Rieslingknaller – 147. Folge

Wein Soul-Faktor Euronen
2012 Stettener Riesling „Gipskeuper“, trocken
Weingut Beurer, Württemberg
bis 10 €

Liebe Walinauten,

es gibt immer wieder phantastische Überraschungen beim Wein. Nie hätte ich gedacht, was im Schwabenländle mit der Sorte Riesling möglich ist. Viele finde ich zu brav und ausdruckslos. Pure Langeweile im Glas. Nach dem Motto: „Mit angezogener Handbremse als erster durchs Ziel kommen.“ Klar, das so etwas nicht möglich ist. Bis mir diesen Sommer die Weine von Jochen Beurer im Glas nach langer Zeit wieder begegnet sind. Er hat den Fuß auf dem Gaspedal und kennt anscheinend keine Bremse.

Er ist schon lange in Sachen Wein ein Vorreiter in Kernen/Stetten und starte einst als junger Wilder. Seine ersten Weine, die ich vor 10 Jahren kennenlernen durfte, waren anders und ambitionierter als vieles was ich aus Württemberg kannte. Mittlerweile ist Jochen ein alter Pro. Gott sei Dank aber keiner von der Sorte die vor lauter Selbstgefälligkeit eingeschlafen ist. Im Gegenteil: seine Weine, die er nach biodynamischen Kriterien ausbaut, sind erwachsen geworden. Jochen ist immer noch ein Wilder, aber er muss nichts mehr beweisen.

Die Preise, die er für seine Weine aufruft, sind mehr als fair. Haben wir doch in der letzten Zeit eine regelrechte Preisexplosion aufgrund der hohen Nachfrage bei hochwertigen Rieslingen aus D erlebt. Hier lohnt es sich zuzuschlagen.

Der „Gipskeuper“ für unter 10 Euronen ist eine kleine Sensation und ein Geschenk für Freunde des anspruchsvollen Rieslings. Das liegt sicher auch an dem sehr individuellen Ausbau nach biodynamischen Kriterien. Dieser bringt einen nicht „mainstreamigen“ Duft nach langweiligem Obstsalat aus der Dose ins Glas, sondern ein abwechslungsreiches Spiel. In diesem Fall sind es Zitrusdüfte und reifes exotisches Obst wie Mango und Papaya. Alles wird geprägt von einem stark mineralischen Unterton. Er ist nicht spitz in der Säure, sondern schön reif und herb markant. Ein klasse Wein, der knapp an den 5 Soulpunkten kratzt.

Auch die anderen Rieslinge von Jochen Beurer haben mich durchweg begeistert. Sicher rede ich hier nicht von einer Alltagsfliege. Denn das ist allerhöchster Spaß im Glas.

Ich wünsche einen frohen ersten Advent,

Euer Hendrik

Über hendrikthoma

Master Sommelier, Impresario und Gastgeber bei Deutschlands Video Blog + Shop "Wein am Limit"
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28 Antworten zu Rieslingknaller – 147. Folge

  1. Freddy schreibt:

    Sehr schöne Folge kurz, knackig und informativ!

    • David schreibt:

      Lieber Hendrik,
      ich finde Deine Wine-Show ganz große Klasse!! Weiter so!

      Zum Thema „Weine aus Württemberg“ gibt es ein sehr gutes Weingut(wie ich finde) ROLF WILLY in Nordheim. Tolle Qualität & bezahlbar😉

      Grüße vom See

  2. Bommer schreibt:

    Lieber Hendrik

    Jetzt muss ich doch mal was zu Deiner Arbeit sagen:
    Riesling und Würtemberg….das habe ich eigentlich schon aufgegeben….
    Und genau darum:
    Danke dass es diese Format gibt mit so einer kompetenten Umsetzung.

  3. AlenJ schreibt:

    Ich muss zugeben, ich hatte mich schon längst von Württemberg abgewandt. Nun lese ich in der letzten Vinum Ausgabe von Begeisterungsstürmen die über dieses Anbaugebiet hinwegfegen und jetzt auch von dir Hendrik ein Württemberger auf der Agenda. Trinken Kenner Württemberger?
    Werde mich zumindest wieder mal rantasten. Von mir aus, geografisch gesehen ist es auch das nächstgelegendste Anbaugebiet. Freut mich.

  4. Hardy schreibt:

    Schöne kurze Folge. Hat mir gefallen. Gerne mehr solche Folgen.
    Württemberg ist echt toll. Leider teilweise sehr teuer, aber du hast ja was Gutes gefunden.
    Ich finde gut, dass du diese Schiene wieder mehr fahren willst.Solche Weine hier find ich gut.

