Große Talente – 193. Folge Wein am Limit

Wein Soul-Faktor Euronen
2012 Sauvignon Blanc –GR-
Stefan Bietighöfer, Pfalz
10 bis 20
2013 Riesling trocken“Domberg“
K.H. Schneider, Nahe
10 bis 20

Liebe WALinauten,

es hat sich qualitativ wahnsinnig viel in Sachen deutscher Wein getan. Seit den 90iger Jahren ist es mit dem „deutschen Weinwunder“ stetig bergauf gegangen. Beim Fußball,
wie im Weinbau, hat es eine exzellente Jugendarbeit gegeben. Junge Winzer mit internationalem Background und einer tollen Ausbildung betreten die deutsche Weinbühne. Den Applaus bekommen sie vom heimischen Publikum zur Genüge.

Deswegen widme ich mich in dieser Folge zwei ganz großen (nicht mehr ganz so jungen) Winzertalenten. Über beide ist schon einiges geschrieben worden, aber trotzdem gibt es noch Luft nach oben in der allgemeinen Wahrnehmung. Ich bin mir sicher, dass sie eines Tages zu den festen Größen der deutschen Weinbranche gehören werden.

Häufig höre und lese ich nur dieselben Namen auf deutschen Weinkarten oder in der Presse. Nicht, dass ich den großen im Geschäft ihren Erfolg nicht gönne aber bei den aufstrebenden Talenten finde ich teilweise mutige und innovative Umsetzungen, die man sich so von manchen „Großen“ wünschen würde. Auch preislich lohnt es sich einmal genau zu hinzuschauen. Hier kommt eine Menge Spaß ins Glas.

In viele altbackende Betriebe ist frischer Wind gekommen. Der aus der Südpfalz stammende Stefan Bietighöfer gehört für mich zu den mutigen Winzern, die weit über den Tellerrand hinausschauen. Sein Sauvignon Blanc –GR ist so gefühlvoll inszeniert, dass er zu meinem TOP 10 in Deutschland gehört. Im Duft und Geschmack bietet er eine Mischung aus einer intensiven gelben Frucht, die ich auch in der neuen Welt wie z.B. Neuseeland finde. Auf der anderen Seite hat er ein mineralisches, feines Spektrum wie ein knackiger Sancerre von der Loire. Das Holz ist kaum spürbar. Auf jeden Fall wird es schwer zu diesem Preis (13,50 €!) etwas Ähnliches auf dem Markt zu finden. Es lohnt sich auch andere Weine aus Stefans Sortiment wie z.B. den Weißburgunder, Grauburgunder, Chardonnay oder der Spätburgunder (Le dernier Cri), den ich im 14. Livestream auf WaL vorgestellt habe, zu probieren. Stefan ist ein Meister des gekonnten Holzeinsatzes und seine Burgunderweine zeigen, wie Trinkfreude und Anspruch an das Terroir hervorragend interpretiert werden können.

Andi Schneider aus Bad Sobernheim von der Nahe ist ein Purist im besten Sinn. Seine Lagen sind steinig und karg. Das Klima an der Nahe ist etwas kühler, bzw. gemäßigter. Perfekt für den Riesling, der die steilen Kleinklimalagen braucht. Nicht umsonst hat sich diese kleine Region in den letzten Jahren einen Namen unter den deutschen Anbaugebieten gemacht, vor allem für trockenen ausbalancierten Riesling.

Andi ist ein Rieslingspezialist und trotz seiner Jugend arbeitet er fast altmodisch, bzw. eher traditionell. Er gibt seinen Weinen ausreichend Zeit in Ruhe zu reifen. Vor allem in alten Stückfässern vergären seine Rieslinge spontan und werden minimalistisch ausgebaut. Er lässt die Herkunft der Weine sprechen. Es ist verblüffend diese Range nebeneinander zu verkosten und eben diese Unterschiede nachvollziehbar sehr genau zu schmecken.

