâteau de Maturité- angekommen ist und sicher noch 3-5 Jahre weiterreifen kann. Er duftet nach Austernschalen, reifen Früchten und auch etwas animalisch. Dazu kommt eine saftige Säure, die ihm genug Lebendigkeit und Frische einhaucht. Ein Wein an der Grenze zu 5 Soulpunkten und für Fans von hochwertigem bezahlbarem Burgunder.

Der Blaufränkisch aus alten Reben der burgenländischen Gemeinde Neckenmarkt ist ein Knaller. Roland Velich gehört zu den großen und kantigen Visionären, die das Potential dieser Rebsorte schon vor Jahren erkannt haben. Dabei bedient er mehr eine Stilistik, die auf die feine Frucht geht. Eher Pflaume, rote Früchte und Gewürze. Überreife Aromen, massiver Holzeinsatz und hoher Alkohol sind nicht die Sache von Roland Velich.

Diese neue Richtung, die etwas an Burgund, aber auch an den herben piemontesischen Barbaresco erinnert, fasziniert mich. Der 2008er, sicher nicht günstig, ist jeden Cent wert. Ein tiefgründiger Wein, mit einer konzentrierten Leichtigkeit (richtig gelesen!) ausgestattet. Ein klasse Wein mit Format und eine Bewusstseinserweiterung für jeden seriösen Weinfreund. Mehr zu dem Wein, Roland Velich und seiner Philosophie erfahrt ihr im weiterführenden Link.

Im Übrigen, auf Sylt zu trinken war schon immer etwas teurer doch dafür ist man unter sich. Gut, dass der King in Keitum und nicht in Westerland ist.

Mehr Spaß im Glas,

Euer Hendrik

Dieser Beitrag wurde unter Rotwein, Weißwein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

14 Antworten zu 107. Folge – Der König von Keitum

  1. René dos Santos schreibt:

    Hallo Hendrik,
    bin nicht so der Poster, eher der stille Leser, schöner Bericht !
    Will gar nicht so sehr auf die Weine eingehen (können andere besser), vielmehr auf Johannes King. Hatte im April Gelegenheit mit ihm zu kochen und natürlich dort zu essen, Ein wirklich unendlich symphatischer und bodenständiger, netter Zeitgenosse, der mit wahnsinnig viel Leidenschaft bei der Sache ist. Johannes reiht sich eben nicht in die „Mainstream Fernsehschowköche“ ein (schöner, kleiner und doch symphatischer Seitenhieb nach Bayern von Dir, konnte ich auch „live“ erleben und bin völlig bei Dir…würde in die Riege noch gerne einen „Franken“ einreihen ;-)), sondern selktiert auch dort wie bei seinen Produkten und Weinen. Würde ihn jederzeit wieder besuchen:

    Er ist halt mit seinen „drei“ Beinen auf dem Boden geblieben…. 😉

    viele Grüße und mach weiter so…macht wirklich Spaß !
    René

    • Werner schreibt:

      tja der Alfons – der kennt sich überall aus (oder doch nicht?)…vom Gewürz über Wein bis zum Burger beim großen M zusammen mit Ulis Bratwürsteln 😉 – aber alles bringt Geld ins Haus…

      • Rainer schreibt:

        @Werner. In einem anderen Weinblog hat sich da jemand auch schon seine Gedanken gemacht und schreibt vom „Publikum-Melken, das diese Entertainer-Zunft beherrscht wie kaum eine andere“.
        [http://weindeuter.blogspot.de/2011/02/strammer-max.html]
        Lustiger Weise fällt hier auch der Name des hiesigen Blog-Schreibers. Den Zusatz (kein böses Wort gegen Berufskollegen) verwendet er jedoch nur bei einem aus seiner sicher noch zu ergänzenden Liste. Im Grunde ein Rundumschlag – nicht ernst oder halb ernst gemeint, schließlich ist Geld geschmacklos – nein – stinkt nicht! Axel Biesler? Wer ist das eigentlich, den Blog diewein.com kannte ich noch nicht, liest sich witzig. 😉

      • Werner schreibt:

        @Rainer: danke, interessanter Link, die Seite war mir neu. Und der Alexander aus Franken gehört zweifellos auch in die Kategorie, aber solange die Leute dort freiwillig kaufen sollen sie ihr Geld machen, wird ja keiner gezwungen bei diesen Meistern des Geldmachens seine Kohle abzuliefern…

      • Tom B. schreibt:

        Die Weine sind eher nix für mich – allerdings finde ich eine „unter sich“-Diskussion für Sylt sehr negativ. Die Sylter können sich ihre Heimat kaum/nicht mehr leisten, weil hanseatische Makler die Preise in unmoralische Höhen getrieben haben und eine Schicki-Micki-Truppe bereit ist, für jeden Mist jeden Preis zu zahlen.

  2. Marco Rosso schreibt:

    Toll,toll,toll,von meiner Lieblingsinsel und mit einem super aufgelegten Johannes King,den ich einfach mag.

  3. m_arcon schreibt:

    Zwei wirklich tolle Weine die mich beide unheimlich anmachen und zwar schon seid längerem. Das Weingut wurde schon mal vom Captain und Gerhard Retter vorgestellt als Tipp für einen (noch) bezahlbaren Burgunder. Bisher bin ich leider noch nicht in den Genuss gekommen.

