117. Folge – Beim heiligen Joseph!

Wein Soul-Faktor Euronen
2011 St. Joseph „Les Oliviers“
Pierre Gonon, Rhône
20-30
2010 St. Joseph „Les Challeys“
Delas, Rhône
10-20

Liebe WaLinauten,

heute probiere ich gemeinsam mit der Hamburger Weinnase und Betreiber des Weinhandels Oxhoft, Christian Budde, Gewächse aus einer ziemlich unbekannten Region an der nördlichen Rhône: St. Joseph.

Diese ca. 60 km lange, dem Rhôneverlauf folgende, weit verstreute Region liegt in ihrer Bekanntheit weit hinter solchen Berühmtheiten wie Cornas, Hermitage oder der Côte-Rôtie. Die Weinberge liegen zwischen Mauves im Norden bis Tournon im Süden der nördlichen Rhône.

Lange Zeit war die Qualität von hier sehr unterschiedlich zu bewerten. Das hat sich wesentlich verbessert. Vor allem, weil man die Weinberge der Appellation auf die historischen Lagen rechtsseitig der Rhône liegend begrenzt hat. Die natürlichen Vorraussetzungen von St. Joseph sind nicht unbedingt viel schlechter, als die der berühmteren, teureren Nachbarn. Es gibt hier genauso steile Weinberge mit hartem Untergestein aus Granit und Gneis. Nur ist es etwas kühler und die Lagen haben nicht immer die ideale Ausrichtung zur Sonne. Die besten Weinberge mit süd-südöstlicher Ausrichtung können aber wunderbare, elegante Weine hervorbringen

Der weiße St. Joseph von Pierre (und seinem Bruder Jean) Gonon, ein Blend aus 80% Marsanne und 20% Roussane, stammt vom Granitboden. Er wächst in einer Parzelle namens „Les Oliviers“ oberhalb von Tournon. Das ist wahrscheinlich mit Abstand der beste und auch teuerste Weißwein der gesamten Appellation. Er hat eine kräftig strohgelbe Farbe, eine ölig-weinige Viskosität und bietet ein reichhaltiges Bukett von Honig, Akazie, gerösteten Nüssen sowie reifen Aprikosen. Am Gaumen schmeckt er fett und cremig. Leider fehlt rebsorten- und herkunftsbedingt etwas Säure. Deswegen bekommt auch nicht die volle Punktzahl, denn diese Lebendigkeit vermisse ich etwas. Er ist z.Z. in einer super Trinkverfassung, kann aber ohne weiteres 10-15 Jahre weiterreifen. Zu einer Poularde, Morcheln, cremigen Saucen und Hartkäse eine mega Empfehlung.

Der rote St. Joseph „Les Challeys“ vom sehr guten Handelshaus Delas ist ein supersolider, authentischer Wein mit dem Duft von Holunder, Kräutern und schwarzen Oliven. Vor allem findet sich viel weißer Pfeffer und rote Früchte, wie Sauerkirschen, beherrschen das elegante Aroma. Er ist nicht wahnsinnig komplex, aber ein typischer Nordrhône mit mehr Strenge und Frische, als z.B. die Gewächse aus dem Süden des Rhônedeltas wie Côtes du Rhône oder Gigondas.

Am Gaumen ist er mittelkräftig und nicht übermäßig dicht. Ein Wein, der sehr gut ein rustikales Essen begleiten kann. Wenn er ein paar Euro weniger kosten würde, hätte ich noch mehr Spaß an ihm und würde ihn mir sogar kaufen. Denn er ist weiterer Beweis dafür, dass hier mehr Qualität geht.

Bei WaL regiert definitiv mehr Spaß im Glas,

Euer Hendrik

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10 Antworten zu 117. Folge – Beim heiligen Joseph!

  1. Carsten Laade schreibt:

    Die Rhône ist für mich auch zur Zeit einer der spannendsten Weinregionen. Klasse dass ihr Euch auch mit den weißen , etwas verschütteten Stilblüten dieser großartigen Weinlandschaft beschäftigt. Auf die wilden Rebsorten dieser Erde. Sympatisches Duo. Sehr wichtig, dass Ihr das noch mal mit der Temperatur angesprochen hat. Mann kann es nicht genug erwähnen. Ich halte es auch immer so dass ich die Rotweine vor dem Trinkgenuß 20 Minuten lang auf Eis oder in den Kühlschrank stelle, um die Fokussierung auf die Frische zu gewährleisten. Der Wein generiert dann mir immer mehr Fröhlichkeit..

  2. Sascha schreibt:

    Wir haben im Restaurant die Rotweine auf 18 grad temperiert. Trotzdem bekommen ich relativ häufig Rückmeldung von Gästen der Wein sei zu kalt?!?

  3. Hardy schreibt:

    Möchtest du eine neue Reihe starten? Windy Wine TV ?
    Rhône Weine finde ich immer sehr interessant. Gute kosten leider inzwischen auch ihren Preis, aber man gönnt es den Winzern ja.

  4. Axel Finger schreibt:

    Rhone-Rotwein im Sommer ruhig bis 14 Grad runterkühlen sagt mein befreundeter Ventoux- Winzer Philippe Gimel. Die opulenten Bomben können das sowieso ab. Aber auch die kleineren sind dann ein frischer Spaß im Glas. Und wärmer werden sie von alleine 😉
    Die weißen von der Rhone brauchen aber gar nicht mal so (Kühlschrank-)kalt sein, finde ich.