Der „Domberg“ –ein steiler Südhang- ist Andis geheime Liebe und ist vielleicht nicht so bekannt wie andere berühmte Lagen an der Nahe. Der Boden besteht aus Schiefer, Quarzit und Rotliegendem. Ich mag die rauchige Würze, Zitrusfrüchte und die floralen Aromen. Im Geschmack ist es die konsequente Trockenheit die mich anspricht. Ein geradliniger Riesling mit Reifepotential. In seiner jugendlichen Phase zeigt der „Domberg“ verblüffend viel, aber ich würde ihn gerne in 4-6 Jahren nochmals trinken wollen.

Dann sind Andi und Stefan wahrscheinlich schon im Olymp angekommen, sagt mir der Blick in die Glaskugel.

Mehr Spaß im Glas,

Hendrik

Über hendrikthoma

Master Sommelier, Impresario und Gastgeber bei Deutschlands Video Blog + Shop "Wein am Limit"
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16 Antworten zu Große Talente – 193. Folge Wein am Limit

  1. Freddy schreibt:

    Sehr schöne Folge!
    Gerne mehr „Jungwinzer“ mit Potential

  2. Bommer schreibt:

    Hallo Hendrik

    Du hast in Deinem Kommentar geschrieben, das der Sauvignon Blanc GR von Stefan zu den TOP 10 der Weine in Deutschland für Dich gehört. Mich würde interessieren, welches sind die anderen neun Weine? Ich weiss, dass diese Frage sicher nicht einfach ist und von vielen Faktoren (Bevorzugte Traubensorte, Anbaugebiet, Jahrgang, Ausbau….aber sicher auch Tagesform) abhängt.
    Interessieren würde es mich, und ich glaube viele Walinautenauch, trotzdem.

    Und weiter so….sehr gutes Format was ich immer wieder gerne schaue.Danke für diesen Einsatz.

  3. Robert G. schreibt:

    Hallo, danke für diese Folge!
    Die Frage nach dem Holz kann ich nur mit meinem persönlichem Geschmack beantworten.
    Es sind meiner Meinung nach ausreichend „trinkige Sommer Früchtekorbweine“ im Handel – schöne Weißweine mit „echtem“ Holz wecken in mir noch immer einen gewissen Reiz.
    Sehr gerne mag ich gereifte holzige Noten – etwas aussergewöhnlich waren schon die Spanier mit den Tondonia „Gravonia“ Weißweinen (ein geiler Scheiß).
    Bitte gerne mehr Faßaromen, wenn man nicht als „Trinkwein“ enden möchte.

  4. drunkenmonday (Nico Medenbach) schreibt:
  5. Praterralle schreibt:

    Hallo Hendrik,
    nette Sendung mit netten Gästen. SB war übrigens früher in Deutschland eine unter dem Namen Muskat Sylvaner vertretene Traube, die aber im 3. Reich als „Franzosentraube“ diffamiert und verdrängt wurde. Das Weinwunder würde ich auch nicht an den letzten 10-15 Jahren festmachen. Die Revolution im deutschen Weinbau startete meiner Meinung eigentlich Mitte-Ende der 80er Jahre nach den Weinskandalen. Übrigens auch in Österreich. Beide Weine sind bestimmt mehr als interessant, aber ich hab das mit der Terroirdefinition in der Sendung nicht so ganz kapiert.
    Bezüglich Holzeinsatz beim SB find ich das positiv, wenn der Wein die Substanz dafür hat und dann auch nicht jung getrunken werden muß. Wobei ich die Version mit den starken Fruchtaromen aus dem Stahltank auch nicht schlecht finde. Macht eigentlich auch einer der beiden Winzer Scheurebe? Finde ich in Deutschland meist interessanter als SB.

