119. Folge – Blasenexperten unter sich!

Wein Soul-Faktor Euronen
2008 Riesling Sekt Extra Brut „Jour Fixe“
Immich-Batterieberg, Mosel
10-20
2005 Blanc et Noir Brut Nature
Wein- und Sekthaus Raumland, Rheinhessen
30-40

Liebe WaLinauten,

am letzten Wochenende fand zum 3. Mal das Vinocamp auf der Fachhochschule Geisenheim am Rhein statt. Ein etablierter Treffpunkt für die Wein-Online-affine Gemeinde Deutschlands und eine gute Gelegenheit, sich auszutauschen. Während des Barcamps hat jeder die Möglichkeit, zu bestimmten Themen zu referieren.

In einer Session stellte die Schaumweinnase Boris Maskow verschiedene „Sparklers“ aus der ganzen Welt vor. Ich war besonders angetan von den beiden deutschen Sekten. Deswegen entschloss ich mich -gemeinsam mit der anwesenden deutschen Weinkönigin Julia Bertram und Boris- ein Video zum Thema zu drehen.

Es geht in diesem Video um die Eigenständigkeit des deutschen Sektes. Zu häufig hört man von Verbrauchern, dass sich deutscher Winzersekt mit dem Champagner messen kann. Das halte ich für einen Irrtum bzw. falschen Ansatz. Was man überhaupt vergleichen kann, ist der technische Prozess und natürlich ob die im Glas vorhandene Qualität in derselben Liga spielt. Geschmacklich gibt es große Unterschiede, die vor allem durch die Herkunft und das Klima, aber auch durch die Tradition bestimmt sind.

Der 2008 Zero Extra Brut von Immich Batterieberg ist ein puristischer Rieslingsekt, der wunderbar saftig und frisch ist. Er hat ein fantastisches Zitrusaroma mit Pfirsich- und Kräuternoten. Die karge Trockenheit wird ausgeglichen durch einen ausgewogenen Geschmack. Das ist ein ernstgemeinter seriöser Stoff. In der Landschaft, der eher fruchtig geprägten deutschen Rieslingssekte ein Statement von Winzer Gernot Kollmann. Die pulsierende Säure ist nichts für Magenkranke, aber von unendlicher Rasse geprägt.

Er wurde zu gleichen Teilen aus den Toplagen Winninger Hamm und Oberemmler Altenberg aus wurzelechten Reben gekeltert und spontan vergoren. Der Ausbau erfolgte im Fuderfass und zum anderen im Stahltank. Die Gärung erfolgte im Stahltank (beim Winninger dauerte sie 1,5 Jahre) und 2010 wurde versektet. Es wird nach Bedarf abgerüttelt bzw. degorchiert. Die im Video vorgestellte Cuvée bspw. im Juni 2010. Das ist begrüßenswerterweise auf dem Rückenetikett vermerkt und ist für den Genuss wichtig.

Der 2005er Blanc et Noir von Raumland aus Rheinhessen ist eine sensibel komponierte Cuvée aus Chardonnay, der auf Muschelkalk wächst, und Pinot Noir, mit 2 Gramm Restzucker ausgestattet. Ein Klassiker und sicher mit das beste, was man hierzulande in dieser Kategorie bekommt. Man könnte ihn wegen seines Brioche-toastartigen Geruchs durchaus mit einem Champagner vergleichen, aber er wirkt etwas weniger säurebetont. Volker Raumland steht der Champagne und ihren individuelle Produzenten sehr nahe. Das ist kaum zu übersehen, trotzdem differiert er von seinen französischen Vettern. Qualitativ ist dieser Sekt aber in derselben Liga und wenn man den Preis bedenkt, fährt man nicht schlecht, eher ziemlich gut sogar. Hier bekommt die hohle Phrase „Geiz ist geil“ eine völlig neue Bedeutung. Hier wird am richtigen Ende gespart.

Mehr Spaß im Glas,

Euer Hendrik

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30 Antworten zu 119. Folge – Blasenexperten unter sich!

