122. Folge – Swimmingpoolweine?

Wein Soul-Faktor Euronen
2012 Château Moulin de Graves
Jean Bost, Côtes de Bourg
bis 10
2012 Blanc de Château Brulléscaille
Côtes de Bourg
bis 10

Liebe WaLinauten,

Wein am Limit kommt heute aus der Nähe von Bordeaux. Die Côtes de Bourg auf dem rechten Ufer des breiten Stromes namens Gironde wird auch die „La Petite Suisse“ genannt. Der Name stammt von der abwechslungsreichen, hügeligen Landschaft und den vielen Kalksteinfelsen und Wäldern. Es gibt sogar eine „Corniche“, eine Küstenstraße, die sich von Bourg bis nach Blaye, das nächste Anbaugebiet, am Fluss entlangschlängelt.

Es ist hier weniger touristisch und gehypt als auf dem gegenüberliegenden Ufer der Gironde. Darin liegt auch der Reiz dieser alten Weinregion, die einstmals mehr Weiß- als Rotwein produzierte und heute wieder im Kommen ist. Allerdings haben die meisten Côtes de Bourg nicht die Tiefe, Haltbarkeit und Kraft der Médocweine. Trotzdem gibt es hier eine Menge fantastischer Entdeckungen zu sehr moderaten Preisen und auch noch echte Überraschungen.

Normalerweise ist das Bordelais berühmt für seine Rotweine, aber in den letzten Jahren hat sich die Qualität der Weißweine enorm gesteigert. Auch die Techniken in der Weinbereitung haben sich stark verbessert, so dass es sich lohnt diese Tropfen auf den persönlichen Radarschirm zu nehmen. Trotzdem sind „Weiße Bordeaux“ weiterhin eine Nische und werden es wohl auch bleiben.

Da es vor Ort immer anders schmeckt, muss man aufpassen, nicht dem Urlaubsleichtsinn zu verfallen. Die beiden heute vorgestellten Weine habe ich im örtlichen Supermarkt gekauft. Die sind in Frankreich teilweise mit sehr guten Sortimenten aus einheimischen Weinen bestückt.

Der Château Moulin de Graves ist eine Blend aus Sauvignon Blanc und Sauvignon Gris, die im Edelstahl ausgebaut wurde. Ein sauberer, nach Citrusfrüchten, Stachelbeeren und Apfel riechender Wein. Leider sehr kurz und etwas dünn. Ein echter Urlaubswein, der für 4,50€ fair ausgepreist ist, aber wenig „Soul“ besitzt. Mit etwas „Wohlwollen“ bekommt er drei Soulpunkte, aber noch mal kaufen würde ich ihn mir nicht.

Der Blanc Château Brulléscaille aus 75% Sauvignon Blanc und 25% Sauvignon Gris wurde aufwändiger gekeltert. Er wurde mit der Hand gelesen und zu einem Viertel in neuen Holzfässern auf der Feinhefe gereift. Ab und an wurde die Hefe aufgerührt. Das nennt man Batonnage und ist ursprünglich eine Methode aus dem Burgund, um den Weinen zu mehr Cremigkeit und Schmelz zu verhelfen. Der Rest des Weines reifte in gebrauchten Eichenholzfässern und der „Holzaffe“ bleibt außen vor.

Die exotische Frucht von Lychee, Mango und Grapefruit kommt super rüber und das Holz gibt würzige Vanillenoten. Er hat einen kräftigen Geschmack und könnte für meinen Geschmack etwas mehr Frische bzw. Säure vertragen. Sicher kann der Blanc 3-4 Jahre reifen, muss es aber nicht. Eine tolle Überraschung für unter 10 €, die ich auch gerne zu Hause trinken würde.

Dieser Stoff ist kein Swimmingpoolwein. Wenn man gerade nichts anderes zu Hand hat, dann geht er aber auch…

In diesem Sinne wünsche ich Euch einen schönen Sommer.

In taste we trust,

Euer Hendrik

Dieser Beitrag wurde unter Rotwein, Weißwein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

23 Antworten zu 122. Folge – Swimmingpoolweine?

  1. Sven schreibt:

    Geniale Location mit Weitblick – wow! Das ist Urlaubsfeeling pur und hat sommerlichen „Caractere“; da machen auch Supermarkt-Vinos Spaß.
    Sympathisch ist auch, dass die Kleine zwischendurch eine kleine Erfrischung erhält „platsch“.
    Hendrik, warum lassen sich deine Videos nicht mehr embedden?
    Grüße nach Süd-West-Frankreich!

