134. Folge – Mike Aylward: „The Gamechanger“

Wein Soul-Faktor Euronen
2011 Chardonnay „The Verve“
Ocean Eight Vineyard, Mornington Peninsula
30-40
2012 Pinot Noir
Ocean Eight Vineyard, Mornington Peninsula
30-40
Hier kann man die Weine bekommen:
Calistoga http://www.calistoga.eu oder sendet bitte eine kurze E-Mail an info@calistoga.eu

Liebe Walinauten,

die erste Folge meiner Australienreise führt mich eine Region, die zu den spannendsten und kleinsten Regionen in „Oz“ gehört. Niemand, außer einigen Kennern und Freaks, hat auf dem Zettel, was auf der Mornington Peninsula, der Halbinsel südlich der Metropole Melbourne, in den letzten Jahren passiert ist. Die ersten Weinstöcke wurden Mitte der 80er Jahre gepflanzt. Heute wachsen hier und im benachbarten Geelong einige der elegantesten Chardonnays und Pinots der südlichen Hemisphäre.

Dass sie niemand kennt, liegt vor allem an den durstigen Kehlen der Stadt Melbourne, die mittlerweile kulinarisch vor Sydney rangiert. Nur wenige Weine schaffen es deswegen außer Landes. In Melbourne mischen sich europäische und asiatische Einflüsse, ohne sich gegenseitig zu behindern, oder wie leider so häufig, stümperhaft interpretiert zu werden. Im Gegenteil, die Stadt ist ein Schmelztiegel der Pacific Rim-Küche vom allerfeinsten.

Vor allem die duftigen, feinen Pinots machen zu der aromenreichen Küche eine sehr gute Figur. Im Großen und Ganzen orientiert man sich im Weinbau stärker an Europa, was am kühleren ozeanisch geprägten Klima liegt.

Mike Aylward stammt aus einer der Pionierfamilien der Halbinsel. Seine Eltern gründeten das mittlerweile legendäre Kooyong Estate. Diese findet man in London von NYC bis Tokio auf den besten Weinkarten der Welt.

Seit 2006 ist er in eigener Sache mit seinem kleinen Weingut Ocean Eight unterwegs und seine Philosophie ist mir sehr sympathisch. Mike betreibt so wenig Intervention wie möglich und keltert klare präzise, trockene Weine ohne Firlefanz ab. Diese werden getragen von einer lebendigen frischen Säure.

Er verwendet in erster Linie große und fast nur gebrauchte 500L Fässer. Die Weine werden gering geschwefelt, nicht filtriert und geschönt. Dass sie nur 12-13 Volt haben, sei am Rande erwähnt.

Der 2011er Chardonnay ist absolut genial: das ist kein mainstreamiger Allerweltschardonnay, sondern ein facettenreicher Weißwein, der an große Burgunder denken lässt.

Der Unterschied ist der etwas fruchtigere, intensive „Punch“ der südlichen Hemisphäre und die unfassbare rassige Säure. Das ist keine Kopie, sondern ein eigenständiges Original. Dieser Stoff braucht Temperatur (10-14 ° Celsius) und viel Sauerstoff. Am besten indem man ihn mindesten 1 Stunde vorher in die Karaffe umfüllt. Ich denke, er wird sich über mindestens 10 Jahre wunderbar weiterentwickeln, wahrscheinlich sogar noch länger. Für mich einer der spannendsten Weißweine Australiens, der beweist, dass in „Down Under“ das Pendel mittlerweile immer mehr in Richtung Eleganz und Finesse schlägt. Zumindest dort wo es sinnvoll und auch machbar ist.

Der 2012er Pinot Noir hat die wunderbare leichtfüßige Eleganz, die eigentlich sehr guten Burgundern vorbehalten ist. Doch der Unterschied ist vor allem in einer feinen, ätherischen Duftigkeit zu finden. Er hat eine fleischige, schmackhafte Note, die an Sojasauce denken lässt. Dazu finden sich Aromen von geröstetem Thymian und Kräutern. Das rotfruchtige Duftspektrum lässt an Johannisbeere, Sauerkirsch und Himbeere denken. Am Gaumen ist er seidenkissenweich, ganz „Pinotlike“. Großes Weinkino und Mike beweist, dass er ein gutes Händchen und den richtigen Riecher für das große Weinkino hat.