  5. kudammcowboy schreibt:

    Württemberger Riesling? Wäre ich jetzt nicht unbedingt drauf gekommen. Aber dafür gibts ja Wein am Limit! Bin gerade eine Woche in Trier! Müsste doch mit dem Teufel zugehen, wenn hier kein Riesling aufzutreiben wäre …

  6. Andreas Löw schreibt:

    Hi Hendrik,
    jetzt hast du mir solch große Lust auf den Riesling gemacht – aber das Teil ist nirgends online zu erwerben – hast du uns einen Tipp ?

    • Jo_2 schreibt:

      Hi Andreas, Tipp bzgl. Bestellung: Old School, ich weiss, aber einfach auf Webseite von Weingut Beurer gehen, Telefonnummer notieren, Smartphone in die Hand nehmen und „mit de Leut schwätza“ wie man in Stuttgart sagt😉 … auf der Preisliste 2013/3, die das Weingut im Internet hinterlegt hat, ist der 2012er aufgeführt; somit müsste er direkt ab Hof bestellbar sein

  7. Dominik Herzog schreibt:

    Der Ton war diesesmal überhaupt kein Problem, musste die Lautstärke nicht mal voll aufdrehen. Kann das sein weil du näher an der Kamera, bzw. am Mikro dran warst?

  8. Mathias schreibt:

    Endlich mal wieder ein alltagstauglicher Tipp für einen guten Wein zu einem erschwinglichen Preis und sogar noch biodyn. Auch ich habe bisher um die Württemberger eher einen Bogen gemacht, aber da gibt es offenbar noch einiges zu entdecken. Die Weine von Beurer gibt es im Netz übrigens bei vicampo. Dort von diesem Wein allerdings noch der Jahrgang 2011 im Angebot,

  9. PeerG schreibt:

    Thumps up!

  10. Jo_2 schreibt:

    Kurz, knackig, gut! Danke für diesen Tipp Hendrik! Ich habe Beurer-Weine zwar schon öfter in hiesigen Weinhandlungen in Stuttgart gesehen, aber mich nie wirklich damit beschäftigt, geschweige denn, einen seiner Weine getrunken. Das wird sich jetzt definitiv ändern! Ein anderes Thema, das Du anschneidest finde ich auch sehr interessant und diskussionswürdig: Die Flaschenetiketten und Namen. In der Tat gibt es mehr und mehr Winzer, die ihren Weinen irgendwelche Fantasienamen geben aus denen nicht immer hervorgeht, was man da gerade trinkt. Ich habe mir noch kein abschließendes Urteil gebildet, da ich es generell gut finde, wenn die Winzer ein wenig kreativer werden und/oder ansprechende Etiketten produzieren. Manchmal finde ich es aber schon ein wenig bemüht und ärgerlich wird’s dann, wenn mehr Augenmerk auf’s Etikett und die Vermarktung, als auf den Wein gelegt wird.

  11. Rainer schreibt:

    Apropos Riesling aus Baden, hab mir im September vom badischen Weingut Schmid, Ballrechten-Dottingen [http://www.weinstube-schmid.de/] zu einem Knallerpreis einen 6er Karton Riesling schicken lassen. Aktuell unter Ebay-Artikelnummer 310811485330 zu finden. Ein frischer Wein, erfrischende Säure, ein Wachmacher, kein Langweiler. Lässt sich auch gut mit Creme de Cassis gemischt trinken. Für den Preis kann ich nicht meckern.😉

  12. A. HOfer schreibt:

    Guten Riesling gibts mittlerweile zu hauf in Württemberg (Schnaitmann, Aldinger, Knaus, um nur einige zu nennen), allerdings nicht zu diesem Preis-/Leistungsverhältnis wie von Beurer. Genial bereits der noch günstigere Gutsriesling im Einstiegsbereich.

  13. enjoy schreibt:

    Jawohl! Chapeau für diese Folge! Danke für den Tip!

  14. Messias schreibt:

    Werde in den nächsten Tagen das erste mal direkten Kontakt zu württemberger Weisswein aufnehmen. Ein Riesling Fellbacher Lemmler GG.

  15. Praterralle schreibt:

    Es gibt nix, was sie nicht können, außer hochdeutsch. Warum also nicht Riesling? Habe bisher meistens Rote getrunken , unter anderem einen Lemberger GG von Schnaitmann. Super. Verschiedene Weiße von Neipperg etc. und war sehr zufrieden. Das mit den Etiketten kann ich nur unterstreichen. Irgendwie ist aber auch bei manchen Weinkritikern festzustellen, dass junge Weinmacherinnen in den Himmel gelobt werden und das erste Glas Riesling wie Weinschorle schmeckt.

