142. Folge – „Fünf gegen Hendrik“, 4. Teil

Wein Soul-Faktor Euronen
2008 Winds Island White
Nico Lazaridis, Mykonos
10-20
2011 Chianti Rufina
Selvapiana, Toskana
10-20

Liebe Walinauten,

eine weitere Folge aus dem Quintett „Fünf gegen Hendrik“. Vor einiger Zeit habe ich Felipe Costa aus dem Pool der Bewerber gezogen. Er ist Sommelier-Student an der Industrie und Handelskammer und arbeitet bei einem Weinimport in Kassel.

Felipe hat mir zwei Weine mitgebracht, die ich erraten soll. Es geht hier nicht so sehr darum, die Augenfarbe des Winzers herauszuschmecken, oder eine Zurschaustellung, sondern vielmehr um eine generelle Einschätzung der Qualität.

Die so genannte Blindprobe ist wahrscheinlich die ehrlichste, wenn es um die objektive Beurteilung eines Weines geht. Ich habe es häufig erlebt, wie selbst erfahrene Verkoster vor der Macht der Etiketten eingeknickt sind und einige sogar nach der Verkündung Ihr Urteil revidiert haben.

Der Wein von Nico Lazaridis stammt von der windigen Ägäis-Insel Mykonos und ist ein reinsortiger Assyrtiko, der wahrscheinlich besten Weißweintraube Griechenlands. Ein reifer, duftiger Wein mit einer leicht ölig-cremigen Konsistenz. Er ist ungewöhnlich, aber auch interessant in der Nase, nach Kräutern und Quitten duftend. Ich habe keine Erfahrung mit Weinen von Mykonos, fand ihn aber authentisch und animierend.

Der schöne, saftige Chianti Rufina stammt aus dem höchstgelegendsten Teil der zentralen Toskana. Kein aufregender, aber ein sehr gelungener Alltagswein, der super zur italienischen Küche passt. In der Nase findet sich viel Sauerkirsche, und auf der Zunge hinterlässt er eine saftige Frische. Ein typischer Vertreter, der seine Herkunft nicht leugnet.

Beide Weine sind für mich zwischen 3-4 Soulpunkten anzusiedeln, mit einer kleinen Präferenz für den Chianti. Ich denke ernsthaft darüber nach, eventuell doch mit halben Punkten bei „Wein am Limit“ zu arbeiten. So kommt mehr Komplexität ins Spiel.

Viele Grüße,
Euer Hendrik

Über hendrikthoma

Master Sommelier, Impresario und Gastgeber bei Deutschlands Video Blog + Shop "Wein am Limit"
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24 Antworten zu 142. Folge – „Fünf gegen Hendrik“, 4. Teil

  1. Markus Bommer schreibt:

    Lieber Hendrik, dass mit dem halben Punkt find ich sehr hilfreich und konstruktiv…..gerade bei „nur“ 6 zu vergebenden Punkten. Da ist ein halbe Punkt doch knapp 8% besser oder schlechter….nicht wenig. Oder anderst gesagt: bei einer 100 Punkt Bewertung gleich 8 Punkte. Ob da ein Wein bei 86 oder 94 Punkte ist…..großer Unterschied.

  2. Joachim schreibt:

    Ich finde die Einführung von halben Punkten auch durchaus sinnvoll, weil sie eine etwas differenziertere Bewertung erlaubt. Finde selbst das Oberstufen-Schulnotensystem von 0 bis 15 Punkten am besten, aber da gibt es natürlich die unterschiedlichsten Meinungen.
    Die Blindverkostungssendungen mag ich richtig gerne – einfach spannend und lehrreich, wie Du Dich einem Wein annäherst und versuchst, ihm auf die Spur zu kommen. Sympathischer Gast, ein außergewöhnlicher Wein – habe wie wohl die meisten im Bereich griechischer Wein nur Erfahrungen mit grauenvollen Retsinas. Leider hatte ich teilweise Probleme, Euch zu verstehen, weil der Ton mitunter sehr leise war. Aber sonst: Daumen hoch!

  3. Werner schreibt:

    Sorry, aber das war das erste WAL-Video seit langer Zeit das ich nicht komplett angesehen habe – der Ton ist kaum zu verstehen, ich musste nach 5 Minuten abbrechen.

    Die halben Punkte finde ich auch sinnvoll, das wäre bei 6-Punkte-System auf jeden Fall hilfreich.

  4. Werner schreibt:

    und ich sehe gerade, dass bei WAL noch Sommerzeit ist 😉 – bei mir ist es 14:22

  5. Pierre schreibt:

    Hallo Hendrik
    Ja der Ton war / ist echt mies. Folge war aber, wie fast immer toll! Halbe Punkte, kann man machen, da stimme ich zu. Nur nicht zu kompliziert machen, vielleicht auch schon im Video etwas mehr auf die Soulpunkte eingehen. Es bleibt mit Ausnahme der Live-Verkostung auch erstmal „nur“ Deine Bewertung…..