  1. Michael schreibt:

    Moinsen Hendrik,
    das Video führe ich mir heute Abend mal zu gemüte. Da wir gern Sekt trinken und auch schon bei Raumland zur Verkostung waren, interessiert uns das Video sehr. Danke dafür…

    Im „Überlesen deas Textes sind mir nur Unstimmigkeiten aufgefallen:
    – ist der Raumland aus dem Jahr 1995 (oben in der Bewertung) oder 2005 (unten im Text)?
    – was bedeutet (…. 1,5 h Jahre) Ist da evtl. das „h“ zu viel?

    Zum Thema Sekt gern mal wieder ein Video. Dann vielleicht auch mal mit Andres&Mugler, Reichsrat Buhl, von Winning Sekt usw??

    Beste Grüße,
    Michael

  2. Roger Kutschki schreibt:

    Gute DEutsche Sekte sind keine Champagner, aber viele Champagner sind ihr Geld nicht wert.
    Sehr gute Sekte (in letzten Jahren gern getrunken) von Künstler – tolle Cuveé! – und mein Favorit, da er superlange (immer über 10 Jahre!) auf der Hefe lag: Rosé-Sekt von Knipser.
    Liebe Grüße aus Berlin
    Roger

  3. Axel schreibt:

    grossartige folge ! fein, mal live dabei gewesen zu sein. hier ein kleines feature und blick auf die andere seite der kamera… http://content.grossaufnahmen.de/Vinocamp2013Teaser/

    • Rainer schreibt:

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  4. m_arcon schreibt:

    Schöne Folge, wieder mal „thinking outside the box“. Ich halte Champagner in manchen Situationen sicherlich für unschlagbar, mit deutschem Winzersekt hab ich mich ehrlich gesagt noch nicht sonderlich beschäftigt.

    Zu den Fragen: @Julia auf welchen Zeitraum ist das bezogen?
    @Boris Wenn genügend Zeit da ist bestimmt, darf aber kein allzu schwerer Kraftprotz sein 🙂

    Cheers
    Der Consigliere

  5. Pingback: Das Vinocamp #vcd14 braucht ein Housekeeping - Vinalia.de - Wein Genuss Lebensart Weinmesse Genussmesse Weinseminare Gastronomieberatung | Vinalia.de - Wein Genuss Lebensart Weinmesse Genussmesse Weinseminare Gastronomieberatung

  6. m_arcon schreibt:

    Btw. die komplette Lehrweinprobe mit Boris wurde aufgezeichnet. Wer will kann sich das Ganze hier anschauen: http://video.hs-gm.de/videos/video/931/

    Cheers

  7. Pingback: Vinocamp 2013 Rückblick - intraDAT Blog

  8. Hardy schreibt:

    Hallo Hendrik,
    mal wieder eine sehr unterhaltsame Folge. Ich fand sie echt klasse und einige Lacher waren bei den Nachbarn zu hören. Bitte mehr solche Folgen. Ehrlich und unterhaltsam.
    Deutscher Winzersekt ist eine klasse Sache. Champagner ist sicherlich auch nicht verkehrt. Aber warum nicht auch mal in die Nähe schweifen. Habe zuletzt einen super Winzersekt aus Scheurebe bei einer Hochzeit trinken dürfen. Sehr lecker.

  9. Praterralle schreibt:

    Schon wieder Hühnerkacke. Ist immer noch keine gute Bezeichnung und die Vorstellung ist mir immer noch ein Graus. Bin kein großer Bubblesfan, aber der erwähnte Unterschied zwischen Champagner und Sekt sind einfach Anbaugebiet und meistens auch die Rebsorten. Bei den erwähnten 4 Litern pro Person und Jahr in Deutschland möcht ich nicht wissen, wieviel Seeligmacherbrause für 1.99 dabei ist. Bei den verschiedenen Feiern nehme ich mir schon immer eine Flasche Rot-oder Weißwein mit, um dem zu entgehen und finde immer mehr Leute, die davon etwas abhaben wollen. Man verträgt dann halt offiziell die Kohlensäure nicht. Herausragende Sekte habe ich beim Schloß Sommerhausen aus Franken probieren dürfen. Die guten Champagner sind leider teuer und Champagner nach einem Menu kann einfach nicht funktionieren. Wie soll das nach Rotwein, Beerenauslese, Käse und Dessert noch schmecken?