Die Liste seiner Auszeichnungen ist gemessen an der kurzen Geschichte von „Ocean Eight“ schon ziemlich lang. Am interessantesten finde ich die Einschätzung des berühmten australischen „James Halliday Wine Companion“. ER wertet Ocean Eight als „10 Dark horses to watch“!

Dunkle Pferde hin oder her. Dieser junge, talentierte Mann ist ein „Gamechanger“ und kein Spielverderber in Sachen guter Wein. I’ll bet you!!

Cheers,

Euer Hendrik und das WaL Team.

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20 Antworten zu 134. Folge – Mike Aylward: „The Gamechanger“

  1. Rainer schreibt:

    Preislich liegen wir beim Ocean Eight knapp unter den Chardonnays die bei Captain Cork gerne gebetsmühlenartig zitiert werden:

    Etienne Sauzet, Jean-Marc Boillot, Mikulski, Domain Leflaive, Carillon, Drouhin, …

    Chardonnay von Leflaive oder von Mikulski, die beiden Namen habe ich mir vorgemerkt und werde bald den gestern bestellten Mikulski im Glas haben.

    Tu mich schwer mit Chardonnay, aber es muss ja was dran sein, oder? 😉

    • Consigliere schreibt:

      Die Top-Chardonnays, egal wo sie her kommen, zählen sicherlich zu den besten Weissweinen die es auf Mutter Erde zu trinken gibt.

    • Praterralle schreibt:

      Servus Rainer,
      mir haben die von Drouhin und Leflaive gut geschmeckt. Aber das mit Chardonnay stimmt schon. In den 80ern hat man sich einfach mit den CH aus Übersee übersoffen und es ist bestimmt eine der Rebsorten, mit der am meisten manipuliert wird.

      • Rainer schreibt:

        Hi, Praterralle, „Meine Lebensgefährtin“ – sagte der am Haus werkelnde Maurermeister gestern zu mir – „hat mich gerade angerufen. Das Auto springt nicht an. Haben Sie ein Fremdstartkabel?“

        Irgendetwas „starten“ kann Chardonnay in der öffentlichen Wahrnehmung nicht. Es ist ein weitgehend ignoriertes Null-Getränk,
        nützlich und eher lästiges Werkzeug zur Pflichterfüllung beim Teilen von Freud und Leid. Sozialer Schmierstoff bis zum hoffentlich bald eintretenden Filmriss. 😉
        [http://www.youtube.com/watch?v=y2jFd8b-V94]

        Chardonnay ist ein Tischgetränk dem selbst in grotesk, satirischer Aufbereitung KEINE Beachtung geschenkt wird. Da scheint selbst tot gebratene Kuh (die auf dem Teller!) und matschige Kartoffel (eben da) es eher Wert zu sein Gegenstand des vorgetragenen Küchenlobs zu werden. 😀

  2. Praterralle schreibt:

    Hallo Hendrik,
    find ich gut, dass man hier das ganze Sortiment von Calistoga vorgestellt bekommt. Das erspart Überraschungen. Neuer Chickenshit aus Down Under für 30-40 Euronen, lovely and interesting. Wieso eigentlich immer die Vergleiche mit Burgund? Grade Pinot Noir und Chardonnay sind ja zwei sehr sensible Rebsorten, welche das Terroir repräsentieren. Ich finde es auch immer wieder erstaunlich, dass Regionen in angelsächsischen Ländern nach zwanzig Jahren Anbauerfahrung das burgundische Niveau erreichen sollen. Habe übrigens vor einigen Wochen noch einmal den Versuch mit Hamilton Russel Pinot Noir unternommen. Flasche für 45 Euronen und kein Vergleich mit Bourgogne. Vielleicht haben Tradition und Erfahrung doch eine gewisse Bedeutung? Ein schöner Nuits-St. Georges für 36 Euronen hat mir das danach bewiesen. Übrigens kann man Australian Football und Fußball nicht miteinander vergleichen. Das wäre so wie Wirtshausprügelei mit einer Oper.