  6. August schreibt:

    Ganz tolle Folge, die viel Spaß gemacht hat.
    Ich denke, der Begriff „Holzeinsatz“ schreckt im Bereich Weißwein immer noch sehr viele ab.
    Ich habe es sehr gerne.
    Was mich sehr neugierig macht es der Ausbau in alten Holzfässern bzw. Halbstücken.
    Ich habe mich schon öfters mit Winzern über dieses Thema unterhalten und immer unterschiedliche Antworten erhalten.
    Es hatte doch sein Grund zu Stahl zu wechseln, um Fehltöne usw. zu vermeiden, bzw. ist es wirklich möglich die Fässer vom Opa immer wieder so sauber zu machen, damit eben solche Fehltöne nicht entstehen?
    Wie sieht es mit der Spontangärung aus, wenn es mal nicht klappt?
    Soweit ich weis kann dies dem besten Winzer passieren.
    Mich persönlich nervt es in letzter Zeit etwas, fast jeder Winzer mit dem man über seine Weine spricht erwähnt die Begriffe Spontangärung und alte Holzfässer fast zeitgleich.

    Macht weiter so, ich werde eure Weine auf jeden Fall probieren.

  7. Bernd schreibt:

    Schöne Folge!

    Ich finde Weine mit Terroircharakter besonders toll. Der Riesling kann das sehr gut zum Ausdruck bringen, aber in Österreich auch durchaus der Grüne Veltliner (z.B vom Löss oder Urgestein). Dass es in der Nahe diese Bodenvielfalt gibt, habe ich schon mal gehört, konnte dies aber leider bis jetzt noch nicht verkosten – Rieslinge aus dem selben Jahrgang und aus dem selben Weinbaugebiet von unterschiedlichen Böden zu verkosten, ist ein Erlebnis.

    Holzeinsatz beim Weißwein muss halt gekonnt sein! Vanilletöne und zu starke Röstaromen im Weißwein gefallen mir persönlich nicht so. Wenn der Wein aber dadurch an Harmonie und Vielfalt bei den Aromen gewinnt, ist das interessant und eine tolle Sache. Das Holz sollte nicht vordergründig spürbar sein. Sauvignon Blanc ist dafür sicher geeignet.

    Aber auch SB, der ausschließlich im Stahltank ausgebaut wird, von reifem Traubenmaterial kommt, kann auch gelbe und exotische Fruchtaromen mit Eleganz und Feinheit entwickeln (einer meiner Favoriten ist SB Reisberg von Edlmoser aus Wien).

    Wird es auch mal eine Folge über talentierte Jungwinzer aus Österreich geben?

    LG
    Bernd

  8. Adrian schreibt:

    Tolle Folge.macht auf jeden Fall Lust, die Weine zu probieren.
    Die Weine von Andi Schneider haben wir 2011 in München mit ihm, sehr sympathisch, probiert und vom Stand Weg bestellt. Wir waren mehr als begeistert und haben auch nur wenig so eigenständiges zu diesem Preis gekostet. Nächste Bestellung folgt nach der Erinnerung hier wieder.

    Grundsätzlich mag ich sb’s aus dem Holz recht gerne. Gerade Steiermark oder natürlich Frankreich.deswegen werden wir auch diesen sb probieren.

  9. plongel schreibt:

    Mit Weinen aus der Pfalz war ich bis jetzt leider durchgehend glücklos, was den Spaß im Glas angeht. Deshalb ist diese Region leider (noch) nicht positiv bei mir besetzt. Aber vielleicht sollte ich mal wieder einen Versuch wagen, möglicherweise klappt es ja diesmal…