    • Rainer schreibt:

      Chicken Shit gab’s hier schon mal und andere Weinfehler wie Pferdestallgeruch gab’s auch. Googel kennt auch Ttongsul – interessanter weise soll das Zeug eher neutral schmecken. Nichts ist wie es scheint. Keinen blassen Schimmer woher eigentlich bei älteren Rieslingen manchmal der Geschmack nach Kokosnuss herkommt, ist mir aber nicht unangenehm, das lasse ich mir
      gerne gefallen. Fehlerhaft ist der Geschmack trotzdem – Fehler haben hohen Unterhaltungswert, manche sagen es war falsch von den Bäumen zu steigen, andere meinen es sei schon ein Fehler gewesen die Weltmeere zu verlassen. 😉

      • Praterralle schreibt:

        Sind das wirklich Fehler oder eher Eigentümlichkeiten des Weines? Ein Fehler ist zum Beispiel Kork. Mag ich das? Eher nicht. Mich stört schon dieser Begriff. Warum heißt der nächste Geruch dann nicht Uringeruch vom gestrandeten Blauwal auf Norderney?

      • Rainer schreibt:

        Google bietet mit den Suchbegriffen „chicken shit in winetasting“ viel zu lesen, da werden konsequent alle angebeteten goldene Kälber vom Podest gestürzt und zurück in den Stall gescheucht. 😉

        Wine tasting is bullshit – Here’s why – ist besonders interessant und da wir hier Geisenheimer Luft schnuppern durften, wird dort auch auf eine wissenschaftliche Quelle verlinkt. Das wird man natürlich in Geisenheim auch alles lange wissen, auf Verwirrung hat es ein wohlmeinender Weinliebhaber ja auch gar nicht abgesehen. Interessant ist es aber sich einzugestehen wie schnell und leicht ein falscher Eindruck entsteht. Das meinte ich mit „nichts ist wie es scheint“.
        [http://io9.com/wine-tasting-is-bullshit-heres-why-496098276]
        Auf der Webseite des Bayerischen Rundfunks, Weinwunder Deutschland Stuart Pigotts Entdeckungsreisen,lese ich:
        „Der Engländer Stuart Pigott liebt Wein und ist Hauptfigur in der Serie … verabscheut Hypes und Hochmut, sein Credo lautet: „Wein muss allein dem schmecken, der ihn trinkt!“

  10. Praterralle schreibt:

    Ansonsten natürlich eine sehr nette und kurzweilige Folge mit lockerer Weinkönigin.

  11. Alex Barbera schreibt:

    Juhu – endlich mal wieder eine PRIKELNDE Folge! Macht gleich richtig Lust auf ein bis viele Gläschen Schaumwein. Wobei mir der Champagner persönlich schon mehr zusagt – gerade die kleinen Häuser bieten mir hier oft viel Spass für wenig Geld. Aber vielleicht auch ein Statusding – über das ich mich noch nicht hinweggetrunken habe.

  12. Stephan schreibt:

    Moin Hendrik!
    Ein sehr schönes, amüsantes Video (mal wieder mit gut verständlichem Sound!!). Was mir auch sehr gut gefallen hat ist das Video vor dem Video. Da bekommt man mal einen kleinen Einblick hinter die Kulissen und kann das Ausmaß und den Erfolg von Weinamlimit ein wenig einschätzen. Glückwunsch zu diesem, nebenbei.
    Erstaunlich auch wie frisch du an dem Abend / Nachmittag wieder warst. Nach der Wanderung und Weinprobe am Morgen wirktest du ja doch ein wenig müde.

    Zu den Fragen: Ich trinke eigentlich nur soviel Wein wie möglich.
    Die Magnum würde ich aber nicht „alleine“ trinken. Man kann sich ja aber zu zweit 2 Magnumflaschen teilen.

  13. Praterralle schreibt:

    @ Rainer Da hat Stuart schon recht, wenn es auch mal ein Fabrikwein ist,gell? Finde aber die 3.Staffel etwas merkwürdig. Man hat einen zusätzlichen Sprecher engagiert, dieses Berliner Schickimickey steht oft im Mittelpunkt und es gibt viele Unklarheiten.