    • Hendrik Thoma schreibt:

      Moin Praterralle, ich denke der Vergleich mit Burgund trifft es nur bedingt. Gebe Dir recht. Doch die Stilistik die Frankreich (wenn gut) in Sachen Finesse und Feinheit vorgibt, ist und bleibt der Schrittmacher. Trotzdem bleiben die Weine der südlichen Hemisphäre in Bezug auf Frucht oder „southern Hemisphere Punch“ anders. Ich finde die Entwicklung in Oz sehr spannend die zeigt, daß die Winzer in den letzten Jahren viel gelernt haben. Leider ist das in D noch nicht durchgedrungen. Cheers in diesem Sinn, Hendrik

  3. Messias schreibt:

    Auch auf die Gefahr hin, dass ich jetzt Gemecker hervorrufe, aber für 30-40 Eur gehe ich ins Burgund, wenn ich Chardonnay trinken will. Wir sind uns doch sicher auch einig darüber, dass solche Flaschenpreise, ungeachtet dessen ob sie gerechtfertigt sind oder nicht, nicht den Durchschnittskonsumenten ansprechen. Sondern positiv Verrückte, die sich das auch leisten wollen. Den überwiegenden Anteil der von Rainer genannten Erzeuger habe ich auch schon getrunken und bleibe denen auch treu, wenn einmal der besondere Moment ansteht.
    Beim Pinot lasse ich mich hingegen gern auch mal aus DownUnder überraschen.

  4. Lindbergh schreibt:

    Lieber Hendrik,
    vorneweg ein Lob: ich freue mich auf jede neue Folge von Wein am Limit, denn dieser Blog ist nicht nur unterhaltsam, ich lerne auch eine ganze Menge.

    Und nun zu meiner Kritik, bzw. meiner Frage: Ich habe den Eindruck, dass Du in der letzten Zeit ungewöhnlich viele Weine mit sehr hohen Wertungen bedenkst, z.B. Gut Oggau, Pichler-Krutzler und nun Ocean Eight. Das sind gleichzeitig Weine, die man bei Euch bestellen kann – wie in Folge 125. bestens an den Kartons im Hintergrund zu sehen ist.

    Deshalb fände ich es notwendig und fair, dass Du offen damit umgehst und erklärst, wie die Verbindung zwischen WaL, Calistoga und den Winzern zustande kommt.

    Bleib‘ sauber
    Lindbergh

    • Rainer schreibt:

      Kannst Du auf [http://www.calistoga.eu/#philosophie-section] selbst nachlesen. Guck mal wer den Text auf der genannten Webseite mit vollem Namen unterschrieben hat. 🙂

      • Lindbergh schreibt:

        Hallo Rainer,
        den Text kenne ich, finde aber nicht, dass das meine Frage ausreichend beantwortet…

        Grüße
        Lindbergh

      • Rainer schreibt:

        Weniger den Text als die Unterschrift „Beverly-Ann und Hendrik Thoma“ meinte ich. Das Ehepaar ist im Geschäft mit Wein tätig. Die Ehefrau ist Inhaberin des Weinhandels, der Ehemann empfiehlt den Wein seiner Frau und bietet ihn unter anderem auch hier in Weinpaketen an. Für mich ist dieser Zusammenhang selbsterklärend.

      • Lindbergh schreibt:

        Hallo Rainer,
        das ist mir alles klar und auch in keiner Weise verwerflich – nur wird es auf WaL nie thematisiert. Ich habe die Seite immer als unabhängig verstanden (auch wenn ab und an die Live-Stream-Pakete verkauft werden). Allerdings: sobald hinter einer großen Zahl der besprochenen Weine auch ein Verkaufsinteresse steht, dann ist diese Unabhängigkeit für mich zumindest fraglich.