  10. Sarah schreibt:

    Weiß und Holz? Kann Spaß machen, tut es aber oftmals nicht. Insbesondere bei den deutschen Experimenten zu diesem Thema musste ich oft genug schon mit dem „Holzaffen“ kämpfen – wie Du, Hendrik, es vor nicht all zu langer Zeit so schön bezeichnet hast. Leider habe ich den Kampf dabei meist verloren. Eine subtile Holznote – ähnlich wie zarte, natürliche Alterungsnoten – können den Wein spannender, interessanter und auch eindrücklicher machen. Wenn ich aber das Gefühl habe ein Holzfass zu trinken, in dem irgendwann mal eine Tafeltraube ausgequetscht wurde, verfliegt das Interesse gleich – oftmals schon bei der ersten „Nase“. Besonders beim Thema Sauvignon Blanc (aber natürlich auch Chardonnay) geht dieser Trend gerade unter jungen Winzern in Deutschland rum, die einfach eine bestimmte Zielgruppe ansteuern, welche plump denkt: „Wenn Wein nach Holz schmeckt, muss er gut sein“. So ein Käse. Mein ganz persönlicher Geschmack: Ein (Weiß-)wein muss unbedingt seinen eigenes Profil mitbringen und auch zeigen – das Holz darf nicht die Musik spielen, sondern höchstens ein bisschen mitsummen. Und selbst wenn der Wein ohne Zusatzspielerei nicht die Kirsche auf der Sahne werden würde, ist mir dies immer noch lieber als ein Fass auf der Sahne. Spontan und Pfalz passt für mich dann wieder super, um ein bisschen Pfiff in die Sache zu bringen. Mich würde insofern interessieren, was der Bietighöfer da gezaubert hat, ist ja anscheinend ein ordentliches Werkstück draus geworden.
    Zum Thema Riesling von der Nahe und Bodenvielfalt dort, kann ich nur sagen: Go, Nahe, go! Dort entwickeln sich gerade ganz feine Tropfen, die die Böden, das Klima und einen ganz eigenen Stil entwickeln. Zum Riesling gehört *für mich* zudem Mineralität und vielleicht auch ein Stück weit Kantigkeit. Das macht die Sache knackig und hält die Zunge bei Wein-Laune.

    Super Folge, hat echt Spaß gemacht und auch durstig.😉 Weiter so!

    Liebe Grüße,
    Sarah

    • plongel schreibt:

      Ich stimme dir voll zu, würde die Bemerkung aber generell auch auf alles Rote ausweiten. Es gibt aber nun mal eine anscheinend nicht kleine Schar von Anhängern der holzlastigen Weine, das ist letztlich Geschmackssache. Ich finde es allerdings doch schade, daß bei vielen Winzern, egal um welche Farbe es sich gerade handelt, der Grad der Holzigkeit mit der Intensität (und dem Preis) eines Weines linear zunimmt. Ich mag eigentlich auch gerne sehr gehaltvolle und ausdrucksstarke Weine verschiedenster Rebsorten, aber häufig sind die „Flaggschiffe“ eben sehr holzbetont, die erschlagen einen fast, ist oft wie eine Faust im Gesicht für mich. Weshalb mir die Weine aus dem „einfacheren“ Teil des Sortiments sehr oft besser schmecken, weil dort der eigentliche des Weins nicht oder nicht so sehr vom Holz zugedeckt wird. Zuletzt in Südtirol habe ich bei mehreren Weinproben fast alle „Flaggschiffe“ links liegen gelassen, genau aus dem angesprochenen Grund. Und bei den Gambero Rosso-Entscheidern über 3 Gläser oder nicht scheinen auch ein paar Holzliebhaber dabei zu sein.
      Nach meiner subjektiven Einschätzung nimmt der Trend zu viel Holz im Wein jedoch eher ab, jedenfalls finde ich peu à peu immer mehr Beispiele, bei denen entweder ganz auf Holz verzichtet wird oder es nur ganz moderat eingesetzt wird und dennoch (oder gerade deswegen) ganz große Stöffchen daraus resultieren.
      So sitze ich jetzt gerade in der Sonne mit einem wunderbaren Edelstahlwein: Mantele Sauvignon von Nals-Margreid. Wobei ich sein Brüderchen Sirmian Pinot Bianco auch sehr sehr gerne mag, obwohl der ein bißchen Holz gesehen hat…

  11. Markus Fuchs schreibt:

    Sehr tolle Sendung, Stefan Bietighöfer wird schon seit Jahren gekauft🙂 Auch der Riesling GR ist toll. K.H. Schneider kannte ich noch nicht, aber jetzt ebenso auf dem Radar.

    VG Markus

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