    • Rainer schreibt:

      @Praterralle, nehme mal an, der Sprecher soll Stuart von der bisherigen durch ihn selbst gesprochenen Kommentierung teilweise entlasten. Mag auch sein, dass der Sprecher den trockenen, ironisierenden britischen Humor aufnehmen und fortsetzen soll. Es ist ihm im Ergebnis aber schmerzhaft misslungen. Das wirkt aufgesetzt und betont leutselig was da aus dem Off gesprochen wird. Die Reihe lebt aber vom Zwiegespräch zwischen Stuart und dem jeweiligen Winzer. Mich beeindruckt die Herzlichkeit mit der er überall empfangen wird und mich beeindruckt auch die jeweilige Gesprächsführung. Das wirkt sowohl authentisch ungekünstelt als auch vertrauensvoll und freundschaftlich – dass das auch wirklich so ist kaufe ich ihm ab.

      Wenn ich die Videos sehe dann nur als Unterhaltung und natürlich Neugier etwas von den Winzern selbst zu sehen und zu hören. Eine Kaufempfehlung leite ich für mich daraus zunächst gar nicht ab. Gutes kann ich selbst auch nur vom Weingut Salwey berichten. Sehr, sehr freundlicher Mailwechsel mit der zuständigen Mitarbeiterin – es hat mir richtig leid getan, dass mich der Wein nun nicht sooooo vom Hocker gehauen hat – wahrscheinlich das falsche Weinchen bestellt- na ja – egal. 😉

      • Praterralle schreibt:

        Ha die Dame kenn ich auch. Sehr nett, kompetent und bestimmt. Salwey ist echt nicht so einfach. Man muß sich erstmal an die auf der Maische angegorenen Grauburgunder gewöhnen. Aber dann sind diese klasse und recht unverwechselbar. Die Spätburgunder haben mir auch gut gefallen. Was bei ihm auch toll ist, sind die Obstbrände. Quitten-und Sauerkirschwasser der Extraklasse. Die Literweine waren auch nicht so schlecht. Für August ist eine Tour zum Kaiserstuhl geplant. Da muß ich auch dort mal vorbeischauen und bei der Dame in Natura einkaufen.

  14. Messias schreibt:

    Sehr unterhalsame Folge, Glückwunsch zu den Gästen, da stimmte die Chemie. So stelle ich mir Vinotainment am Samstagabend vor (wenn der Schwerpunkt auf ..tainment liegt). Das Thema selbst ist jedoch nicht meins, denn ich kann mit Blubber nicht viel anfangen. Außer einer Flasche Champagner zu Weihnachten und Silvester zu anstoßen, leben ich gut in der kohlensäurefreien Welt.

  15. Pingback: VinoCamp 2013: ein perlendes Feuerwerk | Glücksinseln

  16. Gilli Vanilli schreibt:

    Mal wieder ein sehr unterhaltsames Video nicht nur aus hendriks Schwimmbad 🙂

    Bei dem Thema kommen Erinnerungen hoch. Auch wenn Sprudel Zeug nie ganz oBen auf meiner lieblingsliste stehen wird, zeit mal wieder einen anständigen Winzesrsekt aufzumachen.

  17. Peer G. schreibt:

    Ich kann die Meinung von Boris verstehen, Blubber sei das vorzüglichste unter den Weingetränken. Es ist das Geheimnis der auf der Zunge explodierenden Blasen, die das Aroma der Grundweine potenziert freisetzt, gepaart mit charmanten Hefenoten; diese in der Intensität abhängig von Zeit und der Herkunft, die das Getränk erfahren hat. Ein Hochgenuss für diejenigen, die spüren und zuhören können, was die Natur nach langer Zeit freigibt. Eines ist dabei immer deutlich vor Augen zu führen: ein Sekt oder Champagner kann nur so gut sein wie seine Grundweine!
    Salute

  18. Kerstin Uhlenbusch schreibt:

    Schöne Folge! – Toll, daß Du Teil vom #vcd13 warst und die Gunst der Stunde genutzt hast mit zwei super Gästen dieses tolle Video gemacht hast. Die Sessions mit Boris Maskow waren der Hammer.

  19. Sascha schreibt:

    Klasse Folge – macht Spaß, „Euch“ zuzuschauen!

  20. Pingback: Vinocamp: Weltreise der Schaumweine — Blind Tasting Club – Wine and Dine Blog

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