    • hendrikthoma schreibt:

      Hallo Sven, ich habe mich entschieden die Videos auf dem Youtube Player zu laden. Denn das ist ein zusätzlicher Social Media Kanal und somit erhöht sich die Reichweite der Videos. Allerdings kann man die Videos auch von Youtube embedden. Oder verstehe ich die Frage nicht richtig? Viele Grüße, Hendrik

  2. Praterralle schreibt:

    Hallo hendrik,
    jetzt machst Du auch schon Schwenkieschwenks in die Gegend und die machen sogar a bisserl neidisch. Den Moulin de Graves habe ich vor ein paar Jahren probiert und hatte den Eindruck: wine to keep the engine running. Der Brulléscaille klingt schon sehr interessant. Wird eigentlich Sauvignon Gris auch in Deutschland angebaut? Könnte man nicht mal Riesling mit Sauvignon Blanc als Cuvée rausbringen?

    • hendrikthoma schreibt:

      Moin Praterralle, so weit ich weiß gibt es keinen oder kaum Sauvignon Gris in D. Die Sorte hat weniger Aromatik, aber eine kernige Säure. Mit Riesling? Das sollten die Winzer entscheiden, aber so richtig vorstellen kann ich es mir nicht. Salut, Hendrik

      • Kerstin Uhlenbusch schreibt:

        Salut Hendrik, ich habe mal einen Sauvignon Gris vom Weingut Knipser getrunken. Er war im Barrique ausgebaut und hat mir echt gut gefallen. Bonnes vacances et a bientot!

      • hendrikthoma schreibt:

        Oha, und wieder was gelernt. Vielen Dank liebe Kerstin.

  3. Messias schreibt:

    Coole Location, da wird man wirklich ein bisschen neidisch. Schönen Urlaub noch …🙂

  4. Freddy schreibt:

    Coole Folge!
    Bin nächste Woche ganz in der Nähe und werde mich auf den Weg in den Supermarkt machen. Enjoy.
    Freddy

  5. Axel Finger schreibt:

    Wow, coole Folge. Macht wirklich neidisch auf Urlaub.
    Gerne mehr über weiße Bordeaux-Weine!
    Viel Spaß noch.

  6. Werner schreibt:

    Schöner Platz, fast so schön wie bei mir gerade hier im Schweden-Urlaub Hendrik😉. Nur die Weinversorgung dürfte bei dir besser und günstiger sein…. Gruß an alle Urlauber – und an die arbeitende Bevölkerung: macht euch nach dem Job eine gute Flasche auf als „Urlaubsersatz“.

  7. Rainer schreibt:

    Swimmingpool? Ist das nicht ein Cocktail? Und wie hat Eben Sadie das wirklich gemeint als er Wert darauf legte keinen Wein für den Pool zu machen? Ich bekomme einfach das Bild hier nicht mehr aus dem Kopf: [http://imgl.krone.at/Bilder/2008/11/20/So_feiern_die_Japaner_den_neuen_Beaujolais-Wein-Schraege_Pool-Party-Story-122739_476x300px_1_ZSb6Rd0gxEujg.jpg] Da musste der Beaujolais Primeur als Badezusatz ran.😉

    Die erste WaL-Poolwein-Verkostung hatte für mich was rebellisches, Rock’n Roll, Erinnerung an Dustin Hoffmanns Poolgeplansche in „Reifeprüfung“ – dieses Mal ist es business as usual, genießt mit 50er Jahre Hut entspannt die „quality time“ des Lebens. Mann, Mann, Mann – ganz so schlimm wird’s hoffentlich nicht sein, freue mich schon auf die zweite Folge aus der
    Bordeaux-Gegend. Gerne auch wieder mit Landschaftsbildern.

    Zum Frühstück hab ich mal eine Banane mit grünen Enden probiert und nur eine halbe runter gekriegt, schmeckt mir nicht, da kommen nur ein unangenehmes Mundgefühl, schaler Geschmack, etwas Bitteres und ein Hauch feine Säure für mich rüber. Aber der Vergleich mit dem BdX-Blend als Bananenware ist genial, der Käufer darf selbst entscheiden ob er in eine unreife BdX-Banane beißt oder auf mehr Süße und Cremigkeit wartet.🙂

    • hendrikthoma schreibt:

      Lieber Rainer, Eben hat das so gemeint: „Weine die man am Swimmingpool trinkt sind bedeutungslos, weil es den Trinkern dieser mehr um Ambiente als um den Wein als solches geht.“ Hoffe, die Botschaft ist angekommen. Viele Grüße, Hendrik

      • Rainer schreibt:

        Hallo, Hendrik – ja, verstehe, Eben ärgert sich über Leute die sich zu wenig Gedanken über wirklichen Genuss machen. Oder wie es auf vielen Tippseiten im Web heißt:
        Alkohol und Schwimmen schließen sich gegenseitig aus. Alkohol stört die Koordinationsfähigkeiten, etwa zwischen Armarbeit, Beinarbeit und Atmung. Darauf kommt es beim schwimmen besonders an.
        Kandidaten für den Darwin-Award. [http://de.wikipedia.org/wiki/Darwin_Award]

    • Peer G. schreibt:

      Hallo Rainer,
      das unangenehme leicht bittere Mundgefühl von unterreifen Bananen kommt von der pflanzlichen Stärke, die sich noch nicht in Zucker gewandelt hat. Trotzdem gibt es viele Konsumenten, die solches Reifestadium bevorzugen.