  6. Lindbergh schreibt:

    Tolle Folge, leider nur schwer verständlich. Eine Frage zum ersten Wein: Ich dachte immer, dass große Viskosität immer einen hohen Alkoholgehalt bedeutet. Das traf bei dem Griechen ja nun nicht zu. Was für andere Gründe kann das ölige Fließverhalten denn noch haben?
    Grüße
    Lindbergh

    • Filipe Costa schreibt:

      hohe Viskosität hat nicht zwangsläufig mit einem hohen Alkoholgehlat zu tun, wichtiger ist die Art des Alkohols, soll heißen je mehr Glycerin (3-wertiger Alkohol) gebildet wurde, desto höher die Viskosität. Und das kann unter den richtigen Bedingungen auch bei nicht ganz so hohen Alkoholgehalt der Fall sein.

  7. Stefan schreibt:

    Eigentlich interessant, wenn die Tonqualität nicht so miserabel wäre

  8. André schreibt:

    Ja der Ton, ist wohl das Thema bei dieser Folge… Leider 😦 Hab dann auch abgebrochen…

  9. hendrikthoma schreibt:

    Moin in die Runde, auf meinem Rechner funktioniert es relativ gut. Ich hatte aber eine ausgelaufene Batterie im Micro. Tut mir sehr leid. Liebe Grüße, Hendrik

  10. enjoy schreibt:

    musste ein bisschen mit dem Kopfhörer herumfummeln, dann ging´s.
    Nette folge. Hab´s ja schon öfter gesagt – diese Blindverkostungen gefallen mir.
    bitte Keine 3min sexyclips !!!! 😉

  11. Jean Marcel schreibt:

    Hallo Zusammen!
    Ich halte nichts von halben Punkten. Nach halben kommen Viertelpunkte, Achtel und am Ende ist man bei zwanzig usw. Am wichtigsten ist eh der eigene Geschmack. Ich habe die Soulpunkte bislang so verstanden, dass sie eine Tendenz angeben, eine Einschätzung aus der Sicht einer Person. Die sechs Punkte reichen vollkommen aus.

    Die aktuelle Folge fand ich schwach, liegt aber sicher auch am Gast.
    Der Ton: Sh… happens. Muss man nicht thematisieren.

    In meinen Augen ist das Besondere an diesem Format die Leidenschaft für das Thema Wein,
    die den Zuschauer packen und ihn dazu bewegen kann, umzudenken, dieses oft so elitäre Geschwafel abzulegen und sich den Spaß am Wein trinken zurück zu erobern!

    Eine Blindprobe ist immer spannend und natürlich ist es toll, einen erfahrenen Trinker/ Verkoster dabei zu beobachten, wie er sich herantastet und ihn zu fordern.
    Ein Lehrsück wird allerdings nur daraus (wie Herr Thoma es selbst im Video anspricht),
    wenn die zu verkostenden Weine klarer in ihrer Herkunft (Rebsorte, Anbaugebiet) sind.
    Mein Vorschlag: Eine Blindprobe, 2/ 3 Weine aus (welt)bekannten Rebsorten.
    Klassische Anbaugebiete und dann kann der Fachmann straight durchziehen.

    Wein am LIMIT, nicht bla bla ohne Ende!

  12. Patrick schreibt:

    Ich fand die Folge gut! Das mit dem Ton ist schade, aber sonst ist die Produktionsqualität ja sehr gut… also wirklich shit happens.

    Gast fand ich auch gut. Die Blindproben sind ne gute Idee aber ja, die Exoten machens schwierig.

    Das nicht jede Folge ein Feuerwerk sein kann ist klar. Trotzdem gute 20 Minuten Unterhaltung mit Wein. Bitte immer weiter machen!

  13. Messias schreibt:

    Ich brauche auch keine halben Punkte. Ein Wein ist x-Punkte im persönlichen Geschmack wert und gut. Beide Weine klingen interessant, da sie offensichtlich nicht Mainframe sind. Der Ton hat leider einen besseren Showauftritt erschwert. Ich denke, dass der nächste Stream wird in 5.1 produziert – WaL Surround 🙂

  14. Peer G. schreibt:

    Natürlich muss ein Wein Spass machen. Nur wie eben muss er beschaffen sein, um genau dieses zu tun? Das ist doch die zemtrale Frage in diesem Kontext. Und meiner Meinung nach Aufgabe dieser Sendung. Weinbeschreibungen und eine tiefgründige Charakterisierung der vorgestellten Weine kommen mir in jeder Sendung ohnehin viel zu kurz. Ich kann mir vorstellen, das du als MS das viel besser kannst, Hendrik! Vielleicht liegt es aber auch daran, dass die Aufgabe des Sommeliers mehr darin liegt, die Weine korrekt an den Mann/Frau zu bringen, als sie mit profunden Kenntnissen der Herstellung und dem damit einhergehenden Ergebnis zu analysieren und diese zu beschreiben. Wenn dem so ist, werden wir weiterhin nur an der Oberfläche des Wichtigen kratzen…