        Deshalb interessiert mich, wie Hendrik bei der Auswahl der Weine vorgeht.

        Grüße
        Lindbergh

      • Rainer schreibt:

        Ich könnte schwören, dass er das unmittelbar vor und nach dem ersten Weinpaket sowohl in Antworten auf Kommentare als auch in den entsprechenden Folgen getan hat. Frei aus dem Gedächtnis zitiert „Wenn ich schon eine Live-Verkostung anbiete, dann möchte ich auch, dass der Verkauf der Weine dafür bei mir bleibt.“

        Noch deutlicher zeigt aber erstens die WaL-Liste der bisher besprochenen Weine [http://weinamlimit.de/weine/] und zweitens seine Facebookseite [https://www.facebook.com/HendrikThoma], dass Calistoga-Weine nur sehr selten Erwähnung finden oder überhaupt eine Rolle spielen.

  5. hendrikthoma schreibt:

    Moin die Herren,

    Wein am Limit ist kein journalistisches Format, wie das ja einige Blogger halbherzig versuchen oder von sich behaupten. Diese Pseudo Unabhängigkeit ist, genau wie in weiten Teilen des Journalismus, lachhaft. Überall gibt es Abhängigkeiten oder zumindest Verbindungen.

    Die Beziehung von Wein am Limit und Calistoga ist bereits auch in irgendeiner alten Folge ausreichend besprochen worden. WaL ist eine Videoshow, die eine Meinung hat. Für mich zählt Leidenschaft und Qualität. Das in der letzten Zeit viele Weine von Calistoga dabei waren, lag an den Reiserouten. Das die gut besprochen werden liegt daran, dass ich überzeugt von diesen Weinen bin. Aber Gegenfrage: Welcher Weinhändler spricht offen und gut über die Weine die er gar nicht verkauft? Das passiert hier, weil ich gute Weine liebe.

    Ich hoffe, daß bringt etwas Licht ins Dunkel.

    Viele Grüße,

    Hendrik

    • Rainer schreibt:

      Leidenschaft im Weingeschäft – so geht das auf Hamburger Art, nicht viel rumgeschnackt:
      [http://www.youtube.com/watch?v=89_Gce3ATsg]
      Sag was wahr ist, trink was klar ist – und ich glaube die Beiden meinen das auch so, in vino veritas! 😉

    • Lindbergh schreibt:

      Hallo Hendrik,

      das Dunkel hat sich für mich zufriedenstellend erhellt, danke. Die Folge von der Du sprichst, kenne ich leider nicht – ich bin erst seit der Folge mit Nachbar Ralf dabei…

      Servus aus München
      Lindbergh

      • Rainer schreibt:

        http://weinamlimit.de/2012/10/11/58-sendung-die-vorankundigung-des-1-weinpakets/
        „Ich habe mich ganz bewusst für drei Weine aus dem Sortiment des Weinhandels Calistoga meiner Frau entschieden. Viele unter Euch haben sich immer gewundert, wo Wein am Limit aufgezeichnet wird und welche Weine da im Hintergrund zu sehen sind. Nun ist es raus.
        Da ich diese Aktion gerne bei mir behalten möchte, wollte ich auch keinen anderen Händler einbinden. Abgesehen davon sind mir Winzer und Produkte bestens vertraut. Ich möchte weiterhin mit offenem Visier mit euch kommunizieren.“

      • Lindbergh schreibt:

        Danke, Rainer. Nun bin ich restlos aufgeklärt, zufrieden und bestelle gerne bei Calistoga das Paket für den nächsten Stream.

        Grüße
        Lindbergh

      • Rainer schreibt:

        Oben rechts unter „Suchen“ findest Du bestimmt noch mehr Antworten auf Deine Fragen. Um etwas zu lesen musst du nichts bestellen oder bezahlen, wir sind hier nicht bei BILD-Plus. 😉

  6. Pingback: „Master Somm“ Christian Bock – 149. Folge | Wein am Limit

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