  5. Kersten M. schreibt:

    Zum Thema Temperatur: ich trinke in Top-Restaurants meist die Weinbegleitung, nur gelegentlich eine Flasche, auch wegen der Temperierung und Belüftung der Weine.
    Manchmal wähle ich aber auch eine Flasche, inbesondere wenn interessante Lagen und Jahrgänge zu günstigen Kursen auf der Karte sind, dann gern dann einn komplexeren Weißwein (Große Gewächse u.ä.). Der wird nur in Ausnahmefällen belüftet und meist auf Eis gekühlt und ich muss immer mit daran denken, wann der Wein wieder runter vom Eis soll und wann wieder einige Minuten gekühlt werden kann, um die gefühlt richtige Temperatur zu haben. Der Service hat das meist wenig im Blick bzw. nimmt den wahrscheinlich häufigen Kundenwunsch „Weißwein = Kalt“ vorweg.
    Ich wundere mich dann jedes mal, warum nicht schon jemand ein kleines dezentes Kühlgerät für eine Flasche am Tisch entwickelt hat. Die Technik nähme bestimmt nicht mehr Platz weg, als das Eis in diesen silbernen Standkühlern…

  6. Rainer schreibt:

    Moin, allerseits! Mann, hab ich Hunger – noch nichts gefrühstückt- aber Mensch möchte auch LACHEN – hierüber zum Beispiel:

    [http://www.titanic-magazin.de/fachmann/2013/juni/#c18503]

    How to prepare Tapas
    Für Fachmänner ist das Herstellen original spanischer Tapas ein Klacks. Anleitung dazu gibt in guten »All inclusive«-Hotels der Tapas-Tölpel. Der Tapas-Tölpel wird vom mühsam werbenden Animations-Schnösel als herausragender Küchenchef angekündigt. Der Animations-Schnösel wirbt damit, daß die Teilnehmer eine einzigartige Einführung in die Zubereitung der einzigartigen kulinarischen Spezialität Tapas erhalten, und alle Teilnehmer dürften sich anschließend als Tapas-Küchenchefs bezeichnen. Der Aufforderung folgen selten mehr als zwei Paare. Die beiden Paare stehen dann da und manschen marinierte Paprika aus der Dose und marinierte Zwiebeln aus der Dose und Thunfisch aus der Dose zusammen. Sie häufeln die Pampe auf kleine, salzlose Weißbrotscheibchen und dürfen sich vom Tapas-Tölpel ein begeistertes »Fantástico!« anhören. Dann lernen sie, wie man statt der Paprikapampe geschmacksarme Pfannkuchen-Stückchen, die Tortilla genannt werden, auf die salzlosen Weißbrotstückchen drauflegt und mit einem Zahnstocher durchpiekst: »Fantástico!« Dann lernen sie, wie man in Schinken gewickelte Garnelen durchpiekst und auf salzlose Weißbrotstückchen steckt. »Fantástico!« Dann lernen sie, wie man Käsestücke (Queso) auf salzlose Weißbrotstückchen legt und mit einer Lötlampe leicht erwärmt: »Fantástico!« Dann werden die ganzen fetten Häppchen noch mit Olivenöl übergossen und müssen gegessen werden, aber spätestens jetzt sollten Sie, so wie ich, den Ort des Geschehens verlassen.

    Ludger Fischer

  7. Praterralle schreibt:

    Bezüglich Temperatur habe ich schon einen anderen Standpunkt. Also ich finde bei zu stark temperierten Weinen ist beim Trinken ein Verlust der unterschiedlichen Geschmackskomponenten festzustellen. Die Kontentration auf „Frische“ bei einem Wein finde ich zu einsilbig. Man sollte zum Erfrischen und Durst löschen vielleicht doch mal Mineralwasser benutzen, oder Weinschorle. Im Sommer finde ich bei Rotwein Kellertemperatur absolut ausreichend und das gnadenlose Runterkühlren von Weißwein bis knapp vor dem Gefrierpunkt ist respektlos und geschmacklos. Allerdings muß man bestimmte Weine natürlich so weit herunterkühlen, um diese trinkbar zu machen. St. Joseph ist ein absolut interessantes Weinbaugebiet.

    • Rainer schreibt:

      Frappieren und Chambrieren sind wohl die Fachbegriffe um Wein auf die gewünschte Temperatur zu bringen. Darüber gestritten wurde selbstverständlich auch schon. Hängt sicher vom Einzelfall ab, hier ein Einzelfall aus 1969 – damals wurde die Sache für den zahlenden Gast entschieden. Wie das heute ausgegangen wäre ist mir nicht bekannt.
      [http://www.zeit.de/1969/17/wenn-der-wein-zu-warm-serviert-wird]

  8. weinheiten.ch schreibt:

    Hallo Hendrik

    Ist da ein Soulpunkt ins Wasser gefallen 😉

    LG Pascal

  9. Gobenn71 schreibt:

    Nordrhone finde ich auch sehr interessant. Schon aus dem Grund, weil die Weine von dort meist leichter und feiner sind als ihre Pendants von der Südrhone. Mitunter fast schon burgundisch, was aber leider auch auf die Preise zutrifft.

    Einen Weissen von der Nordrhone hatte ich noch nicht, muss ich mal nachholen.

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