    Den Moric Weinen eilt sein guter Ruf vorraus. Und ich denke das wir in Österreich mit diesem unheimlichen Aufschwung der Blaufränkischen Weine, eine der interessantesten Regionen für Rotwein momentan im Burgenland haben. Ich habe vor ein paar Wochen den Einstiegswein von Schiefer getrunken der auch hier schon in der Sendung von Billy Wagner vorgestellt wurde und war wirklich begeistert. Das von dir angesprochene süß-sauer Spiel und diese Kühle macht diese Weine einfach mega sexy!

    Die Argumente von Johannes King sprechen mir aus der Seele. Mehr Qualität, weniger Scheisse so siehts einfach aus. Ich hoffe das noch mehr Leute auf den Trichter kommen und entsprechend umdenken.
    Einen Einwand find ich besonders gut, nämlich das Regionalität nicht gleich bedeutend ist mit besserer Küche. Da muss das komplette Konzept dazu passen, von Anfang bis Ende.

    Cheers und einen schönen Feiertag wünscht
    Marc

    • m_arcon schreibt:

      Btw. schöne Gläser. Was sind das für welche? 🙂

      • Rainer schreibt:

        @m_arcon. Bei Tante Google hab ich mal nach – Rotwein-Ballon Glas – gesucht und bekam in der Bildersuche sofort das Angebot eines Hamburger Versandhauses, könnte passen. 😉

      • m_arcon schreibt:

        Stimmt, das könnte passen 🙂
        Danke dir!

  4. Rainer schreibt:

    Ja, der „Rully“ hat mich auch schon mal interessiert. Er ist aber mal wieder nicht so einfach zu bekommen – siehe auch hier:
    [http://www.captaincork.com/Weine/Weissweine/Rully-Dureuil-Janthial-2008-Kaufempfehlung-Sommerwein]
    Aber Danke für den Hinweis auf Joh. Jos. Prüm, Mosel-Riesling ist mir ohnehin von der Richtung her sehr angenehm, wird mich da mal umsehen.

    Mit teurem Chardonnay kann ich mich einfach nicht so richtig anfreunden. Den in Folge 40 vorgestellten – 2010 Guardiola, Viticoltore Passopisciaro, Sizilen – hab ich nicht als angenehm empfunden, klebt mir den Mund zu, ist wie Buttercremetorte, noch ein Stück „Frankfurter Kranz“ anyone? 😉

  5. Diollysos schreibt:

    Schöne Grüße zurück aus München, nicht jedoch von der angesprochenen Person, die recht zutreffend widergegeben, bzw. charakterisiert wurde.

    Kurzweilige, durchaus informative Folge. Ein wenig mehr Tiefgang wäre auch in der Interviewsituation wünschenswert: sehr reduzierte Kellerarbeit, mikroklimatische Gegenbenheiten, Jahrgangstypizität, Boden, Rebsorte – und sei es jeweils nur kurz.

    Bzgl. Rully sei – zur Vertiefung – auf folgende Seite verwiesen: http://www.vins-bourgogne.fr/connaitre-les-vins-de-bourgogne/…ses-vins/au-coeur-des-appellations/rully,31,18.html?&args=Y29tcF9pZD00NTMmYWN0aW9uPXZpZXdGaWNoZSZpZD0zODcmfA%3D%3D.

    Bevorzugte Lagen wären für meine Wenigkeit „Margotés“, „Préaux“ und „La Pucelle“. Davon abgesehen die Weine von Aubert de Villaine (jdf. die aus seinem eigenen kleinen Weingut): http://www.de-villaine.com/fr/#/Accueil. An dieser Stelle sei bemerkt, dass ich den 2002 La Tâche DRC (Folge 52) doch noch (trotz des durchwachsenen Jahrgangs) qualitativ höher einschätze als den in diesem Video besprochenen BF von Moric. Sicherlich ist der 2002er jetzt noch nicht im optimalen Trinkstadium angelangt; ich finde aber, dass man Weinen nicht ganz gerecht wird, wenn man nur/überwiegend den aktuellen Trinkspaß zum Maßstab nimmt – jdf. bei solch großen Weinen.
    Was den BF anbelangt, so muss man dessen burgundische Anmutung hervorheben, wirklich grandios.

    Dessen ungeachtet war eine kürzlich erfolgte Verkostung mit Robert Velich sehr amüsant und gewinnbringend. Übrigens: Moric wird nicht ganz so ausgesprochen..

    Vinophile Grüße

    Diollysos

  6. Rainer schreibt:

    Zum jüngsten Weinskandal auf der Nachbarinsel hab ich leider noch nicht viel lesen können. Ist das den Briten selber peinlich? Immerhin hat es 1 Jahr gebraucht um den Unterschied zwischen Inhalt und Etikett der Weinflaschen fest zu stellen.
    Unglaublich, bei Google hab ich zu den genannten Kellereien Silva in Pavia und die Firma Enorobica in der Provinz Bergamo
    auch eine Meldung aus italienischer Quelle gefunden.
    [https://www.meiningers-weinsuche.com/de/news/gro-britannienitalien-f-lscher-bande-aufgeflogen]

  7. Stephan K. schreibt:

    Johannes King ist einfach klasse. Der Mann ist so positiv und freundlich, dass ist schon fast unheimlich. Muss wohl an der Inselluft liegen. Sehr interessant fand ich auch die Meinung zu den regionalen Produkten: Diese müssen nunmal auch authentisch zur Region passen.

    RIchtig schönes Video, und die leichten Windböen in der Tonspur machen Lust auf Küste! 😉

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