    • hendrikthoma schreibt:

      Hi Praterralle, danke für diesen Kommentar. Ich nehme das an. Es stimmt, es muß wieder mehr Zeit für den Wein sein. Allerdings mehr über das, was ich empfinde. Cheers, Hendrik

  15. Praterralle schreibt:

    Habe dieses Jahr in der Toskana eine ganze Reihe von Supermarktchiantis probiert für einen Gastbeitrag bei WV. Unter anderem auch diesen. In Italien hat er den unglaublichen Preis von 8,50 EUR gehabt und hat sehr viele bekannte Chiantis geschlagen. Finde ihn auch wesentlich vielschichtiger als die erwähnte Kirschnote ( z.B. Hauch von Veilchen und Pfeffer) und ich glaube er wird mittlerweile auch biologisch erzeugt. Also für den teutonischen Toskanaurlauber ein Schnäppchen und Allrounder zum Essen. Würde ich schon vier Punkte geben. Ist vor Jahren auch mal auf winelibrary empfohlen worden. Übrigens ist Supermarktchianti absolut nicht abwertend gemeint. Dort findet man Weine zu vernünftigen Preisen, welche bei uns in edlen Vinotheken stehen. Gesegnetes Italien, trotz Finanzkrise.

    • Peer G. schreibt:

      Bisher nur den 2010er Selvapiana getrunken. Bin völlig enttäuscht von dieser Mainstream-Plörre. Eindimensionale Frucht gepaart mit Zuckerschwänzchen….zum Abgewöhnen das Zeugs…
      Kann mir nicht vorstellen, dass der 2011er anders daher kommt…

      • Praterralle schreibt:

        Im Gegenteil. Der 10er war nicht schlecht. Von Plörre weit entfernt. Vielleicht bist Du einfach kein Chiantitrinker. Muß man mit leben.

  16. Kersten Mügge schreibt:

    Zu den halben Punkten: von den zur Verfügung stehenden sechs hast Du bislang nur vier (3-6) genutzt. Ich wundere mich bei mancher gastronomischer Skala im Restaurantbereich immer, dass einerseits über mangelnde Differenzierung geklagt wird, andererseits das komplette Notenspektrum nicht genutzt wird. In deinem Fall: was jetzt drei Punkte sind, wäre dann einer, sollte es mal einen schwächeren Wein geben, hätte er halt 0 Punkte. So würde ich es machen, aber, jetzt gibt es die bestehenden Kategorien, da sollte man nicht mehr wechseln. Du übersetzt sie mit Alltagswein (3) bis Ausnahmewein (6). So lange Du die Punkte in solche Kategorien übersetzt, macht es eigentlich keinen Sinn halbe Punkt zu geben. Was sollen 3,5 sein? Zu gut für den Alltag, schwach für den Sonntag?

    • hendrikthoma schreibt:

      Moin Kersten, vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich gebe Dir recht. Die Klaviatur der Punkte müßte stärker bedient werden, allein des Spektrums wegen. Allerdings provokantes Bashing ist nicht so meins. Mittlerweile habe ich auch so viele interessante Themen im Vorlauf, daß es gar nicht nötig ist in die Niederungen der Weinwelt zu steigen. Mir fehlt dazu auch die wertvolle Zeit, oder ich will sie nicht opfern. Allerdings sollte ich mal wieder in diese hinabsteigen. Kommt bald! Versprochen! Halbe Punkte ist wirklich nicht einfach. Nicht so richtig Fisch und auch nicht Fleisch. Das einzige: so mancher Wein hätte eben mehr verdient. Ich lasse das auf mich zukommen und berate mich bald mit meinem Team. Sehr guter Input. Ich denke darüber nach. Liebe Grüße, Hendrik

      • Kersten Mügge schreibt:

        Aber wenn drei Soul-Punkt ein guter Alltagswein sind, was wären dann zwei oder ein Soul-Punkt? Das müsste ja dann sowas sein, wie „nur bei Notstand trinkbar“ (kein Wunder, dass Du die Wertungen bislang nicht vergeben hast). Wenn nun ein Wein zwei Soul-Punkt bekäme, wäre das für mich genauso viel Bashing, wenn man sagen würde, der Wein ist okay. (fehlerfrei), hat null Soul und bekommt daher keine Soulpunkte, weil es nicht mal im Ansatz was Besonderes ist. Am Ende ist es die Frage, willst wie der Michelin sein und aus vielen Weinen, die man gefahrlos trinken kann, die Besonderen hervorheben, oder eine übliche Skala haben, in der auch das Standardprodukt bewertet werden kann. So und jetzt schau ich mir die neue Folge an.

  17. Praterralle schreibt:

    @ Peer G.
    zwar ist das hier eine Beschreibung des 2005er Riservas, aber es gibt recht gut den Gesamteindruck des Weingute Selvapiana wieder. Viel Vergnügen

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