      Zum eigentlichen Thema:
      Weintrinken in Pools, Badewannen und sonstigen Gewässern lehne ich ab. Wein erfordert alle Sinne, Konzentration, Muße und volle Hinwendung, möchte man ihn in allen Facetten wahrnehmen, genießen und verstehen. Wasser bedeutet in diesem Zusammenhang nur Eines: Ablenkung.

      • Rainer schreibt:

        Hallo, Peer, mag auch eine Frage der Prägung durch vorhandenes Warenangebot sein. Der Witz von der “Bananenware“ = reift beim Kunden, beruht ja gerade darauf, das oftmals quietschgrüne Bananen in den Ladenregalen liegen und der Käufer grün mit frisch gleichsetzt, so genannte Tigerbananen (mit braunen Flecken) sehen nicht gut aus, der Geschmack ist zwar süß aber das Fruchtfleisch kann auch schnell matschig werden oder sich mehlig im Mund anfühlen. Hauptsache frisch, dann bleibt einem die Aufmerksamkeit was den optimalen Reifegrad angeht erspart. Die Bananen die für den Export gezüchtet werden sind auf die Transportbedingungen hin optimiert, andere Bananensorten sind weniger verbreitet, der Käufer nimmt andere Sorten – da ungewohnt – auch eher zögerlich an.

        Tannine im Wein haben die Funktion den Wein zu konservieren, Luftsauerstoff wird durch die Tannine gebunden und somit die Oxidation des Weins verzögert. Im Laufe der Lagerung verbinden sich die roten Farbstoffe mit den Tanninen und mildern die
        Adstringenz [http://de.wikipedia.org/wiki/Adstringenz] Insofern mit den Bananen zu vergleichen, bittere Frische gegen vollreife Milde.

        Ich hatte noch nie den Wunsch ein Getränk zu mir zu nehmen wenn mir buchstäblich das Badewasser bis zum Hals steht – meistens brennen im Schwimmbad ohnehin die Augen und in die Nase fährt der allbekannte Chlorduft – wohl bekomms!😉

  8. jo schreibt:

    Nice one! Und ich habe gleich Lust bekommen: ab in den Garten und Wein auf. Wetter passt ja (hier gerade 27 Grad. TOP!). Entspannten Urlaub!

  9. Sascha schreibt:

    … ich mach mal mit einem SB auf der heimischen Terrasse mit – passt auch.😉 Schönen Urlaub noch!

  10. Rainer schreibt:

    Verkostung in Bordeaux
    [http://www.faz.net/aktuell/reise/nah/verkostung-in-bordeaux-noch-mal-wein-gehabt-11933000.html]
    Ich will nicht hoffen, dass sich das alles wirklich so zugetragen hat, aber lustig zu lesen ist es allemal.😀

    • Tom B. schreibt:

      Sehr schöner Link!

      Hendrik könnte doch mal aus dem Nähkästchen plaudern – ich bin mir irgendwie sicher, dass es da sehr „spezielle“ Zusammentreffen gibt…😉

      • Rainer schreibt:

        Apropos „spezielle Treffen“ – dieses YouTube-Video, ich nannte den Link bereits an anderer Stelle, zeigt wie zwischen Hersteller und Händler um die Preisfindung gerungen wird – und das ist nur der Teil bei dem die Kamera mitlaufen durfte.😉 [http://www.youtube.com/watch?v=96Kb7jdhC7M]

      • hendrikthoma schreibt:

        Lieber Tom, von solchen Treffen ist mir nichts bekannt. Ich glaube, dass ist eher der Fall bei Discount und LEH. Aber überall, wo es um das dicke Geschäft geht wird hart gekämpft. Viel Spaß bei der investigativen Suche, Hendrik

  11. Alex Barbera schreibt:

    Coole Location – Enjoy & party on!

  12. Peer G. schreibt:

    @ Hendrik:
    Dass ich ab dieser Folge die Videos nur noch auf Youtube sehen kann (zumindest auf iPhone) hat mich eine ganze Weile gebraucht, bis ich das rausgefunden habe. Ein kleiner Hinweis in deinen Vortexten wäre nützlich gewesen.

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