  16. drunkenmonday (Nico Medenbach) schreibt:

    Wundert mich das noch keiner Dautel genannt hat. Der macht wirklich „geilen“ Riesling in Württemberg…

    http://drunkenmonday.wordpress.com/2012/11/02/geiler-riesling-aus-wurttemberg/

  17. Werner schreibt:

    Württemberg war bisher ein ziemlich weißer Fleck auf meiner Wein-Landkarte. Warum? Es fehlten die Tipps, es gab mehr als genügend interessante Weine aus anderen Gebieten? Vielleicht muss man sich einfach mal ein paar Sachen zum probieren holen und im Hirn die Ecke Württemberg=Trollinger neu belegen. Diese Folge war auf jeden Fall eine Anregung sich bei den nächsten Terminen in BaWü mal wieder neben/nach dem Job auch um den Wein zu kümmern!

    Und große Freude über den Ton! Hörgeräte werden wieder eingepackt!

    • lory schreibt:

      Obwohl ich aus Baden komme war trotz der Nähe zum Schwabenland der Landstrich in Punkto Wein gänzlich unbedeutend. Ein Fehler, wie sich in den letzten Jahren seit meinem Umzug nach Stuttgart herausstellte. Hier gibt’s echt einiges Leckeres zu kosten, was fernab vom Trollinger und Dornfelder liegt. Schnaitmann, Aldinger, Knauß, Rux, Kusterer…um nur ein paar zu nennen…machen klasse Sachen. Schnaitmann und Kusterer haben z.B. sehr interessante Rosé vom Muskattrollinger, die sicherlich auch nicht jeder auf dem Radar hat.

      Insgesamt würde es mich sehr freuen, wenn WaL ein bisschen mehr über Baden und Württemberg bringen würde. In knapp 150 Folgen kamen die beiden Regionen meiner Meinung nach deutlich zu kurz😉

  18. lory schreibt:

    Württemberg hat sich mittlerweile toll entwickelt und es gibt einige klasse Winzer, die zwar teilweise recht teure, aber sehr gute und interessante Weine herstellen. Schnaitmann ist denke ich hier zu einem echten Aushängeschild geworden und hat den Fokus auch auf einige andere Württemberger gelegt, die tolle Weine machen.
    Beurer macht durchweg richtig gute Weine und hat z.B. einen ganz tollen Gewürztraminer Spätlese im Programm, der erschwinglich (ca 15€) ist und der mittlerweile seinen Weg auch in die Spitzengastronomie schon gefunden hat (Marcel Runge kredenzt ihn im Aqua in WOB zur Jakobsmuschel mit Gänseleber und Linsen). Den kann man jedem Fan dieser Rebsorte ebenfalls bedenkenlos empfehlen.

  19. Niklas Peltzer schreibt:

    Württemberg ist auf jeden Fall sehr spannend. Sehr interessant finde ich persönlich das Weingut Hirth, tolle Philosophie.

  20. René Pechmann schreibt:

    Wer Württemberger Weine nicht beachtet ist selber schuld!!! Die von der Presse hochgelobten Betriebe aus den anderen deutschen Anbaugebieten kann jeder toll finden. Ich geh da lieber selbst auf Entdeckungsreise. Hab bei meiner letzten Tour das Weingut Zaiß in Schützingen (www.weingut-zaiss.de) endeckt.
    Und war vom einfacheren Rieling Gutswein schon sehr angetan. Was dann noch an Weinen folgte war ganz großes Kino. Ob Riesling, Weißburgunder, Rivaner oder Silvaner bei den Weißen; oder Trollinger, Lemberger, Früh- und Spätburgunder, Rotweincuvee alle Weine sehr sehr beeindruckend. Das Beste kommt aber noch zum Schluß die Wein sind im Verhältnis zur Qualität viiiiiiiiiiiiiiiiiiiel zu günstig.
    Das einzigste was mich gestört hat war etwas das Etikettendesign. Seid neugierig es lohnt sich!!!!

  21. Gerd Müller schreibt:

    Hi Hendrik,
    deine Folgen spannend, frisch, frech und knackig wie manch Württemberger Riesling.

    kleine Anmerkung: Martin BEURER heißt im wirklichen Leben JOCHEN!
    Er greift am 26. Januar 2014 mit 4 weiteren schwäbischen Haudegen – Junges Schwaben – im Römercastell in Stuttgart an. Geballte SchwabenPOWER!!!
    Siehe Flyer http://www.weingut-ellwanger.com/js2014.pdf

  22. Gerd Müller schreibt:

    kleines sorry Hendrik,
    Du hast Martin gesagt und Jochen geschrieben – Hauptsache: BEURER im Glas!

  23. Alex Barbera schreibt:

    Tolle Folge – klar, direkt, kurz und – wieder der Riesling von Beurers – knackig.

    Thanx Hendrik!

  24. Peer G. schreibt:

    Es sei in diesem Zusammenhang einmal auf die gesundheitlichen Risiken konventionell erzeugten Weines und seiner Rückstände verwiesen….

    http://www.pan-germany.org/deu/~news-742.html

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